Archiv der Kategorie: Allgemein

Aha!

– Wannst d‘ eh die Arbeitslosenunterstützung hast, zu was willst denn da in a Arbeit geh’n?
= Na, daß i streiken kann!

(15. Mai 1923)

 

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Zoologische Karriere.

Mit sechzehn Jahr’ die Schafe trieb
Zur Weide hin die Trude;
Mit siebzehn lief sie ‘nem Student,
N‘em „Füchschen“, auf die Bude.

Mit dem verkehrt’ platonisch sie,
Man lachte, scherzte, neckte,
Bis sie ein Windhund hat verführt
Mit achtzehn Jahr beim Sekte.

Drauf nahm sie einen Kapitän,
N‘en Seebär, der hübsch blechte,
Und hielt darauf bis dreißig sich
Nur mehr an reiche Hechte.

Dann hat mit ihr zur Ehe sich
Ein schüchtern Herr verbunden,
So hatte Trude nun zum Schluß
Auch das Kameel gefunden.

Zell.

(1. Juni 1925)

 

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Verschiedene Redenarten.

„Ich bin sehr häuslich gesinnt“, sagte die Schnecke.

„Ich darf den Leuten kein X für ein U vormachen“, sagte der Setzer.

„Ich kann nicht oft genug wiederholen“, sagte ein Stotterer.

„Man darf den Leuten nicht immer reinen Wein einschenken“, sagte ein Wirt.

„Die Menschen sind nicht wert, von der Sonne beschienen zu werden“, sagte ein Sonnenschirmfabrikant.

„Ich bin aus den Wolken gefallen“, sagte ein Aviatiker.

„Not bricht Eisen“, sagte ein Einbrecher, indem er die eiserne Kasse erbrach.

(1. Juni 1925)

 

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Voreilig.

„Ich könnte es nicht fassen,
Ein Dasein ferner allein, –
Ich möchte mein Leben lassen,
Willst du die meine nicht sein!“

Die Antwort, die sie gegeben,
Die löste die Liebespein,
Sie schenkte ihm das Leben
Und wurde für immer sein.

Doch bald erkannte er trübe,
Im Eh’joch, das ihm so schwer,
Daß damals ein Selbstmord aus Liebe
Weit besser gewesen wär’!…

I. Pauer.

(1. Juni 1925)

 

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Bettauers Manen.

Schon rauscht der Mordprozeß in Wiener Blättern.
An Rothstock reiht man Steinhof schon hinzu:
Nur Eins bleibt gleich, der Kampf in fetten Lettern:
Hier „Kirch’ und Schule“ dorten „Ich und Du“.

Hört! Hört! Die Kinder lesens, sind im Klaren
Ob mancher Dinge zwischen Bub und Maid.
Du lieber Gott! So wars vor hundert Jahren,
So wird es bleiben und so ist es heut.

Die Gattin, die so bieder einst gewesen,
Lügt und betrügt den braven Ehemann.
Nun: Hat sie jene Werke einst gelesen,
Bevor den ersten Fehltritt sie getan?

Kein Zweifel, rings ersprießen Blätter, Bücher,
Auf Geil- und Sinnlichkeit berechnet nur;
Entscheidend ist in allen Fällen sicher,
Vor allem doch das Wirken der Natur.

Sowie das Vorbild, das daheim erworben,
Gewiß Gelegenheit auch dann und wann.
Doch wird und ward manch braves Weib verdorben,
Tuts nicht Lektüre, sondern nur … der Mann.

V. S. Teinhof.

(1. Juni 1925)

 

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Sie schrieb!

Ich liebte das Fräulein, wie selten ein’s,
In allen vier Jahreszeiten, –
Ihr Haar war echt, in der Welt de Scheins
Und glänzte wie Gold vom Weiten.

Sie schwärmte für Zigarettenrauch,
Und halte so schöne Möbel,
Sie liebte meine Gedichte auch,
Den süßen lyrischen Pöbel.

Sie machte mir den Abschied schwer,
Sie schrieb kalt-höflich, gemessen
Sie schrieb mit derselben Tinte, in der
Ich Zeit meines Lehens gesessen.

Ahasver

(1. Juni 1925)

 

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Verfehlte Spekulation.

Von Leon Xanrof.

I.

(Ein friedliches, gut und ziemlich behagliches Zimmer bei reichen Bürgersleuten. Gegenüber dem Bett das Bild eines Provinzonkels, der mit unangenehmem Lächeln herniederblickt. – Es schlägt elf Uhr auf der Pendule, die auf einem bronzenen Amor ruht, der wohl infolge langer Gewohnheit von den Schlägen nicht erwacht. Die Tür öffnet sich. Man tritt ein.) Er: dreißig Jahre alt, aufgedunsen und mit rotem Gesicht. Sie: fünfundzwanzig Jahre alt, stark parfümiert und elegant gekleidet; obwohl sie sich alle Mühe gibt, sich zu Hause zu fühlen, merkt man doch, daß sie nicht ganz in ihrem Element ist. Indessen treffen beide, bevor sie zur Ruhe gehen, noch Vorbereitungen zu einem kleinen Imbiß. Weiterlesen

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Caramels Spekulation.

