Theaterglossen.

Die besten Alt-Wiener Sachen schreiben junge Budapester.

Nikisch ist doch grandios – jetzt versteht man es erst, warum man ihn in Wien nicht festgehalten hat.

Thimig hat doch noch ein Gutes an sich – seine Tochter.

Das Beste am Burgtheater ist seine Vergangenheit.

Die Stimme einer großen Sängerin kann schon stark nachgelassen haben, ohne daß sie etwas von ihren Gagenforderungen nachläßt.

(15. April 1917)

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Weltbühne vom 15.4.1917

John Bull hält schon so weit, den reichen Onkel aus Amerika anrufen zu müssen. Herr Wilson hat das Humanitäre bekommen und will im Namen der Kul­tur die Milliarden retten, welche die amerikanischen Großwucherer der Entente vorgestreckt haben. Auch Schiffe will er beistellen, die den Ruhm der englischen Flotte teilen sollen.

Na, uns kann es recht sein, wenn Wilsons Schiffe sich den Operationen der englischen anschließen. Diese liegen bekanntlich in beschaulicher Ruhe in einem schottischen Hafen und werden sich so angenehme Gesellschaft ger­ne gefallen lassen. Aber auch zu Lande will Amerika die Lorbeeren der Entente teilen und Roosevelt soll schon eine Division beisammen haben.

Wir raten allen Zirkusdirektionen, sich rechtzeitig ein Gastspiel Roose­velts zu sichern. Solchen Clown findet man so bald nicht wieder.

*

Überhaupt schlägt die Weltbühne alle Konkurrenz der eigentlichen Büh­nen und Varietes. Welch eine Tragikomödie war doch z. B. die russische Revolution, ein wahres Meisterwerk englischer Regie­kunst. Welche schauspielerische Leistungen hat es da gegeben! Wie gut war Miljukow als Volksbefreier, Rodzianko als Demokrat, Fürst Lwow als Arbeiter­freund. Weiterlesen

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Inserate.

Feinste Gummispezialität „Hella“

Versand überallhin, auch ins Feld, gegen Voreinsendung des Betrages.

Leop. Münzer
Wien I. Wipplingerstraße 32.

(8. April 1917)

 

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Die Engländer

haben nach deutschem Heeresbericht einen Trupp von 600 englischen Gefangenen durch Maschinfeuer niedergemetzelt. Diese gemütvolle Nation wollte nämlich die 20 eskortierenden Deutschen treffen, das ist zum Teil gelungen, und das ist die Hauptsache.

(8. April 1917)

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England in New-York.

Wenn die formelle Kriegserklärung, sagte Roosevelt, noch lange auf sich warten läßt, so wird nichts andres übrigbleiben, als daß eine neue Verschwörung gegen den Präsidenten entdeckt wird.

(8. April 1917)

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Weltbühne vom 8.4.1917

Sir Buchanan, der Spezialist für Revolutionen, soll aus Petrograd abbe­ru­fen werden. Ja, warum denn? Ist Lloyd George mit seinem commis voyageur nicht mehr zufrieden? Hat dieser nicht die schönsten Abschlüsse gemacht und riesige Aufträge gebucht? Es scheint eben bei diesen Geschäften doch ein Haken vorhanden zu sein.

Die Revolution wurde geliefert, doch bemängelt man bereits in Entente­kreisen die Qualität. Weiterlesen

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Weltbühne vom 1.4.1917

England sah Rußland in Gefahr und nahm an ihm einen Bauchschnitt vor, um das Gewächs des Zarismus auszurotten. Nun ist die Operation nicht aseptisch gemacht worden, und es zeigen sich Erscheinungen von Eiterfieber.

Was weiter? Eine neue Operation? Herr Buchanan ist kein guter Operateur, und es scheint, daß sich ihm Ruß­land nicht zum zweitenmal anvertrauen wird. Jedenfalls braucht ein Operierter zunächst Ruhe und zweckmäßige Er­näh­rung. Wie wäre es, wenn sich der russische Patient an die Zentralmächte wendete? Er könnte sich da auf reelle Weise Ruhe und zweckmäßige Er­näh­rung sichern, um dann die Heilung abzuwarten.

