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Ringstraßenlieder.

Von Lucifer.
VII.
Biographie der Venus*.
Neunte Wandlung (Marietta).

8.
Die Briefe, die sie stets empfängt,
Vom Herzog, les’ ich immer;
Wie dieser Mensch nur dringt und drängt:
Ein häßliches Gewimmer.

Der Herzog schreibt ihr stets „per Du“,
Es ist doch zum Erstaunen;
Mizetta aber lacht dazu,
Es seien Fürstenlaunen.

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Ringstraßenlieder.

Von Lucifer.
VII.
Biographie der Venus.
Neunte Wandlung (Marietta).

1.
Sie wandelt jetzo unter uns
Und wird auch weiter leben,
Wir aber röcheln auf den Knie’n
Und schauen auf und beben.

Ihr Lächeln ist uns ein Gesetz,
Sie herrscht stets absolute;
Wir feigen Sclaven küssen heiß
Die züchtigende Ruthe.

Und Jeder und auch Niemand kann
Von ihrer Liebe raunen;
Sie selbst wird unterjocht nur von
Capricen und von Launen.

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Ringstraßenlieder.

I.

Einleitung.

Ich schau mein schönes Wien mir an,
Wie es gleich einer Braut,
Danubius, dem wilden Mann,
In’s tiefe Auge schaut.

Sie leben seit der Römer Zeit
In freier, wilder Eh’,
Nichts störte ihre Einigkeit,
Sie theilten Freud’ und Weh’.

Nun fiel’s der Vindobona ein:
Das sei nicht legitim,
Wie’s Brauch ist, soll er um sie frein’n!
Und schmeichelnd sagt sie ihm:

„Glaubst, Trauter, nicht, daß uns’rem Bund
Das Höchste, Beste fehlt?
O, mach’s dem ganzen Weltall kund,
Daß Du Dich mir vermählt!

Ich hab wohl manche stolze Zier,
Geschmeide, Gold genug,
Wonach des Weines Wunsch, Begier,
Doch fehlt der Bräute Schmuck.“

Da lächelt froh der Stromesgott:
„Mein Bräutchen, lieb und werth,
Mit Deinem Wunsch hat’s keine Noth,
Er sei Dir bald gewährt!“

Und als am Morgen sie erwacht,
Der Gott sie froh umfing!
An ihrer hand, in selt’ner Pracht
Glänzt funkensprüh’nd der Ring.

Bewundernd sieht nun Volk und Land
Den Ring. – O schönes Wien!
Erfüllt Dein Wunsch, bist anerkannt
Als Donau-Königin.

II.

Der Debutant.

Die Künstlerin im deutschen Liede
Sah einst auf einer Wanderung
In Großmagyariens Gebiete
Den Pußtensohn, so frisch, so jung.

„Willst, lieber Junge, nicht begleiten
Mich in das Schwobenland zurück?
Ich will Die führen – vorbereiten,
Dort lächelt Dir dann Ehr und Glück.“

Und – er vertauscht die Heimatsheerden,
Der Heerdenglocken froh Gebimmel,
Um glänzend und berühmt zu werden –
Mit einer Großstadt Weltgetümmel.

Verläßt den süßen Heimatsboden,
Folgt willig ihr – der Meisterin. –
Nach Weizen, Korn und Heu – auf Noten
Lenkt er gefügig seinen Sinn.

„Hat es gelohnt, weit herzureisen?“
Die Kritik wies ihn ja zurück!
Dir Kritik …. wohl – was sie verheißen,
Er fand es dennoch hier – sein Glück.

(5. Jänner 1881)

 

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