Moderne Brautwerbung.

– Darf im um die Hand Ihrer Ella anhalten?
= Junger Mann, sagen Sie mir auf Ehre und Gewissen: können Sie auch eine Familie unterernähren?

(6. Mai 1917)

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Heute gut zu leben

ist eine Kunst, die nicht jeder zuwege bringt. Herr Petiteles befolgt nachstehende Kniffe:

  • Für Stadtreisen wird auf der Elektrischen schwarz gefahren, weil die Überfüllung doch dazu anreizt.
  • Ins Café geht er um 7 Uhr abends, erklärt, eine Stunde bis zur Kaffeebewilligung warten zu wollen; dann steht er auf und hat nicht einmal eine Zeche zu zahlen.
  • ExtraZeitungsausgaben liest er prinzipiell nur über die Achsel eines Käufers.
  • Zigaretten pumpt er von Freunden, da er sie nicht kaufen kann, weil er sie nicht erlangen kann, die er aber nicht bezahlen kann, weil sich der andre sonst beleidigen könnte.
  • Nach all dem versteht es sich von selbst, daß er als Erster um Teuerungszulage schreit.

(6. Mai 1917)

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Liberia

die schwarze Republik, ist nun auch gegen uns.
Wer hat uns bei den Schwarzen so angeschwärzt?

(6. Mai 1917)

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Neuestes.

Die Negerrepublik Liberia hat sich nun auch dem „Kampf für die Kultur“ angeschlossen. Man hat demgemäß dort beschlossen, den Gebrauch von Taschentüchern einzuführen.

Lloyd George redet den Engländern so viel vom Hungern vor, daß sie ihn bald satt bekommen werden.

In einem russischen Regiment sollen Anfälle von Disziplin beobachtet worden sein.

(6. Mai 1917)

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Russische Zustände.

Die Soldaten äußern sich sehr befriedigt über den Gehorsam der Offiziere.

Der Zar, der in einer Festung zurückgehalten wird, fühlt sich noch sicherer als die provisorische Regierung, die niemand zurückhalten wird.

Der Arbeiterrat rät meist, nicht zu arbeiten. Der englische Botschafter schickt täglich schlimmere Botschaften.

(6. Mai 1917)

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Meine Kriegsziele.

  1. Ich will nicht zu oft Wrucken essen.
  2. Ich will die im Krieg emporgekommenen Mistblätter verschwinden sehen.
  3. Ich will nicht alle Tage von Moriz Benedikt hören, dieses oder jenes Ereignis werde in London „nicht ohne Eindruck“ bleiben.
  4. Ich will mich mit der Negerrepublik Liberia, die jetzt auch ententlerisch ist, aussöhnen.
  5. Ich will hausen und jausen, wo und wann es mir paßt.
  6. Ich will nicht täglich deshalb angesprochen werden, weil ich „noch immer hier bin.“
  7. Ich will nicht mehr hören, wohin Troelstra gefahren ist und was Branting meint, und was in Kopenhagen über eine nach London über Peking aus Paris gekommene Nachricht gesagt wird.
  8. Ich will für gar nichts einen „Ersatz“ haben.

(6. Mai 1917)

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Geisterstimmen.

In einer spiritistischen Seance, welche in einem bekannten Wiener Salon abgehalten worden ist, hatten wir Gelegenheit, mit den Geistern hingeschiedener hervorragender Persönlichkeiten zu sprechen und geben nun an dieser Stelle die bemerkenswertesten Äußerungen wieder.

So äußerte sich z. B. Shakespeare auf unsre Fragen:
– Wie denkst du erlauchter Schwan vom Avon über die Briten?
= Ich schäme mich ihrer, da ich sie immer als Besieger Frankreichs geschildert habe und sie nun die dicksten Freunde der windigen Franzosen geworden sind.
– Und wie geht es jetzt den Briten?
= Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.
– Was ist ihr Plan der Aushungerung Deutschlands geworden? Weiterlesen

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Inserate.

Haar- und Bartwuchs.

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(29. April 1917)

 

 

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Wann ist der Krieg aus?

  • Wenn die Geschäftsleute bereits sagen, sie könnten nicht billiger werden, denn sie hätten an den Nachwehen des Krieges zu tragen.
  • Wenn wieder mit den entbehrlichen Mitteln, genannt „kaufmännische Wechsel“ gewuchert wird.
  • Wenn die Leute in Kurorten und Sanatorien schweres Geld für Abmagerungs­kuren anlegen.
  • Wenn die französischen Theaterstücke wieder ins Französische übersetzt werden.
  • Wenn die Selma Kurz in Amerika durchgefallen ist und dann behauptet, daß sie trotz der Dollarverlockung doch lieber ihrem Vaterlande treu bleibt.
  • Wenn man den einen Optimisten nennt, der behauptet, daß jeder Österreicher gleich viel Brot bekommt.

(29. April 1917)

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Lichtseite.

Der Krieg zeitigt viele Mängel, aber diese Mängel haben auch gute Seiten.
Hat man weniger zu essen, lernt man eher, diätetisch zu leben.
Ist die Meinungsäußerung beschränkt, lernt man eher sein Mundwerk im Zaume zu halten.
Und fehlt es an Papier, sind gewisse alberne Tratschblätter genötigt, ihren Umfang zu reduzieren, und das ist auch sehr angenehm.

(29. April 1917)

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Theaterbosheit.

Eine schon sehr ausrangierte Sängerin will an einem Wiener Theater engagiert werden. Kaum hat sie beim Probesingen dem Kapell­meister ein paar Takte zu kosten gegeben, sagt dieser ärgerlich: „Aber, aber, Fräulein, das klingt ja schrecklich!“ – „Aber bitte“, meint die Sängerin, „meine Bekannten sagen, ich hätte einen Schatz in der Kehle!“ – „Wahrscheinlich hindert Sie dieser am Singen“, meint trocken der Kapellmeister.

