Archiv der Kategorie: Internationale Theaterausstellung

Wochen-Caricaturen vom 17.7.1892 – Original und Plagiat.

Frankreich, Paris – ach, die Zeit, da Bertha, nein da Pauline spann! Die Zeit, da sie noch an der Seine dort ihre Fäden spann, die heiteren Fäden fröhlichen Gewebes – vielleicht auch mancher ernsten, mancher dunklen und versteckten Kreuz- und Querfäden darunter – am liebsten aber doch die lichten Fäden der Vergnügungstapisserie, mit welcher sie die brüchig und rissig gewordenen Wohnlichkeiten des napoleonischen Herrschaftsbaues verdecken und trügerisch verschönern half. Wenn ihr damals dort eingefallen wäre, was ihr nunmehr in Wien erst einfiel, und wenn sie damals ihren Dr. Auspitzer in’s Französische übersetzen, oder besser noch, französisch hätte bearbeiten lassen können – denn mit einer allzu getreuen Uebersetzung wäre blutwenig geholfen und geändert gewesen – bis aus dem Auspitzer ein Gailhart geworden wäre, der im nächsten Jahre in Paris der Welt zeigen will, was eigentlich aus der Theater-Ausstellungsidee der Fürstin Pauline gemacht werden könne. Freilich erinnert der gewesene Director der großen Oper und der Zukunftsdirector der Pariser Theater-Ausstellung dabei an eine Anekdote vom Marschall Mac Mahon.

Der brave Marschall-Präsident war alles andere, sogar ein Staatsmann eher, als ein guter Redner, und seine officiellen Reden mußten immer für den Druck von kundiger Hand nachgebessert werden. So hatte er denn auch bei einer Flotten-Revue in Compiegne einige zusammenhanglose Fragmente einer Ansprache herausgezwungen, welche der bekannte Pariser Times-Correspondent in seinem Berichte durch eine ganz andere Rede eigener Composition ersetzte. Wie nun der Marschall in der „Times“ liest, was für einen wunderschönen Speech er gehalten, ruft er in hocherfreuter Anerkennung aus: „Ein Teufelskerl der Blowitz – was der für ein Gedächtniß hat!“ Mr. Gailhart scheint ein ähnlich construirtes Gedächtniß zu haben – er erinnert sich jetzt mit einem Male, daß er die Idee der Fürstin Metternich eigentlich schon länger vor ihr gehabt habe. Aber was verschlägt das! In Paris darf man sich schon erlauben, so eine Idee erst hinterher zu haben, wenn man nur etwas ganz Anderes und ganz Neues daraus macht. Fürstin Pauline würde, wenn das Pariser Project in seiner ganzen Geplantheit zur Ausführung kommt, es vielleicht vorgezogen haben, die Idee auch erst hinterdrein zu kriegen – aber in Paris. Und sie wird der Zeiten gedenken, als sie noch in den Tuilerien ihre Fäden spann anstatt im Prater. Schon manches Plagiat ist dem Originale über den Kopf gewachsen, wenn es mit seinen Mitteln höher hinauf kommt.

(17. Juli 1892)

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Neue Maßregeln zur Hebung des Ausstellungsbesuches.

(Dem Ausstellungs-Comité unentgeltlich zur Verfügung gestellt von den „Wiener Caricaturen“.)

  1. Nachdem die Blumenpromenade ein ziemlich ausgesprochenes Fiasco gemacht hat, würde es sich empfehlen, eine „Jausenpromenade“ zu veranstalten, bei welcher jede Dame jedem Herrn ein Paar Würstel mit Kren nebst einem Glas Bier, und umgekehrt, jeder Herr jeder Dame je nach Wahl eine „kleinere Melange“, ein „Soda mit Himbeer“ oder ein „Stamperl“ Vanille-Liqueur überreichen könnte. Erstens wäre das viel lustiger und reeller als die Blumen- und Mascherltandlerei, zweitens konnte dadurch den Restaurants auf die Beine geholfen werden, und drittens würde der genossene Alkohol ganz außerordentlich zur Erhöhung der Stimmung und zu sehr drolligen Intermezzos beitragen Oder man veranstalte:
  2. Eine „Busserlpromenade.“ Eine nähere Erklärung ist wohl überflüssig und müßte der Erfolg geradezu phänomanal sein; um der Sache einen reellen Hintergrund zu geben, könnten vielleicht zu diesem Zwecke Genußscheine à 10 kr. ausgegeben werden, deren Erträgniß zur Verminderung des drohenden Deficits bestimmt sein müßte.
  3. Ein großes Sommerfest mit absolutem Costümezwang. Um aber auch den leider noch immer sehr zahlreichen Minderbemittelten den Besuch zu ermöglichen, müßte ein entsprechendes Leitmotiv gewählt werden, also z. B. „Ein Abend im Paradiese“ oder „Strandbild von Ostende (jedoch nicht auf dem Land!).“ Erfolg garantirt!
  4. Großes Wettrennen einiger Ausstellungs-Comité-Mitglieder. Distanz: Theater-Rotunde. Preis: Eine Decoration dem Ersten, eine lobende Besprechung in sämmtlichen Wiener Blättern dem Zweitem, eine Anweisung auf eine Schinkensemmel bei Noel und Pattard dem Dritten.
  5. Auftreten der Herren Doctoren Lueger und Geßmann im Hanswurst-Theater in Alt-Wien bei erhöhtem Entree. Nur für Semiten!
  6. Errichtung einer „Schwemme“ im französischen Restaurant, woselbst von Herrschaften abgelegte Erfrischungen zu billigsten Preisen zu haben wären etc. etc.

