Archiv der Kategorie: Zacharias Saufinger

Brief des Zacharias Saufinger an seinen Vater.

Lieber Vater!

Nur zu schneller Beruhigung, obwohl es eigentlich überflüssig ist – ich bin nicht aufgelöst, ich bin beisammen. Du hättest doch vielleicht denken können, daß ich mich durch Kameradschaft habe verleiten lassen, den allerdings lockenden Kneipschaften der nunmehr aufgelösten Studentenverbindungen beizutreten – denn was wahr ist, ist wahr, so Gewaltiges im Kneipen, wie diese, hat schwerlich ein anderes Corps und eine andere Burschenschaft geleistet, und darin liegt immerhin ein Reiz – aber ich habe stets tapfer widerstanden und mich an das Wort des großen Nationaldichters gehalten: „Der Starke ist am mächtigsten allein.“ Wenn ich nicht mir passende Collegen fand, habe ich lieber ganz allein für mich gekneipt und ich versichere Dir, ich habe jederzeit nicht blos meinen Mann, sondern meine Mannen gestellt. Unser Kneipwirth hatte sich nie zu beklagen, wenn ich so allein meine eigene Burschenschaft war – ich habe sie vollinhaltlich vertreten. Nun aber, nachdem die Dir aus den Zeitungen bekannt gewordene Maßregelung der sechzehn Verbindungen eingetreten ist, hat die Sache eine andere Wendung genommen. Es sähe nun wie Feigheit aus, wie ein Sichzurückziehen vor „Geächteten“, wenn ich die an mich ergehenden Kneipeinladungen zurückwiese. Und daß Dein Sohn für feige gilt und sich in den Verdacht knechtischer Gesinnung bringe, wirst Du doch gewiß nicht wollen. Ich nehme also jede Einladung von Commilitonen der Aufgelösten an, wenn ich auch kein Hehl daraus mache, daß ich damit absolut keine Gesinnungsgemeinschaft bekunden will. „Nicht antisemitisch national – nur kneipbrüderlich collegial“ ist mein Wahlspruch. Es darf auch, wenn ich dabei bin, nicht politisch randalirt und nicht hirnverbranntes Zeug gesprochen, sondern nur getrunken werden – so hoffe ich, einen wohlthätigen Einfluß auf die Gemüther zu üben und viel zur Beschwichtigung und zum Ausgleich der schroffen Gegensätze beizutragen. Das kostet aber begreiflicherweise mehr, als mein Normalbudget erträgt und ich hoffe, Du wirst, um des edlen Zweckes willen, die Differenz nicht weigern. Es ist ohnehin das Letzte, was ich, außer dem Ferialreisegeld, von Dir erbitte, ehe ich in Deine Arme eile, weil ich diesmal die ganzen Ferien bei Dir zuzubringen gedenke, um den ungeschwächten Ferialfonds, den Du mir jetzt schickst, mit in das nächste Universitätssemester nehmen zu können. Denn die Verpflegung bei Dir wirst Du Dir doch nicht von mir bezahlen lassen. Also, ich erhoffe umgehend die Deckung obbesagter Ausgleichs- und Versöhnungskneipereien.

Dein von Versöhnungsdurst beseelter

Zacharias.

(17. Juli 1892)

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Brief des Zacharias Saufinger an seinen Vater.

Lieber Vater!

Zu Deiner Beruhigung nur in Eile, daß ich außer aller Beziehung zu den Scandalen bin, welche in den letzten Tagen unsere Alma mater entwürdigt haben. Im Grunde allerdings brauche ich Dir das nicht erst zu versichern, denn Du wirst mich wohl schwerlich im Verdacht gehabt haben, daß ich etwa unter den wüsten Randalirern gewesen sein könne, welche sich in den Hörsaal Professor Nothnagel’s eingeschlichen haben – ich betrete die Hörsäle nicht, in die ich hinein gehöre, geschweige gar einen, wohin ich nicht gehöre. Aber Du ersiehst daraus, in welche Unsauberkeiten und schiefe Lichter man beim Besuch der Collegien hineingerathen kann, und daß ein ruhig denkender und vorsichtiger Student da wirklich am besten thut, sich ihnen ferne zu halten. Weiterlesen

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Brief des Zacharias Saufinger an seinen Vater.

Lieber Vater!
Ich muß Dir jetzt öfters schreiben, weil sich die Ereignisse häufen und leider auch die Bedürfnisse. Nach meiner Gewohnheit mit dem Angenehmeren anfangend, weil der Mensch in freundlicher Stimmung auch das Unangenehmere willig erhört und leichter trägt, berichte ich Dir vor Allem, daß ich, was Du übrigens hoffentlich bei mir vorausgesetzt hast, in der Frage, welche neuestens wieder so viel Zwiespalt unter der Studentenschaft angeregt hat, in der Frage des gemeinsamen oder confessionellgetheilten Unterstützungsvereines, mich der Partei des aufgeklärten Nicht-Confessionalismus angeschlossen habe.

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Brief des Zacharias Saufinger an seinen Vater.

Lieber Vater!
Erschrick nicht, daß Du so bald wieder einen Brief bekommst, und glaube nur ja nicht, es soll etwa eine Urgirung der letzten motivirten Eingabe wegen des Theuerungsbeitrages sein. Ich bin so überzeugt, daß Du mir ihn am l. Februar schickst, und zwar vom 1. Jänner an gerechnet, daß ich in dieser Ueberzeugung im December schon auf das erhöhte Jännerbudget Verpflichtungen contrahirt habe. Weiterlesen

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Brief des Zacharias Saufinger an seinen Vater.

Lieber Vater!

Ich habe mit zornigem Schreck aus Deinem Brief erfahren, und ich begreife Deine gerechte Entrüstung darüber, daß dieser freche Schneider es gewagt hat, Dich mit seiner Rechung zu behelligen! Was; geht diese Dich an – von Schneiders Standpunkt nämlich? Was geht es ihn an, daß ich zufällig Dein Sohn bin? Welches Recht hat er an Dich? Weiterlesen

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