Schlagwort-Archive: Burgtheater

Theater – vom 1.6.1925.

Deutsches Volkstheater.  Nach Pallenbergs selbstredend durchschlagendstem Gastspiel bescheerte uns das Volkstheater eine Neuinszenierung von Apels heiterem Spiel „Hans Sonnenstössers Höllenfahrt“ in vorzüglicher Besetzung. Thomas MannsFiorenza“, GrabbesNapoleon“ und NestroysEulenspiegel“ bilden den glänzenden heurigen Abschluß des vornehmen Repertoires der trefflichen Sprechbühne. Weiterlesen

Werbeanzeigen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Theater

Kritik der Kritik

Ein Wort für unsere Mimen.

Auf die Gefahr hin, für einen Marsbewohner gehalten zu werden, tritt der Gefertigte gegen die ebenso allmächtige als allweise Theaterkritik in die Schranken. Zur eigenen Legitimation in Bezug auf das tollkühne Unternehmen betont der Schreiber nicht etwa, daß er bereits vor einem halben Jahrhundert „die Verhaltungsmaßregeln Goethes und Lessings, Dingelstedts und Devrients für den Mimen mit allenfalls problematischen Verständnis intes hatte…“ viel mehr erwähnt er, daß er schon zu jener Zeit ein ständiger Besucher des unsterblichen Kunsttempels am Michaelerplatz war, wo er – entsprechend seinen Mitteln – vom höchsten Standpunkte, der dritten Galerie, das Beste mehr hörte als sah, was deutsche Schauspielkunst zu bieten vermochte und vermag. Es war dies noch vor jener Periode, wo Mitterwurzer und Kainz von des Burgtheaters Familie und dem Rezensenten der alten Presse als Outsiders empfunden und besprochen wurden… Also, dem ergebenst Gefertigten, im bescheidenen Wirkungskreis rezensiert auch er noch heute, kann man höchstens das Verständnis, keinesfalls aber eine Erfahrung im Theaterwesen absprechen. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Inland, Weltspiegel

Wiener Spaziergänge vom 1.6.1924.

Niemand ist so stolz darauf, in seiner Vater- und Heimatstadt Wien die Namen erlauchtester Geister in jeder Richtung wie auf allen Gebieten verzeichnen zu können, wie der ergebenst gefertigte Wiener Spaziergänger. Zu diesen geistigen Kapazitäten zählt zweifellos in erster Reihe der gegenwärtige städtische Finanzminister Breitner. Warum just diesem ein jeder Spaziergänger seine – nennen wir es – Bewunderung, nicht versagen kann? Weil gerade dieses Finanzgenie der erfolgreichste Förderer unserer Fußgeher geworden, denn mit der Wiener – lies! Breitners – Straßenbahn fährt unbedingt heute nur, der es absolut tun muß. Leider Gottes sind alltäglich Hunderttausende Wiener ausschließlich auf dieses Transportmittel angewiesen, und der städtische Mathematiker versteht es wie kein zweiter, dieses ernste Faktum auszupressen für sein kommunales Budget… bis zur Bewußtlosigkeit. Im vollen Sinne des Wortes. Die Anzahl der kreierten Züge ist relativ derart gering, daß unsere Straßenbahnzüge weniger für den Personenverkehr bestimmten Waggons mit einer festgelegten Anzahl von Sitz- und Stehplätzen gleichen als Käfigen für lebendes Material, das – sei es wie immer – neben-, zwischen-, auf- und untereinander im Innenraum, auf den Plattformen – an Sonn- und Feiertagen auch auf den Puffer – eingeschlichtet, hängend und angeklammert erscheint. Preis einer solchen Vergnügungsreise nur 1700 Kronen. Nun, wie Gott will! Eines Ruhmes ist der hohe Arrangeur und Rechenkünstler sicher: Schon um dieses Verdienstes für seine Mitbürger zählt er heute zu den populärsten Wienern. Sein Namen – auch ansonsten nicht selten genannt – schwebt geradezu jedem Straßenbahnbenützersmunde, und wenn ihm und Direktor Spängler, seinem ausübenden Organ, so oft die Ohren läuten würden, als ihrer in allen Tagesstunden gedacht und auf der Tramway erwähnt wird… ihre Trommelfelle wären hin, oder beide leidtragende Funktionäre längst in dem Luftkurort der Endstation des 47er Wagens. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Inland, Wiener Spaziergänge