(NB. Weitere Vorschläge sind bereits ausgearbeitet! Die Redaction.)

(10. Juli 1892)

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Wochen-Caricaturen vom 10.7.1892 – Dr. Auspitzer.

Was will übrigens dieser Bismarck? Worauf steift er sich? Daß er ein großer Mann gewesen? Gott sei Dank, grosse Männer sind keine gar so großen Raritäten und verschwindet der Eine, ist gar bald Ersatz für ihn gefunden. Wir sehen’s ja gerade jetzt bei uns wieder. Kaum ist der Herbst todt, und schon ist der Nachfolger für ihn da – denn Dr. Auspitzer lebt. Von den Ausstellungshallen in die Parlamentshalle – il ne coute qu’um faux pas. Und Herr Dr. Plener hat in einein Athemzuge die Büste für Herrn Dr. Herbst und das Mandats-Postament für das künftige Denkmal des Herrn Dr. Auspitzer in Vorschlag gebracht – der Obercensor der Vereinigten Linken hat Herrn Dr. Auspitzer als einen „Gewinn für die Partei“ proclamirt. Wie denn auch nicht? Ueberragt dieser Nachfolger etwa nicht den Vorgänger? Das liegt auf der Hand und ist sofort klar erwiesen. Gesetzt den Fall, Dr. Herbst lebte noch und Dr. Auspitzer würde, um die Kräfte an einander zu messen, ihn zu einem Wechsel der Plätze herausfordern, so ist doch gar kein Zweifel, daß Herr Dr. Auspitzer sich viel eher getrauen würde, den Platz des Anderen im Parlamente auszufüllen, als Dr. Herbst es unternähme, Generaldirector der Ausstellung zu werden. Woraus sich unwiderleglich ergibt, daß Dr. Herbst der Minderbedeutende und Einseitigere war. Es ist das genau so, wie der verstorbene O. F. Berg seine dichterische Stellung Schiller gegenüber mit dem Worte charakterisirte: „So a Couplet, wie i, hätt’ der Schiller do nit z’sammgebracht!“ Oder wie Girardi einmal, nach der Darstellung einer Lustspielrolle, einem Hofschauspieler, der ihm etwas gönnerhaft seine Bemerkung über die Leistung auf dem „sonst fremden Gebiete“ ausdrückte, mit der äußerst bündigen Replik den Standpunkt klar machte: „Na, wissens, i spiel’ Ihnere Lustspielroll’n do no immer besser, als Sie a Couplet von mir vortragen möchten.“ Ergo – um wieder auf die Hauptsache zurückzukommen – ist Dr. Auspitzer der berufenste Nachfolger Dr. Herbst’s – und vielleicht sogar nicht auf dem Deputirtensitze blos. Denn Herbst hat ja auch einmal noch einen anderen Platz im Parlamente eingenommen – und wer weiß, was in der Zeiten Hintergrunde schlummert. Zur Noth würde es ja auch an einem Ministerprogramme nicht fehlen – nach berühmten Mustern. War’s nicht Graf Taaffe, der einmal die Parole von dem „Sichdurchfretten“ ausgab? Und wo wird diese Parole meisterlicher in Praxis gebracht als in der Ausstellung? Zu welchen Aspirationen wäre also der Ehrgeiz des „Durchfrettungs“-Generaldirectors nicht berechtigt? Das alte classische Losungswort Emporstürmender: „Per aspera ad aistra“ – durch Mühsal und Widerwärtigkeiten hindurch empor zu den Sternen – bei ihm heißt es umgekehrt: „Per astra ad aspera“, was zu Deutsch etwa lautet: „Durch Sterne, Ordenssterne nämlich, hindurch bis zu den steilen Höhen eines Ministersitzes!“ Wenn darum nur schon die Ordenssterne da wären! Jedenfalls aber zeigt es sich wieder, daß die Musik- und Theaterausstellung ihre großen Zwecke und Ziele hat.

(10. Juli 1892)

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Wochen-Caricaturen vom 10.7.1892 – Ausstellungspreise.