*

Erste Aufgabe bei Behandlung eines schwer Leidenden ist doch wohl, ihn vor direkten Schädlichkeiten zu bewahren. Und was wäre schädlicher als Magenüberladung nach schwerer Abdo­mi­nal­operation.

Das revolutionäre Rußland will jetzt mit seltsamem Heißhunger alles auf einmal essen: Republik, Nationalautonomie, Trennung von Staat und Kir­che, Achtstundentag, Klassengleichheit, Frauenrecht usw. Ja, das könnte doch auch der stärkste Magen nicht auf einmal bewältigen.

Und noch dazu der jähe Sprung vom Geheimpolizeistaat zur rosen­rötes­ten Republik! Eine Ultrademokratie für Analphabeten, Autonomie für die Kirghisen, Achtstundentag für die Lappländer, Kirchentrennung für Eskimos, Frauen­recht für die turkestanischen Harems. Wahrlich, der höchste Maskenball!

*

Die breite russische Natur. Dieses Schlagwort wird immer wieder vorgebracht, wenn ein Un­be­greif­liches in Rußland erklärt werden soll. Weiterlesen

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Englische Aussprache.

Bekanntlich bietet die Aussprache des Englischen große Schwierigkeiten, da gewöhnlich ganz anders gesprochen als geschrieben wird, so daß neben jedes Wort für jenen, der Englisch lernt, die buchstäbliche Aussprache hingeschrieben werden muß.

So z. B.
„Mistreß“ sprich: „Missis“
„Times“ sprich: „Teims“
„Two“ sprich: „Tuh“
„Lloyd George“ sprich: „Schwindler“
„Carson“ sprich: „Raufbold“
„Churchill“ sprich: „alberner Geck“
„Asquith“ sprich: „Deserteur“.

(25. März 1917)

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In den Warenhäusern

gibt es „weiße Wochen“, so oft reine, duftige Wäsche liquidiert wird. In Rußland hat es eine rote Woche gegeben. Da ist die seit Jahrhunderten angehäufte Schmutzwäsche der Romanows endlich in die Arbeit genommen worden.

(25. März 1917)

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Theater.

Wenn man Leute wie Oscar Wilde und Bernhard Shaw betrachtet, begreift man das Unglück Irlands. Welche konfuse, niemals ernst zu nehmende Strudelköpfe sind doch diese Autoren. Welche hohle Sensationssucht lebt in ihnen, welche spielerische Jagd nach oberflächlichen Effekten, welche Unfähigkeit, das wirklich Lebendige zu schaffen. Weiterlesen

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Weltbühne vom 25.3.1917

Im russischen Nationaltheater Sensationsdrama ersten Ranges: Revolu­tion.

Das unter englischer Regie in Szene gegangene Stück kann sich wirklich sehen lassen. Die Ausstattung ist nach alten französischen Entwürfen grade­zu blendend ausgefallen. Es fehlt nicht an Freiheit, es fehlt nicht an Gleichheit und auch nicht an Brüderlichkeit.

Im Namen der Freiheit wurden Minister arretiert, im Namen der Gleich­heit handelten Gardeoffiziere genau so gleich wie Schnapsbrüder, und im Na­men der Brüderlichkeit schlug man sich gegenseitig die Köpfe ab. Massenaufzüge, Treubrüche, neue falsche Eide – alles gab es wie bei der französischen Urprämiere. Und Kokarden gab es und Flaggen und Toaste und Telegramme. Und nach Schnaps hat es auch gerochen wie bei allen Revo­lutionen. Weiterlesen

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Ein bekannter Schmock

schrieb ein vier Spalten langes Feuilleton über Psylanders Eleganz und behauptete:
Wie ihm der Rock in der Taille saß, das war ein Gedicht. Wir vermeinen, es wäre ein Schauspiel ohnegleichen zu sehen, wenn solchen Schmierern die Hosen über den Hinterbacken straff gezogen würden.