„Der Bauer als Millionär“

ist das neueste Experiment des Burgtheaters. Und dazu ward Girardi engagiert. Wir erklären offen, daß wir dieses Experiment für verfehlt halten. Die Raimundmärchen sind literarische Kuriositäten und in ihrer Naivität gerade noch für den Vormärz zureichend gewesen.
Sowie die Cooperschen Indianer verschwunden sind, so ist die Welt Raimunds für immer dahin.

(20. Februar 1918)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Für Girardi.

Da nun einmal Girardi zum Burgtheater gehört, so wird man wohl daran gehen müssen, die Repertoirestücke ein wenig zu bearbeiten, um sie dem großen Wiener Lokalkomiker besser anzupassen. „Die Räuber“ könnte man am Galizynberge spielen lassen; der alte Moor (Girardi) wäre ein Heurigenschänker, dessen Söhne entarten. „Kabale und Liebe“ spielte in Wien, der alte Mille r (Girardi) wäre Harfenist, seine Tochter Volkssängerin, Major Ferdinand wäre bei den Deutschmeistern, sein Vater auch Präsident, aber bei einer Bank, die eine Warenabteilung hat. – Der alte Miller könnte dann natürlich Kuplets singen.
Aus der „Wildente“ wäre natürlich ein „junges Gansel mit Gurkensalat“ zu machen.
Kurz, es ließe sich viel machen.

(10. Juni 1917)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Der Krieg und die Theater.

Direktor v. Millenkovich ist von dem bekannten Theaterfachmann Max Epstein über das christlich-germanische Schönheitsideal interviewt worden. „Ich bleibe konsequent bei dem, was ich gesagt habe“, äußerte der Burgtheaterredner, „und Sie wissen ja, wie ich mich bei dem Schweizer Bankett mit Schnitzler und Hofmannsthal angefreundet habe. Im übrigen gedenke ich Herrn Morgan und Herrn Eisenbach zu engagieren.“

Viktor Leon, der dramatische „Kinderverzahrer“ zerrt in seinem neuen Singspiel wieder kleine Kinder en masse auf die Bühne. Direktor Wallner soll ihn gebeten haben, extra für das Volkstheater ein Kinderstück zu schreiben. Die Stars kämen (inklusive „Greuel“) auf K 1.60 pro Kopf zu stehen.

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Theaterglossen.

Die besten Alt-Wiener Sachen schreiben junge Budapester.

Nikisch ist doch grandios – jetzt versteht man es erst, warum man ihn in Wien nicht festgehalten hat.

Thimig hat doch noch ein Gutes an sich – seine Tochter.

Das Beste am Burgtheater ist seine Vergangenheit.

Die Stimme einer großen Sängerin kann schon stark nachgelassen haben, ohne daß sie etwas von ihren Gagenforderungen nachläßt.

(15. April 1917)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Paul Schlenther †

So lange er lebte, hat man unverdrossen
Auf ihn gehaut und immer hingeschossen,
Unfähig ihn genannt und nicht geruht,
Bis nach Berlin er flüchtet vor der Brut.
Nun, wo das Aug’ für immer er geschlossen,
Wird manche Krokodilsträne vergossen.
Da schreiben sie – O du mein liebes Wien! –
„Er war des Burgtheaters Paladin.“
Ein solcher Nachruf … nicht Verstimmung weckt er
Und kränkt nicht mehr den – heutigen Direkter.
Ein solches Lob, das er doch nimmer hört,
Ist wie die Fabel – doch nur umgekehrt:
Dem Löwen gab man einstmals Eselstritte,
Denn viel Reklame folgt auf solche Schritte,
Nach Tische liest man ganz was anders schnell;
Dem toten Löwen streichelt man das Fell.