Aber nicht mit dem Andenken mächtiger Todten blos nimmt es die Generaldirection der Ausstellung auf – sie scheut auch die Concurrenz mit mächtigen Lebenden nicht. Sollen’s ihr nachmachen „beim Schwender“, „beim Zobel“, „beim Stalehner“ und in den anderen stammverwandten Etablissements, wo die höheren Zwecke der Kunst und der Menschheit gepflegt werden – sollen’s ihr nachmachen in der Phantasie der Titelerfindung für die fröhlich stolzen Geistesspiele da unten in dem Ausstellungswettkampf der fröhlichen Geister. „Rendezvous der Strohwitwer“ hat sich das jüngste Fest betitelt – ganz Lerchenfeld hätte aufgejubelt, wenn es ein solches Fest mit solchem Titel in seiner Mitte gesehen hätte. Aber das ist noch nicht Alles. Acht Kreuzer ein Krügel Abzug, zwölf Kreuzer ein Paar Würstel, achtzehn Kreuzer ein Gollasch – die Direktion hat’s in den Zeitungen ankündigen lassen, was sie Alles thut, welche Fülle künstlerischer Anreize sie aufbietet, um die Ausstellung auf die eigentliche Höhe ihrer Bestimmung zu bringen – nein, wahrhaftig, das hätte Dr. Herbst nicht so getroffen – – – –

(10. Juli 1892)

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Betrachtung.

Wie schade, daß Eva’s Apfelgelüst
Im Paradies g’rad’ entstanden ist,
Wär’ sie bei Noel und Pattard gesessen,
Sie hätte den Apfel bestimmt nicht gegessen!

(3. Juli 1892)

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Kleiner Führer durch die Wiener Musik- und Theater-Ausstellung.

Vom Special-Bädeker der „Wiener Caricaturen“.

(Schluß.)

  1. Diverse Ausstellungs-Specialitäten.

Hierzu gehört vor Allem das bereits einmal erwähnte, an der Südseite des Parkes erbaute Dreher- oder eigentlich richtiger „Drahrer“-Etablissement „Alt-Wien“; eine ausgedehnte, aus Holz gezimmerte Wurzenfalle, welche mit der Musik- und Theater-Ausstellung in so innigem, sachlichen Zusammenhang steht, wie beispielsweise ein „höchster Heuriger“ zur Akademie der Wissenschaften. Wer in dem übrigen Theile der Ausstellung so glücklich war, noch einen Theil seiner Baarschaft zu retten, der wird derselben hier ganz bestimmt los – allerdings zu einem rein humanitären Zweck, da das Reinerträgniß des Unternehmens dazu bestimmt ist, einem gänzlich mittellosen Brauereibesitzer zur hundertsten Million zu verhelfen. Weiterlesen

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Theater-Caricaturen vom 3.7.1892 – „Tragödie des Menschen“

Von eitel kritischen Lobeshymnen umrauscht, allabendlich vor verschiedenartig gefüllten Häusern gespielt, in welche das Publikum theils hineindrängt und theils hineingedrängt wird, hat die „Tragödie des Menschen“, welcher unterwegs eines von ihren 14 Bildern abhanden gekommen ist – man sagt, es sei in die Tasche des kirchlichen Censors geglitten – ihre letzte Vorstellung mit ungeminderter Reclame erreicht. Die Hamburger Theaterleitung, die Hamburger Regie, die Hamburger Schauspieler können ihr Lob kistenweise mit nach Hause nehmen und an der Alster daheim mit gehobenem Bewußtsein erzählen, wie viel staunende Bewunderung ihre Kunst, besonders die hofräthlich Pollini’sche Scenirungskunst in Wien gefunden habe, und daß die „Meiningerei“, damit verglichen, den Wienern als reiner Schund vorgekommen sei. Wir haben diese angenehme Seelenstimmung die ganze Zeit hindurch nicht mit einem bösen kritischen Worte zu stören unternommen, um uns nicht des tückischen Vorsatzes verdächtig zu machen, daß wir etwa „das Geschäft verderben wollten“ – denn bei allen den Ausstellungsdingen ist ja das „Geschäft“ das Wichtigste. Nun ist es ja gemacht, wie uns wenigstens tagtäglich in den officiellen Directionsnotizen versichert wird, es schadet ihm nichts mehr, und wir können demnach beruhigt leichten Gemüthes unsere Meinung gerade heraussagen.

