Schlagwort-Archive: † Nachruf

Girardi †

Girardi tot! Der Wien er kann’s nicht glauben.
Schlug’s doch herab als wie ein jäher Blitz …
Den Unersetzlichen uns so zu rauben,
War – wie er oft gesagt – „a schlechter Witz“.

Ist’s wirklich wahr? Auch er, er mußte weichen,
Der so viel frohe Stunden uns beschied
Sein „Margarete, Mädchen ohne gleichen“
Sein unverwüstliches „Fiakerlied“.
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Richthofen †

Der deutsche Fliegerheld
Liegt tot nun auf dem Feld
Uns ward darob das Herz so schwer,
Es trauert jeder Mann von Ehr’.

Er fliegt nicht mehr hinauf
Zu neuem Siegeslauf,
Doch, mag er auch nicht mehr siegen,
Sein Fliegerruhm wird nie verfliegen.

(1. Mai 1918)

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Eduard Strauß †

Mensch geword’ner Dreivierteltakt,
Hat dich nun auch der Große gepackt?
Wie sie, alle die Menschenkinder,
Junge Mädchen und Alte nicht minder,
Hingezogen sich wiegten und bogen
Auf den entfesselten Walzerwogen.
Weinen? – Das wäre nicht seiner gemäß,
Und schon gar nicht im Weltengetös.
Diesem stets Heitern ziemt andere Feier,
Lächelnde Engel schlagen die Leier.
Gebt ihm, zur Fahrt über’n Styx, hinab
Drei Lachsalven über sein Grab!

(24. Dezember 1916)

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In memoriam Stettenheim †

Julius Stettenheim, der lustigste Deutsche, ist dahingegangen. Man handelt nur im Geiste von Wippchens Vater, wenn man statt gerührter Klagen ihm ein paar Blätter nachstreut, die beweisen, wie seine Technik Schule gemacht hat, und vor allem seine Lehre, auch bei ernsten Anlässen nie in Kopfhängerei zu verfallen .

Es geht nichts über einen Standpunkt. Er ist ein Glück im Gesichtswinkel. Zum Beispiel der jüdische Dreh, der mit der Kirchturmpolitik einer Stadtgemeinde zum Ausdruck kommt. Stettenheim ist für die Karlsbader Kurverwaltung, wie sie in allen Blättern verkündet, nichts andres gewesen als „der älteste Stammgast unsres Weltbades“ . Weiterlesen

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Immelmann †

Alle Neune? Nein, nein!
Alle – zweimal neun!
So hat er, da er durch den Äther gesegelt
Die Feinde aus den Lüften gekegelt
Und immer wahrhaft adelig stritt er
Und schonte die Flügellahmen, der Ritter.
Er war von all’ den Helden am höchsten
Und war der Sonne des Sieges am nächsten.
Ein Himmelmann, dieser Immelmann!
Erdwärts ist nur der Körper geflogen,
Die Seele ist nach Walhall gezogen.

(2. Juli 1916)

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75 tote Kinder

Sarg auf Sarg…
Und jeder ein totes Kindlein barg!
Ein Massenmord,
Ein tierischer Sport!
Franzose! Schakal, räudiger!
Gibt’s immer noch Verteidiger?
Gibt’s immer noch solche, denen du leid,
Die „arm“ dich nennen, „verführt von der Zeit“,
Schwächlinge, die auf deiner Spur,
Errötend bewundern Frankreichs Kultur?
Wenn je sie war, wenn je sie bestanden,
Wenn je sie ein Vorbild in deutschen Landen
­Längst ist sie verwest! Schreibt auf die Truhe:
„Voila la culture de Karlsruhe!!“

(2. Juli 1916)

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Paul Schlenther †

So lange er lebte, hat man unverdrossen
Auf ihn gehaut und immer hingeschossen,
Unfähig ihn genannt und nicht geruht,
Bis nach Berlin er flüchtet vor der Brut.
Nun, wo das Aug’ für immer er geschlossen,
Wird manche Krokodilsträne vergossen.
Da schreiben sie – O du mein liebes Wien! –
„Er war des Burgtheaters Paladin.“
Ein solcher Nachruf … nicht Verstimmung weckt er
Und kränkt nicht mehr den – heutigen Direkter.
Ein solches Lob, das er doch nimmer hört,
Ist wie die Fabel – doch nur umgekehrt:
Dem Löwen gab man einstmals Eselstritte,
Denn viel Reklame folgt auf solche Schritte,
Nach Tische liest man ganz was anders schnell;
Dem toten Löwen streichelt man das Fell.

(7. Mai 1916)

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Emil Persich †

Fiel auch unser braver Persich,
Darf uns eines trösten: Wer sich
So geschlagen, fühlt als Herr sich.
Und Italien, dieses plärr’ sich
Nur die Augen aus und wehr’ sich;
Unser Ruhm jedoch vermehr’ sich,
Bei der Flotte, wie beim Heer sich!