(18. März 1817)

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Der „Vorwärts“

nennt die Gegner des Reichskanzlers nach dem Berliner Hotel Adlon, in dem sie eine Geheimversammlung abhielten, die „Adloniten“. Nächstens lesen wir wohl folgende Verbindungen: „Die Bristoliten“, die israelitischen Kaufleute, die im Hotel Metropole wohnen, wären dann sogar – „Metropoliten“, es gäbe „Haus-der-Kaufmannschaftl-Huber“, ja die Virtuosen, die für Hugo Heller auftreten, würden als „Mittlere Konzerthausierer“ gebrandmarkt werden!

(18. März 1917)

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Wetten möchten wir,

daß die süßen Engländer jetzt, da sie Bagdad haben, in allererster Linie einen „Gegenkalifen“ aus ihrem Salon herausgreifen und damit eine Volte schlagen werden. Sie sind solches Falsch­spiel von Ägypten her gewohnt.

(18. März 1917)

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Im Deutschen Volkstheater

wurde „Das Konzert“ von Hermann Bahr wieder hervorgeholt.

In dieser übermütigen Komödie ist Bahr noch das heitere Weltkind von einst, und er scheint da dem Publikum mehr zu gefallen als in der weihevollen Rolle, die er jetzt vorführt. Das Publikum sucht bei Bahr Unterhaltung und nicht Weihe und applaudierte dem „Konzert“ sehr lebhaft.
Der fromme Bohr wird in Wien wenig Anklang finden, wo er noch vor kurzer Zeit freimaurerische Vorträge hielt.

(18. März 1917)

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Bielohlawek für die Kinos.

So sehr wir grundsätzlich gegen den Unfug sind, daß gegenwärtig „Interpellationen“ von Parlamentariern etc. Aufnahme in den Zeitungen finden, geben wir dennoch einer Zuschrift des schon wieder zu lange ungehörten Landesausschusses Raum. Bielo schreibt uns: Weiterlesen

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Der rechte Moment.

– „Warum, liebe Schaffnerin“, frug neulich ein Straßenbahn-Fahrgast, „warum ist das Rauchen in der Elektrischen erst jetzt verboten worden? Warum nicht schon in normalen Zeiten, warum nicht im Frieden?“
= „Wissen S’“, erklärte die resche Wienerin, „weil erst jetzt die Männer – ohnehin keine Zigarren oder Zigaretten haben!“

(18. März 1917)

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Die Lage vom 18.3.1917

1. England.
Ja, England ist der Kopf der Schlange,
Doch bleibt der Giftzahn ihm nicht lange;
Versetzen wird ihn bald in Ruh’
Das nimmermüde deutsche „U“.

Gebrochen wird Piratenmacht,
Vergebens ist der Briten Macht,
Vergebens sind des Seelords Hirn,
Trotz bietet deutsche Heldenstirn’.

2. Frankreich.
Schon wird es öde um Briand,
Er gilt auch wohl als abgetan;
Doch muß man dort sich noch bequemen
Aus Furcht, das Amt ihm abzunehmen.

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Zoologisches.

Der Viehstand verändert sich nicht gleich­mäßig; Rinder werden seltener, dagegen sind die Hamster recht häufig geworden.

(11. März 1917)

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Im Erfinden von Schlagworten

sind die Amerikaner groß. So haben sie das schöne Wort vom „Unterseeflieger“ erfunden. Es sind Motorboote mit geringem Tiefgang.
Amerikanische Blätter schreiben: Diese Boote bewirken, daß die englischen Schiffe „in den Häfen ruhig schlafen können“, da sich kein „U“-Boot nähern kann.
Dazu hätte es nicht erst neuer Erfindungen bedürft. Daß die Kriegsschiffe in Englands Häfen schlafen, weiß alle Welt.

(11. März 1917)

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