Unsere Meinung nämlich geht kurzwegs dahin, daß die Leistungen der Regie- und Darstellungskunst, welche wir da zu sehen bekamen, das Niveau plattester Mittelmäßigkeit nicht überschritten. Die Regie besonders – wenn wir allenfalls das mit wirklicher Lebhaftigkeit inscenirte Bild aus der französischen Revolution und das Kreuzestableau in „Rom“ ausnehmen – litt durchwegs an dem Mangel des erforderlichen großen Stils und entsprach höchstens dem landläufigen Operetten-Ausstattungsstil. Die unter dem tyrannischen Arbeitsjoche zusammenbrechenden ägyptischen Sklaven zum Beispiel zeigten ein so behagliches Bild ungenirter Arbeitsträgheit wie etwa die Wiener Straßenpflasterer, welche jeden Augenblick gemächlich pausiren, um das verlöschende Feuer im Pfeifchen wieder zum Glimmen zu bringen. Die Peitschenhiebe der Sclavenvögte glitten so pantomimisch sanft nieder, daß man nicht begriff, wie der angeblich davon zu Tode getroffene Sclave überhaupt auch nur davon verletzt worden sein könne. Der Einzug der von schwerem Kampfe heimkehrenden Krieger des Miltiades in Athen, mit den spiegelblanken Helmen und Panzern und Schildern, machte genau den Eindruck eines Operetteneinzuges mit kriegerisch verkleidetem mehr oder minder formentwickelten Statistinnen. Athen im Hintergrunde ließ dem Auge keinen Zweifel darüber, daß es nichts als mittelmäßig gemalte Leinwand sei, und noch läppischer gemalt erschienen in dem Himmelsbilde die mit dem Pinsel stümperhaft an die Wolken hingeklebten Engelein. Die Darstellung selbst war die eines Provinztheaters mittleren Ranges, und nur der Schauspieler, welcher den Adam gab, zeigte sich im Besitz der physischen und künstlerischen Mittel, lebhafte und sympathische Wirkung zu machen. Alles in Allem, die neueste „Hamburger Dramaturgie“ ist nicht prädestinirt, gleich der Lessing’schen, der deutschen Theaterkunst neue Lichter aufzustecken.

(3. Juli 1892)

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Ausstellungs-Caricaturen vom 26.6.1892.

Die Ausstellungs-Tragödie des Menschen
oder: Die Tragödie des Ausstellungsmenschen
oder: Die Tragödienmenschen der Ausstellung.

Eine bizarre Einfallsphantasie, die sich Unserer bemächtigt, mit so unabweislichem Gedankenzwang, als könnte es gar nicht anders sein, als wär’s gar kein Phantasiegebilde, sondern die wahrhaftige Wirklichkeit! Sind Theaterausstellung und Ausstellungstheater nicht selbst nur ein Bild mehr in der Bilderreihe der „Tragödie des Menschen“, das sich dem Werke Madach’s angefügt hat in Geist und Sinn des todten Dichters? Ist’s nur eine weitere Metamorphose von Adam und Eva, die wir da vor uns haben? Adam: Graf oder Baron Soundso – Eva: Fürstin Pauline – Lucifer: Der verneinende Zweifelgeist, der von der ganzen Ausstellung nicht viel hält und bösen Spott am Ende wittert. Weiterlesen

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Wochen-Caricaturen vom 19.6.1892 – Ausstellungsschmerzen.

Fürst Alois Liechtenstein könnte seine Freude haben an der „Wiederbelebung der guten alten Zeit und ihrer Institutionen und Sitten“, die jetzt bei uns mit Enthusiasmus betrieben wird. Alt-Wien mit seiner „Schranne“, seiner „Schandbühne“, seinem „Narrenkotter“ und seinem – Hanswursttheater! Freilich nicht die ernsten Hanswurstiaden, deren Wiedererweckung Fürst Alois betreibt zu aller Welt grausamber Bedürfniß – sondern die lustigen, mit denen sich allenfalls ergötzliche Kurzweil genießen läßt, statt der Langweile der fürstlichen Hanswurstereien. Aber mittelalterlich ist’s doch wenigstens, das ist immerhin einiges Labsal für solche „rückwärtige“ Gemüther. Und nun wird zur Abwechslung einmal, anstatt in’s Mittelalter, in die Metternich’sche Zeit zurückgegriffen, die ja auch so eine schöne, gute, alte Zeit war. Aber wohlweislich werden nur die Blumen der Metternich’schen Epoche gepflückt, ohne ihre Dornen. Die Blumenpromenade aus der Kongreßzeit wird der Gegenwart verlebendigt – nicht das „Spießruthenlaufen“, welches stellenweise die Promenade der armen Völker bildete. Ein Spießruthenlaufen ist’s allerdings heute auch in gewissem Sinne – für die Phantasie der armen Ausstellungsarrangeure, die wirklich mitunter schon Spießruthen läuft, um sich einen frischen Einfallsblutstropfen herausgeißeln zu lassen. „Du sollst und mußt die Leute amusiren, damit sie nur ja um Gotteswillen nicht aufhören, in die Ausstellung zu gehen“ – eine schreckliche Aufgabe, die Unterhaltungen des Sysiphus. Ein wahres Freudensschmerzenskind, diese Ausstellung, bei der die Arbeit bald kein Vergnügen mehr sein wird, weil das Vergnügen eine immer sauerere Arbeit werden muß.