(30. Mai 1915)

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Berta Suttner †

„Die Waffen nieder!“ immer sie rief
Und nun die Edle für immer entschlief;
Dem Tode auch die besten Seelen
„Die Waffen nieder“ vergebens befehlen.

(28. Juni 1914)

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Eduard Süß †

Der edle Mann ist tot,
Bedauernd stehn selbst Freisinns Hasser;
Er gab ihnen Hochquellwasser, doch sie
Nicht waren wert, ihm zu reichen das Wasser.

(3. Mai 1914)

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Die Trauer um Gustav Mahler

Sogar bei dem Tode Gustav Mahlers haben die musikalischen Regeln Geltung erlangt! Solange er einfach der „Mahler“ war, hat dieser Notenkopf für niedriger gegolten. Erst mit dem † (Kreuz) davor hat man ihn höher genommen!

(28. Mai 1911)

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Wilhelm Busch †

Bist nun auch dahingegangen,
Dich umfängt die letzte Ruh’,
Und Du drücktest ohne Bangen
Deine weisen Augen zu.

Heiter bist du wohl gestorben,
Lächelnd blicktest du hinab,
Als der Tod um dich geworben,
Lächelnd stiegst du in das Grab.

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Theodor Zajaczkowski †

Der böseste und wehtuendste Witz, den ein lustiger Mitarbeiter eines lusti­gen Blattes machen kann ist – wenn er stirbt. Und ein so fröhlicher Meister des Grif­fels, ein so getreuer Typus des Wiener Bilderhumors, ein so lieber Kollege und herzensbraver Mensch, wie Theodor Zaja­czkowski – ein von der Wiener Schol­le Unzertrennlicher, trotz des pol­ni­schen Namens – trifft uns mit diesem bösen Witz.

Statt des Zeichen­papier­blattes mit dem stets frohbegrüßten Beitrag kommt der Partezettel.

Zajacz­kowski hat – ob­wohl er nur 55 Jahre er­reicht hat – zu dem alten Stamme der Wiener Kari­ka­tu­risten gehört, und nach Jahrzehnten hat seine Popularität gezählt, weil er sie, als junger Mensch, mit seinen allerersten Arbeiten gleich errungen und bis zum letzten Tage zu behaupten ver­mocht hat. Weiterlesen

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Josef Braun †

Nur wenige Monate, nachdem er, schweren Siechthums wegen, von der Herausgeberschaft des Blattes zurück­ge­treten war, ist der Begründer der „Wie­ner Caricaturen“ in Hietzing der zeh­renden Krankheit erlegen.

Die humoristische Zeitungsliteratur hat in Josef Braun einen ihrer schöpfe­ri­schesten und sprüh­geistigsten Vertreter be­sessen.

Ein gebürtiger Deutsch-Ungar – in Buda­pest 1840 geboren – war er mit jun­gen Jahren nach Wien gekommen und hatte sich hier alsbald durch die Auf­ge­wecktheit und Schlagfertigkeit des Talen­tes seinen Platz gewonnen, nicht in der Publicistik bloß, sondern auch auf dem Theater. Als Journalist be­gann er seine Thätigkeit in ernstester Richtung bei gros­sen politischen Blättern, als Bühnen­autor setzte er gleich mit der heiteren Note ein.

Er debutirte mit einem geradezu mus­ter­giltigen einactigen Libretto, welches Franz v. Suppé zu einem musikalischen Treffer gestaltete: „Flotter Bursche“ – der Titel klingt heute noch im Gedächt­nis der Leute, wie die Musik. Weiterlesen

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Annie Kalmar.

Die arme Kalmar, wozu ist die reiche, die schmuckreiche Kalmar gewesen? Mit 24 Jahren verdorben, gestorben – aber mit 24 Jahren auch schon eine halbe Million Mark in Diamanten und Perlen „erworben“! Und nun wird Alles auseinandergeschleudert, und der Auctionator ist nur mehr der einzige Mensch, der mit ihrer Schönheit und den glitzernden Zeugenschaften derselben noch ein bißchen Lärm macht. Und dafür hat sie sich den Schlaf der Nächte weggetollt, beinahe so – wenn man auch etwas anders – wie die arme Näherin, die sich um das Stück Tagesbrot ihren Schlaf wegnäht. Die arme Sclavin des Lebensgenusses! Wie sie ihre Zeit rastlos genützt hat – 24 Jahre erst und schon eine halbe Million Mark! Nun aber verweht, zerstoben, zu leerer Luft geworden, wie ein Nachtmärchen – ein Märchen aus „Tausend und Eine Nacht.“

(2. Juni 1901)

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Der Schimmel †.