Skizze von Henri Falk.

Als mein Tagewerk im Ministerium beendet war, entschloß ich mich zu einem kleinen appetitanregenden Spaziergang vor dem Diner über die Boulevards. Ich schlenderte also müßig dahin, als das Auftauchen von Alois Caramel mich dazu veranlaßte, ein Schaufenster mit Manschettenknöpfen zu studieren, aber er übersah mich nicht. „Dieser brave Gregoire“ trompetete er mit ausgestreckten Händen und veranlaßte mich so, den Kopf zu erheben. „Wie geht es dir“ fuhr er fort.

„Nicht gerade schlecht und dir?“

„Mir“, sagte er mit tönender Stimme, „wie einem Manne, der soeben da Gefängnis verläßt.“ Weiterlesen

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Im wunderschönen Monat Mai.

Im wunderschönen Monat Mai,
Da alle Knospen sprangen,
Sind alle Preise frisch und frei
Auch in die Höh’ gegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Von dem die Dichter leiern,
Beschenkte uns der Staat auf’s Neu
Mit jungen Frühlingssteuern.

Im wunderschönen Monat Mai,
Da alle Knospen glommen,
Hat Breitners Magistratspartei,
Was Ahrer ließ, genommen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Der stets das Herz erfreute,
Steh’n die Geschäfte leer… dabei
Und schon zwei Drittel pleite.

An jedem Tag im Monat Mai
Da alle Blumen sprießen,
Notiert präzis die Polizei
Wie viel sich erschießen.

N. Ada Sixtus.

(1. Mai 1925)

 

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Keine Sorge.

Dem Lieschen flüstert der Fritz in’s Ohr
Und ohne Bedenken und Säumen
Entgegnet ihm das Mägdelein:
„Davon laß dir nichts träumen!“

„Sei ohne Sorge“, versetzt der Bursch,
„Denn mein ganzes Trachten und Streben
Läuft einzig ja darauf hinaus.
Es in Wirklichkeit zu erleben!“

(1. Mai 1925)

 

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Pech.

Von J. Marni.

In Monte Carlo, im Atrium des Kasinos; Claire Cristal, die blonde und hübsche Cristal von den Folies Tragiques, verläßt in Begleitung ihres blutjungen Freundes Jean Pynce, die Spielsäle. Ihr Gesicht ist rot und erregt. Jean Pynce erscheint sorgenvoll.

Claire: Das macht dreiundreißig Louis, die ich in zwei Stunden verloren habe! Sage, was du willst, das ist doch etwas stark! Weiterlesen

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Rückschau.

Und wenn auch die Haare ergrauen,
Und wenn auch bald endet die Fahrt,
So hab’ ich die Lust doch am Schauen
Aus der Jugend Tage bewahrt.

Und wenn ich auch anders heut sehe,
Als einst in lenzseliger Zeit,
So fühle ich Lust doch und Wehe,
Beim Schau’n in der Einsamkeit.

In solchen trostlinden Stunden,
Ist’s mir, als wenn’s damals noch wär’,
Da ist der Nebel geschwunden,
Der grau sonst lagert umher.

Der Blick schweift durch sonnige Auen,
Durch die einst ging fröhlich die Fahrt –
Und ich hab die Lust mir am Schauen
Aus der Jugend Tagen bewahrt.

J.P.

(1. April 1925)

 

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Beim Liebchen.

Ich streichle dein gold’nes Lockenhaar
Dir aus der Stirne, der blanken,
Denn deine Blauaugen, so wunderbar,
Verkünden gar ernste Gedanken.

Sie sehen auf mich so tief bewegt
Und ich fühl’s mir die Seele durchbeben:
Der Sturm, der sich kaum erst im Herzen gelegt,
Er will sich aufs neue erheben.

Da faßt mich der ewige, selige Trieb,
Die Glut will zur Flamme entfachen,
Ich hab’ dich so lieb und ich hab’ dich so lieb…
Und du lächelst: „Was sind das für Sachen?…“

(1. April 1925)

 

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„Hallo! Hallo! Hier Radio Wien“

Wien’s Hochburg. Sieh! Von deren höchster Stelle
Herab im Sonnenglast ein Schimmern, Glühn,
Der Ursprung der Fünfhundertdreißiger Welle,
Die Quelle des „Halloh! Hier Radio Wien!“

Und von des Prachtbaus steilen Hochantennen
Mit einem Schlage durch den Weltraum weit
Der Widerhall von Wiener Kunst und Können
Das, unerreicht den Weltruf uns verleiht.

Horch! Einz’ger, erster, unsterblicher Meister
Vollendet vorgetragene Harmonien,
Beethovens, Schuberts, Strauß und Mozarts Geister,
Die ewig „unsern“ sinds. „Hier Radio Wien.“

Der Erdball lauscht. Weithin durch alle Lande
Tönt’s lieblich, lockend, symphonienreich:
Noch lebt die schöne Stadt am Donaustrande,
Groß in der Kunst das kleine Österreich.

Noch spendet sie, die alte Stadt der Lieder,
Dem Erdenrund die reichsten Melodien;
Nur eins vergißt nicht, reiche Erdenbrüder:
Zu Füßen der Antenne hungert Wien.