(19. Juni 1892)

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Der Ausstellungs-Hanswurst spricht:

O jerum, jerum, lirum, larum,
Alles geht schief! Warum? Darum!
In der Directions-Kanzlei
War letzthin ein groß’ Geschrei –
Eine Krise nennen sie das, ein waih!
Thät’ nicht die Fürschtin schnell einschreiten,
Kam es zu Komithätlichkeiten.
Ein Jeder will was reden, ein Jeder will was machen,
Das san lauter solche Sachen,
Damit in der Zeitung man wird genannt
Und kriegt am Schlusse ein farbiges Band.
Aber der Herr Auspitzer, der is gewaschen,
Der hat die Reporter in der Taschen,
Und der duldet keine andere Reclame
Als für sich und seine fürstliche Dame.
Die zwei wer’n cajolirt, die Anderen thun’s beißen –
Es ist zum Haarausreißen!

*

Im Uebrigen sag’ ich’s unverblümt,
Das Ausstellungspräsidium ist verstimmt.
Die gute Fürstin Metternich,
Die lacht bei schlechtem Wetter nich!
Der Markgraf Pallavicini lacht auch nit,
Der denkt allweil an’s Deficit.
Aber der Director, der Herr von Auspitzer,
Das ist ein gewaltiger Schlauspitzer,
Der denkt sich: „Ob so oder so –
Mein’ Orden krieg’ ich halt do’!“
Am End’ wird er auch noch Ritter heißen,
Es ist zum Haarausreißen!

*

Hab’ns a Idee? Die Blumen-Promenad’,
Dös is wahrhaftig der höchste Spinat!
Die Herr’n spendir’n Rosen, die Damen bandeln an,
Nutzt’s nix, so schadt’s nix – man thuat, was man kann!
Zweihundert Gulden für a Blum’ aus der Fürstin ihrer Hand,
Dafür wird man im Morgenblättchen genannt.
Und wofür das Alles? Für an wohlthätigen Zweck?
Oh na’, nur daß man außikummt aus’n – Deficit.
Man will sich zwar bestens amüsiren, –
Aber zum Schluß d’raufzahl’n? Dös thät Einem’s stieren!
Indes darben in Przibram die Witwen und Waisen –
Es ist zum Haarausreißen!

(19. Juni 1892)

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Kleiner Führer durch die Wiener Musik- und Theater-Ausstellung.

Vom Special-Bädeker der „Wiener Caricaturen“.
(Fortsetzung.)

  1. Die Rotunde.

Eintritt am vortheilhaftesten beim Westportal, woselbst die rühmlichst bekannte Scylla und Charybdis durch zwei lauernde Losverkäuferinnen prächtig nachgebildet erscheint. Hier befindet sich auch der Haupttreffer der Ausstellungs-Lotterie, ein Schmuck im angeblichen Werthe von 75.000 fl., den der glückliche Gewinner seinerzeit in der französischen Restauration gegen ein opulentes Souper (mit 1–2 Flaschen Champagner) umtauschen kann. Nach einigen Schritten steht man sofort im Herzen der eigentlichen Musik- und Theaterausstellung; das zeigen dem staunenden Beschauer die zahllosen Schaukästen der ganzen Westgalerie, in denen neben Reisekörben, Badeschwämmen, Meerschaumspitzen, Vogelhäuseln, Jagdgewehren und Portemonnaies auch noch Mohnbeugel, Lebzelten, Blüthenhonig, Holzbearbeitungsmaschinen und Pumpen ausgestellt sind – sämmtlich Producte, die bekanntlich mit Musik und Theater aufs Innigste verknüpft sind*. Die übrigen Galerien und Transepte enthalten in buntem Durcheinander Noten, alte und neue Musikinstrumente, Portraits, Toiletten u.s.w., welche sämmtlich numerirt sind; die Nummern sollen sich – einem on dit zufolge – auf den Ausstellungs-Katalog beziehen, dessen Erscheinen mit der Eröffnung der Stadtbahn zusammenfallen dürfte. Bis dahin erhält man gegen Erlag von drei Silbermünzen à 10 kr. einen sogenannten „Führer durch die Ausstellung“, welcher einige Wochen vor Beginn derselben zusammengestellt wurde und als Reclame alles bisher Dagewesene weit übertrifft. Als „Führer“ leistet er dieselben trefflichen Dienste wie beispielsweise ein egyptisches „Traumbuch“ für eine Glocknerbesteigung; dafür enthält er aber nicht nur die sämmtlichen, hochinteressanten Bestimmungen bezüglich des Hin- und Wegschaffens der Ausstellungsgegenstände, der Höhe der Platzmiethe u.s.w., sondern auch zur Erhöhung seines Volumens die Portraits von Schiller, Goethe, Beethoven und insbesondere der Fürstin Metternich, eine Beigabe, die den minimalen Preis des Büchleins geradezu unverständlich erscheinen läßt.