(29. April 1917)

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Die Preistreiberei-Verordnung

hat als auffälligste Folge die Erscheinung gehabt, daß viele Wiener Geschäftsleute sich beeilten, eine „Umnumerierung“ der Preise vorzunehmen. Die bisher ausgebeutete Bevölkerung fährt mit solchen „Umnumerierten“ viel besser.

(29. April 1917)

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Weit gebracht!

Amerika kündigt an, daß es den Ententlern Darlehen geben will, Frankreich aber ein großes Geldgeschenk. Weit hat es Frankreich gebracht – es ist zum Schnorrer geworden, dem man Geld schenkt. Und woher die Geberlaune der Morganleute?
Da erfahren wir von neutraler Seite, daß Frankreich bis heute am un­verschämtesten von den amerikanischen Lieferanten bewuchert worden ist. Man zahlt ihm also eine Art von Vergütung.

Eine andre Meinung wurde uns von einem Amerikaner selbst geäußert. Er sagte: „Wir haben am Krieg ein grandioses Geschäft gemacht, Frankreich hat ihn angezettelt – ihm gebührt eine anständige Provision.“ Wie es nun sei: Vergütung seitens eines reuigen Wucherers oder Provision für das Blutgeschäft – Frankreich ist auf jeden Fall blamiert. Weit hat es die grande nation gebracht!

(29. April 1917)

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Indianer als Soldaten.

Wilson hebt nun gar 100.000 Indianer aus, um gegen Deutschland mobil zu machen. Offenbar als Ersatz für die vielen Kriegshetzer, die das Rotwerden verlernt haben.

(29. April 1917)

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Freßlieder.

1.
Prinz Eugen, der edle Ritter,
Hat gehungert einst gar bitter
Und Kartoffel fehlten grad.
Da ließ er kochen eine Wruken,
Hatte zwar dann Magendrucken,
Aber satt ward er doch grad.

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Was ist eine Platte?

Bisher verstand man immer nur Banden von Strolchen darunter. Man wird, dem Zuge der Zeit folgend, sich heute etwas euphemistischer ausdrücken müssen. Eine Platte ist eine Vereinigung zum verbilligten Bezuge von Waren auf genossenschaftlicher Basis.

(29. April 1917)

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Weltbühne vom 29.4.1917

Beim Finale eines großen Aktes treten gewöhnlich die Chöre auf, um ihre Meinung zu sagen, und so geht es auch im jetzigen Stadium des Welt­krieges zu. Nachdem die Diplomaten geflüstert und getänzelt haben, marschieren in Stockholm die Sozialisten auf und beginnen vernehmlich zu sprechen. Den Ententlern klingt das, was da gesprochen wird, sehr unangenehm in die Ohren. Weiterlesen

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Die neue Preistreibereiverordnung.

Äußerungen gewichtiger Persönlichkeiten.

Josef Beuschelreißer, bgl. Fleisch­hauer: Vor allem: ich begrüße, wie jeder anständige Mensch, aus vollem Herzen die neue kaiserliche Verordnung. Aber man soll dabei nicht stehen bleiben, man soll noch viel weiter gehen, nämlich uns Fleischhauer ausnehmen. Unser Gewerbe ist ein altehrwürdiges, ein ehr­bares, also kurz, von echtem Wiener Schrot und Korn. Bei uns ist die Tradition hergebracht. Schon Maria Theresia hat es privilegiert. Wir haben ein Privilegium. Weiterlesen

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Weltbühne vom 22.4.1917

Wenn nicht alles trügt, ist das Finale des großen Dramas im Kommen. Die letzte Prüfung der Völker findet statt und wohl demjenigen, das sich gut vorbereitet hat. Wir haben uns gut vorbereitet. Wir haben den schwersten Heimsuchungen Stand gehalten, wir haben uns unter dem stärksten Druck als fest erwiesen, wir haben den Herrschern und verdienten Führern unzerbrechliche Treue erwiesen.

Menschen und Waffen aus fünf Weltteilen sind gegen uns aufgeboten wor­den, alles was Tücke und Verrat leisten kann, ist gegen uns aufgeboten wor­den. Gewesene Bundesgenossen haben uns meuchlings überfallen, „Neu­trale“, denen wir nie etwas zuleide getan hatten, halfen bis zur Erschöpfung ihrer Mittel unsren grausamen Feinden, tausende von gedungenen Preß­ban­di­ten sind in fünf Weltteilen gegen uns losgezogen.

Und noch leben wir, donnern unsre Feuerschlünde tief im Feindesland, stürmen unsre Braven gegen Übermacht, arbeitet unser Volk im Hinterland fleißiger, geduldiger, selbstloser als je. Ja, wir sind wirklich gut vorbereitet, wir können zur Prüfung gehen, deren Zeugnisse bald verteilt werden dürften.

*

Wahrlich, John Bull kann nicht mehr tiefer gedemütigt werden, als durch die Rede Lloyd Georges im amerikanischen Klub. Dort hat er in geradezu entwürdigender Weise dem mächtigen Onkel in Amerika schön getan und direkt herausgesagt, daß nur mehr dieser ihn ret­ten könne. Weiterlesen

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Der Erfinder.

Wilson (zu Edison): Lieber Meister, Sie sind der erfolgreichtse Erfinder – jetzt müssen Sie sich anstrengen und einen Grund erfinden, warum ich eigentlich mit Deutschland im Kriege bin.

(15. April 1917)

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