N. Ada Sixtus.

(1. April 1925)

 

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Eingeordnet unter Allgemein, Inland

Was gibt’s denn Neues? vom 1.4.1925.

Was Neues in der Welt und Wien?…
Schlecht gehen die Geschäfte,
Die besten Firmen werden hin,
Es übersteigt die Kräfte.

Und abwärts geht es Schritt für Schritt,
Die ält’sten Firmen krachen,
Kein Geld, kein Kunde, kein Kredit…
Was soll der Mensch da machen?

Was nützt der schönste Lobgesang
Der wohlgemuten Presse,
Der Pauken- und Trompetenklang
On uns’rer Frühlingsmesse?

Seit wir den Schilling haben, fühl’n
Wir erst den Riesendalles,
Da nützt mehr kein Versteckenspiel’n,
Denn teurer wird ja alles.

Mit bösen Witzen nebstdem würzt
Man noch den Elendsreigen,
Da man zum Trotz den Index kürzt,
Je mehr die Preise steigen…

Auf Bettauer ein Jüngling schoß
Aus Hakenkreuzlerkreisen,
Die Pruscha krankt im Kerker, trotz
Des Mangels an Beweisen.

Das Radio ward zum Hochgenuß.
Meist nie gelesene Meister
Hört man, Hans Sachs und Griffius,
Statt flotter Wiener Geister.

Und Kammermusik tobt sichaus
Von tausend – „einen“ labend;
Kommst du nach Tagesmüh’n nach Haus,
Wie heiter wird der Abend!

Auch Deutschland kommt zum Völkerbund.
Die Welt erfährt’s mit Rührung,
Bald steht der ganze Erdenrund
Im Zeichen der Sanierung,

Gleich uns, die zu derselben Frist
Zur vollen Heilung streben.
Und wer noch nicht gestorben ist,
Der kann sie auch erleben.

T. Rauerfall.

(1. April 1925)

 

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Sexuelle Aufklärung.

Der Verein „Sexuelle Aufklärung“ schickte seine Jünger, um zu predigen. Überall wo sie hinkamen, strömte das Publikum zu den Vorträgen. Eines der tüchtigsten Mitglieder war Fräulein Frieda Phrodite. Nachdem sie wieder einen glänzenden Vortrag gehalten und die Hörer aufforderte, daß jeder einzelne an sie herantreten könne, wenn jemand ein Anliegen habe, wartete nach Schluß des Vortrages ein robuster junger Mann auf sie und fragte in flehendem Tone: „Fräulein, sind Sie heute Abend frei?“

(1. April 1924)

 

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Eingeordnet unter Allgemein, Erotik

Veränderung.

Dort, wo es mir gut erging,
Ließ ich stets mich nieder,´.
„Ubi bene – patria“
Sang ich immer wieder!

Jetzo hab ich’s Zipperlein
Und das Gliederreißen…
„Ubi Beene – Podagra!“
Tut mein Sang nun heißen.

Nazi.

(1. April 1924)

 

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Ein korrekter Mann.

Von Henri Falk.

Mit einem leichten Alpakaanzug bekleidet trat ich aus dem Jardin des Plantes, in welchem ich meinen Onkel, der Beamter des dortigen Museums – ist, besucht hatte. Es war so eine erstickende Hitze; daß selbst die pneumatischen Uhren, wahrscheinlich aus Mangel an Luft, stehen blieben. So setzte mich der Anblick eines Herrn im Überzieher, Zylinder und tadellosen Handschuhen, der mir raschen Schritte entgegenkam, in Erstaunen. Aber bald erkannte ich Verduret, meinen alten Studiengenossen der Rechte, in ihm wieder. Nach absolviertem Examen war er in die Steuerverwaltung, ich in den Staatsdienst eingetreten. Seine Heirat hatte unsere Beziehungen unterbrochen. Wir waren uns seit einem halben Jahre nicht mehr wieder begegnet. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Allgemein, Gastbeitrag

Geringschätzung.

Im Prater, Sonntag Nachmittag. Bei der Kreisschaukel gegenüber lehnt an einem Baum ein junger Mann, seines Aussehens nach Fleischergehilfe, der durch das Schaukeln offensichtlich seekrank geworden und von gewaltigen Eruptionen erschüttert wird. Sein Partner, ein abgebauter Schneidergehilfe, steht abseits auch mit etwas üblern Gefühlen, jedoch unerschüttert, und blickt spöttisch auf seinen Kollegen. Dies bemerkt der Fleischer und sagt ergrimmt: „Du kannst leicht lachen mit dem Maggi-Suppe-Erdäpfelgollaschmenü und der Ovomaltine-Jausen. Aber bei mir san zwa Rostbratl mit Beilage, 5 Buchteln und zwa Schwarze g’spritzt drunten. – Hup!“

J. G. Henger.

(1. März 1925)

 

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Gewohnheit.

Man kann auf der Welt, der schönen,
Bis alt man wird und grau,
An alles sich gewöhnen,
Sogar an seine Frau.

(1. März 1925)

 

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