Ein besonderes Interesse verdienen auch die alten Theaterzettel ab 1791, auf welchen unter anderen Monstrositäten der Eintrittspreis in die 4. Galerie mit 12 kr. angegeben erscheint! Nicht minder fesselnd ist eine Serie von Photographien unter dem Titel „Wiener Künstler zu Hause“, bei deren Betrachtung es jedem Besucher unbenommen bleibt, wehmüthige Vergleiche zwischen dem Mobiliar eines „Künstlers“ und dem eines“ „Nicht-Künstlers“ – falls letzterer kein Millionär ist – anzustellen. Daß unter diesen „Künstlern“ auch L. A. Frankl erscheint, ist für jeden echten Kunstfreund wohl selbstverständlich.

In der nächsten Nähe dieser „Künstler-Galerie“ befindet sich der prächtig eingerichtete Fremdensalon, in welchem man nicht nur umsonst ausruhen, sondern sogar ebenfalls umsonst Briefe schreiben, telegraphiren und telephoniren kann, was bei dem, in der Ausstellung so häufig und rapid eintretenden Geldmangel als eine sehr wohlthuende Einrichtung bezeichnet werden muß. Um die, durch die vielen Extrazahlungen total verschüchterten Besucher nicht ganz, scheu zu machen, sind die Worte „Eintritt frei!“ an der Außenseite dieses Salons in allen möglichen lebenden, halb- und ganz todten Sprachen angebracht, was freilich nicht hindert, daß viele, schwer gewitzigte Besucher trotzdem dem Frieden nicht trauen und mit krampfhaft geschlossenen Taschen vor dem Eintritt die Flucht ergreifen. Im Fremdensalon wird auch gratis Geld gewechselt, (was übrigens auch außerhalb desselben fortwährend nothwendig ist!); leider hat das Comité auf die Hauptsache vergessen, nämlich auf eine Expositur des so überaus wohlthätigen Versatzamtes, welche zweifellos einen enormen Zuspruch gehabt hätte.

(Fortsetzung folgt).

* Am meisten wohl die Portemonnaies und die Pumpinstrumente.
Anm. d. Redaction.

(19. Juni 1892)

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Wochen-Caricaturen vom 19.6.1892 – Scheiterhaufen auf der Ausstellung.

Gar prächtig aber wär’ es gewesen, wenn auch außerhalb der Umwallung der Ausstellung, so ein Bischen „da capo Mittelalter!“ hätte gespielt werden können – wenn z. B. auf der Feuerwerkswiese, anstatt der flammenden Fronten des Engländers Paine, so ein kleines, niedliches vaterländisches Ketzer-Feuerwerk sich hätte veranstalten lassen. Adolf Wilbrandt und der Zeitungsredacteur, der sein gotteslästerliches Gedicht veröffentlichte, auf dem Scheiterhaufen prasselnd, und statt der Gedankenraketen in selbsteigener Leibhaftigkeit flammenzüngelnd in die Lüfte verwehen – das wäre ein Gaudium geworden! Und die frommen Pyrotechniker hätten für dieses Feuerwerk gar kein Entrée begehrt, sie hätten es dem p. t. schaulustigen Publikum gratis gegeben, und mit Vergnügen sogar noch etwas d’raufgezahlt. Schade, schade, es hat nicht sollen sein – obwohl es nicht so schön gewesen wäre! Das „Vaterland“ und sein parlamentarischer Prophet, der Herr v. Zallinger, müssen sich schon mit dem „Einstampfen“ begnügen – was ja auch schließlich nicht gar so schlecht wäre, wenn nur wiederum der Dichter und der Zeitungsredacteur in Person eingestampft würden. Auch so ein Ketzerbrei hat etwas Schmackhaftes für die Leute, die daran Geschmack haben. Leider ist ihnen aber auch selbst dieses bescheidene Vergnügen nicht gegönnt, denn nur das Gedicht wird eingestampft. Und was wird daraus? Doch wieder nur neues Papier, auf welches möglicher Weise neue, ähnliche Gedichte gedruckt werden – das ist die Logik der Gedankeneinstampfung.

(19. Juni 1892)

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Ausstellungs-Caricaturen vom 12.6.1892.

In der Stunde, in welcher wir das schreiben, ist die Welt noch unter dem aufregenden Eindrucke der schwebenden Personalkrise, der gewaltigsten und aufwühlendsten, welche seit der Bismarck-Krise die Gemüther in Bewegung gesetzt hat. Wir brauchen nicht erst noch hinzuzufügen, daß wir von der Auspitzer-Krise sprechen, die hoffentlich zum Trost und zum Heile für die Welt nicht mehr existiren wird, wenn dieses Blatt in die Hände des Lesers gelangt. Und mögen die Beunruhigten, die Besorgnißschweren nur wohlgemuth allen Zweifel bannen – er wird uns erhalten bleiben. Weiterlesen

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Kleiner Führer durch die Wiener Musik- und Theater-Ausstellung.