Wenn er noch nicht gestorben ist, so ist er wenigstens im Verenden, ist auf den Aussterbeetat gesetzt.
Aber welcher Schimmel? Der Amtsschimmel vielleicht, dessen Hinscheiden mit einem Jubelruf aus tausend und hunderttausend Kehlen begrüßt würde? O nein, der lebt sein behaglich Leben weiter und erfreut sich der ungemindertsten liebevollen Pflege im fröhlich bequemsten Schlendriantrost.
Nein, der Kriegsschimmel soll verscheiden, in Oesterreich vorerst, vom Artillerieschimmel angefangen, denn auch der eigentliche Soldatenschimmel, der bei der Cavallerie alsbald folgen soll. Warum? Weil er sich im Felde durch seine Farbe allzu bemerkbar macht und ein leichter Zielpunkt für die Feindeskugeln ist. Ja, ja, das Sich-allzu-bemerkbar-machen, das hat immer seine Gefahren und gibt den Feinden immer erwünschte Zielpunkte – nicht bloß beim Kriegsschimmel!

(9. September 1900)

 

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Graf Murawiew †

„Ach, sie haben – einen guten Mann begraben – und uns war er mehr…“
Ein Abonnent der „Wiener Caricaturen“ war er – das heißt, ein Minister also, der sich am Spaß verstand, nicht bloß auf den eigenen, sondern auch den anderer Leute – zum Unterschied von so vielen seiner Standes und Berufscollegen, welche nur die eigenen staatsmännischen Scherze gelten lassen, auf Kosten der anderen Leute natürlich, und die dazu noch meistens von „alten Spässen“ lebten, während er, Graf Murawiew, sich kürzlicherst auch ein paar ältere Jahrgänge der „Wiener Caricaturen“ kommen ließ, zum Beweis, daß er keine „alten Späße“ liebte, denn die unsrigen veralten nicht, weil sie sich an die menschlichen und gesellschaftlichen Caricaturen halten, die immer „frisch“ bleiben.
Sie bilden nicht den wenigst inhalts- und lehrreichen Nachlaß, den sein Nachfolger vorfindet.
Wir wünschen ihm übrigens – das heißt uns – außer dem Nachfolger im Amte, auch möglichst viele Nachfolger im Abonnementsgeschmacke, selbst wenn sie keine Minister sind. Wir bekennen uns darin rückhaltlos zu dem demokratischen Grundsatze: „Vor dem Abonnementsgesetze sind alle Menschen gleich.“

(1. Juli 1900)

 

 

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Eingeordnet unter Kleine Scherze

Bismarck †

Es streckte einen Riesen in den Sand
Des Allzerstörers mitleidslose Hand,
Still ruht er nun, der Mann von Blut und Eisen,
Der Mann, den einst das Schicksal auserwählt
Und mit dem Hauch des Genius gestählt,
Der Weltgeschichte neue Bahn zu weisen.

Am Sarkophag in tiefstem Schmerze weint
Das Reich, das er im Schlachtensturm geeint,
Das machtvoll allen Feinden Trotz geboten,
Und gleich wie vor des Cid entselltem Bild
Die Gegner bebten auf dem Kampfgefild’,
So zittert Frankreich heut’ noch vor dem Todten!

Der Leib ist todt, unsterblich aber ragt,
Was er gethan, und wie die Zeit auch jagt,
Nie wird sein Volk den großen Sohn vergessen –
Glückselig trauern um den Genius,
Weit ärgeres Schicksal, wenn man trauern muß,
Weil niemals man solch’ einen Mann besessen!

S.

(7. August 1898)

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Theater-Caricaturen vom 8.5.1892 – Zerline Gabillon †.

Nun haben die Burgtheaterdirectoren Ruhe vor ihr, welche für die „schrecklichste Directionsplage“ galt, und die es erst recht geworden war, seitdem sie nicht mehr so ganz mitthun konnte – weil mit aller Plage nichts auch nur Ersatz-Aehnliches bis zur Stunde aufzufinden gewesen ist. Was gäbe welcher Director immer für die „Plage“, die Zerline Gabillon hieß! Weiterlesen

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Eingeordnet unter Theater

Todesanzeige.

Der Unterzeichnete gibt im eigenem, wie im Namen seiner Kinder: Amtsschimmel, Schlamperei und Veruntreuung, Nachricht von dem höchst betrübenden Hinscheiden seines Lieblingskindes

Lina
von Währing, Hernals, Nußdorf
etc. etc.,

welches in der Nacht vom 20. auf den 21. December nach langem, schmerzlichen Leiden sämmtlicher Passanten an Groß-Wienigkeit verschieden ist.
Um stilles Beileid der Vororte-Fleischhauer wird gebeten.
Wien, im December 1891.
Der alte Schlendrian.

(27. Dezember 1891)

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