Vom Special-Bädeker der „Wiener Caricaturen“.
(Fortsetzung.)

  1. Das Ausstellungstheater.

Am westlichen Ende des Ausstellungsraumes erhebt sich das durch seine Bauart, seine Preise und seine Entstehungsgeschichte gleich imponirende Theater. (Hofschauspielern ist der Eintritt strengstens untersagt!) Es ist ein modernes Schauspielhaus ersten Ranges, weil nämlich nur ein Rang vorhanden ist, und finden allabendlich Vorstellungen diverser ausländischer Künstler statt, welche ungemein interessant sein müßten, wenn man etwas davon sehen und hören könnte. In Ermangelung dessen vertreibt sich das Publikum die Zeit mit Bewunderung der hohen Damenhüte, welche jeden Ausblick auf die Bühne unmöglich machen und daher sehr häufig zu kleinen hübschen Spectakelstücken Veranlassung geben, dann mit dem melodischen Knarren der hölzernen Sitze und ähnlichen Belustigungen, wodurch dem Einschlafen in wirksamer Weise vorgebeugt wird. Weiterlesen

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Kleiner Führer durch die Wiener Musik- und Theater-Ausstellung.

Vom Special-Bädeker der „Wiener Caricaturen“.

  1. Einleitung.

Die Wiener „Musik- und Theaterausstellung“, auch „Metternich- oder Loreley-Ausstellung“ genannt (letzterer Name deshalb, weil Niemand recht weiß, was sie bedeuten soll) entsprang dem, in gewissen Kreisen lebhaft gefühlten Bedürfnisse, in Wien jedes zweite Jahr irgend eine Ausstellung zu veranstalten. Da nun Wien vor längerer Zeit eine ausgesprochene Musik- und Theaterstadt gewesen ist, so lag der Gedanke nahe, diesen Umstand für eine Ausstellung zu verwerthen, um so mehr, als sich im heurigen Jahre absolut nichts Gescheidteres ausstellen ließ. Selbstredend brauchen sich auch Nicht-Musiker und Nicht-Theaterfreunde an der Bezeichnung nicht zu stoßen, denn Musik und Theater sind bei dieser Ausstellung nach alter Gepflogenheit Nebensachen; Hauptsache ist und bleibt, wie immer, eine entsprechende „Hetz“, die sich diesmal nur durch ihre besondere Kostspieligkeit von ähnlichen „Hetzen“ früherer Jahre unterscheidet.

  1. Führer zur Ausstellung.

Das bequemste Verkehrsmittel zur Ausstellung sind unstreitig ein paar gesunde, mit gutem Schuhwerk bekleidete Beine. Die Wiener Tramway läßt zwar auch einige Wagen bis zur Rotunde verkehren; ihre Benützung kann jedoch nur von geübten Eingebornen versucht werden und ist davon insbesondere allen Personen, welche zum Schlagfluß, zur Fettleibigkeit, Gallensteinbildung und ähnlichen Gebrechen incliniren, auf das Entschiedenste abzurathen. Weiterlesen

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Die Familie Zwozel in der Ausstellung.

Eine Wiener Skizze.

Personen:
Herr Zwozel,
Frau Zwozel,
Tini,
Toni, deren Kinder.

1. Act.

(Spielt bei Zwozel.)

Frau Zwozel (beim Fenster, Zeitung lesend): Gestern besuchten 9570 Personen die Musik- und Theaterausstellung – (zu Zwozel) hörst, Mann, a Schand’ is’ do’, a wahre Schand’ daß Du uns no’ net in d’Ausstellung g’führt hast – sogar der Hausmaster war scho’ mit seine Leut’ d’rin!

Herr Zwozel: Hat’s nothwendi’, dös Glumpert! I hab’ ma g’nua Ausstellung daham, i brauch net extra was z’zahlen dafür – wann dö Tini auf der Klampfen umeranandhackt und wann Du um Zwölfi in der Nacht an’ Krawall machst, weil i Dir wieder z’spät z’haus kumma bin – da hab’ i Musi’ und Theater – mehr, als mer g’sund is!

Tini: Aber, Fatter, denken’s nur, das Klafier von Mozart ist auch zum seg’n –

Herr Zwozel: Na’ dös kunnt mi’ no’ razen, a so an alter Scherb’n –

Tini: Der Fatter hat do’ gar man’ Sinn für höhere Sachen –

Herr Zwozel: Du, sei so guat, Du Urschel – valeicht bettelst ma Ane a! Weil’st epper Du so musikalisch bist – fufz’g Kreuzer zahl i’ für d’Stund sitter zwa Jahr’, und dabei verbringt dös Mensch a Spielerei, daß an’ dö Darm reißt – net amal den alten Drahrer kann’s no’ auswendi’! Weiterlesen

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Theater-Caricaturen vom 22.5.1892 – Theaterausstellung.

„Sage, was man über Dich phantasirt, und ich sage Dir, wer Du bist“. Wie die Portrait-Caricatur, um echt zu sein, die wirklichen Gesichtszüge erkennen lassen muß, so läßt auch das, was über einen Menschen oder über eine Institution herumphantasirt wird, erkennen, was man von ihm denkt und was man ihm zutraut. In Theaterkreisen nun wird allen Ernstes herumerzählt, die Ausstellungsdirection habe den Mitgliedern der Comédie française für ihr einwöchentliches Gastspiel ein Gesammthonorar von 75.000 Francs, freie Fahrt von und nach Paris mit Blitzzug erster Classe und freien Unterhalt in Wien natürlich, auch Hôtel erster Classe, zugesichert. Wir nehmen, wie gesagt, diese scharf an’s Unglaubliche anklingenden Ziffernsätze nur für neckische Phantasiespiele – aber selbst phantastische Ziffern beweisen etwas, sie beweisen, welchen kühn ausgreifenden Flug eines schwunghaften Optimismus man den Leitern der Ausstellung zutraut und welchen bedenklichen Maßstab man damit an ihr ökonomisches Combinationstalent legt. Sollten diese Angaben wider alles Vermuthen auch nur zum Theile auf Thatsächlichkeit beruhen, dann wären alle Besorgnisse über die finanziellen Endresultate der Ausstellung noch viel zu leicht gewesen.

(22. Mai 1892)

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Theater-Caricaturen vom 22.5.1892 – Theaterausstellung.

Herrn L’Arronge ist in Wien offenbar der Appetit verdorben worden, er hat das ihm zugedacht gewesene Abschiedsbankett abgelehnt. Sehr begreiflich auch. Um in 14 Stunden 28000 Mark einzunehmen – 2000 per Abend soll die Ausstellungsdirection mit ihm vereinbart haben – dazu hätte er sich mit seiner Gesellschaft nicht den Wiener Praterstrapazen zu unterziehen gebraucht, das und vielleicht noch etwas d’rüber hätte er in Berlin in aller Ruhe auch eingenommen. Der künstlerische Nimbus aber, welcher das Berliner Deutsche Theater, aus der Ferne geschaut, umleuchtete, hat durch die nähere Besichtigung zum Mindesten nicht gewonnen. Das Lustspiel allenfalls hat seinen guten Ruf bewährt, das Schauspiel hat sich nur als annehmbares Mittelgut erwiesen, so weil wenigstens Gelegenheit geboten war, es kennen zu lernen. Für die Stücke, welche uns einen höheren Begriff von dem Können der Gäste im großen Schauspiele hätten beibringen sollen, waren leider die Decorationen nicht hinlänglich feuersicher imprägnirt – und bei den Dramen, die man uns zu sehen gab, erschien die Darstellung nicht hinlänglich künstlerisch imprägnirt. So scheiden die Berliner Gäste ziemlich mißvergnügt und lassen nicht minder mißvergnügte Wirthe zurück. Denn wenn 2000 Mark pro Abend für die Ersteren gewiß nicht zu viel waren, so waren sie es doch für die Letzteren. Mit sehr gut besuchten Häusern haben sehr leere gewechselt, und so ist die Ausstellungsdirection mit dem Durchschnittserträgnisse dieses ersten Gesammtgastspieles schwerlich auf ihre Kosten gekommen.

(22. Mai 1892)

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Wochen-Caricaturen vom 15.5.1892 – Verkehr zwischen den Menschen fördern.

Aber nicht blos die Lebensverhältnisse im Allgemeinen, auch speciell die Verkehrs- und Wohnungsverhältnisse stoßen auf immer hemmendere Schwierigkeiten. Während das Parlament daran ist, sich mit den großen Verkehrsanlagen zu beschäftigen, und während ein Hauptzweck der projectirten Stadtbahn der ist, die Erledigung der Wohnungsfrage bequemer und zugänglicher zu machen, geschieht anderseits so Manches, den Verkehr zu hemmen und die Wohnungsfrage zu compliciren.

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Eingeordnet unter Internationale Theaterausstellung, Wochen-Caricaturen

Ausstellungs-Caricaturen vom 15.5.1892.

Die Ausstellung für Millionäre und Solche, die aufhören wollen, es zu sein, oder die gar nicht anfangen wollen, es zu werden, ist eröffnet. An allen Eingängen und Nebenthüren, an Vorder- und Hinterpförtchen, steht in unglaublichster Vervielfältigung à la Cagliostro und Philadelphia Jago mit der Ausstellungsvariation, seiner Shakespeare’schen Parole: „Thu’ Geld ans Deinem Beutel!“ Weiterlesen

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