(7. Mai 1916)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Artur Schnitzler

ist mit Recht ein Liebling des Theaterpublikums geworden, denn er hat immer etwas zu sagen und tut dies so graziös und geschmackvoll, daß man in ihm den besten Ausdruck des Wienertums finden kann. Allerdings kommen manchmal auch die Schattenseiten des Wienertums zum Vor­schein, besonders des Ringstraßen-Wiener­tums, welches oft gar zu geistreich, gar zu weichlich, gar zu oberflächlich ist.

Die „Komödie der Worte“, der Schnitzlersche Einakterzyklus, welcher uns jüngst im Burgtheater vorgeführt worden ist, zeigt eine bedenkliche Er­mattung des Schnitzlerschen Schaffens. Äußerst widerwärtige erotische Kon­flikte werden da sehr umständlich erörtert und einer sehr verschnörkelten Lösung zugeführt. Das Beste an dem Stück war die eine Rolle des eitlen Komödianten und Weiber­helden, die von Herrn Walden virtuos durchgeführt wurde.

Schnitzler wird die Scharte hoffentlich bald auswetzen. Allerdings ist auch das Kriegsklima seinen zarten, weichen Schöpfungen nicht günstig.

(24. Oktober 1915)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Wiener Sehenswürdigkeiten.

(Wo nicht anders bemerkt, ist täglich, auch Sonntag, freier Eintritt. – Karten bei den Sekretären.)

K. k. Hofburgtheater: „Wie man keinen Hund vom Ofen gewinnt“ oder „Die Verschwörung des Fiasko“.
K. k. Hofoperntheater: Heute Gast­spiel Kapell­meisters Guarneri an der Mai­länder Scala (in ita­lie­ni­scher Spra­che).
Deutsches Volkstheater: „Vor leeren Mauern“.
Theater in der Josefstadt – Lust­spiel­­theater: Wegen Vorbereitun­gen der Kino­vorstellungen ge­schlossen.
Theater an der Wien: „Prinzeß Gretl tanzt den Altheidelberger Walzer­traum“.
Neue Wiener Bühne: Gertrud Eysoldt; „Wie werde ich energielos?“ (Mit Demon­strationen auf beleuchteter Büh­ne.)
Apollo – Ronacher – Colosseum ­– Höl­le – Fledermaus: „Jede Kon­kur­renz aus­geschlossen.“ Später Lachstürme.

(9. Februar 1913)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Zur Kino-Enquete.

Unser Delegierter bei der Kino-En­quete hat, um seine Meinung gefragt, nicht viele Worte gemacht. Er hat den meisten der Referenten vielmehr voll­stän­dig Recht gegeben. Dagegen ge­stat­tete er sich einige Vorschläge.

Gleiches Recht für Kino und Theater! Die glei­che Rücksichtnahme auf das Publikum! Wenn ein „Fräulein aus gutem Hause“ einen Herrn verführt, wenn im Burgtheater ein Backfisch von „Gynä­ko­lo­gie“ redet, so haben so­fort die Kron­leuchter aufzu­flammen, damit dem Zen­sor ein Licht aufgeht.

Die Elite-Bioskope, wie z. B. Graben-Kino und Rotenturm-Kino haben den Preis für Parkettsitze von K 1.50 auf eine Krone herabzusetzen, da es kein Operet­ten­theater gibt, das eine ähnliche Aus­beutung des Parkett­publi­kums zuläßt.

Aus dem Kinoprogramm sind alle humo­ris­ti­schen Nummern zu strei­chen, weil das grelle Lachen der beste Beweis für die Verrohung des Zu­schauers ist. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Saisonbeginn!

Man rückt wieder ein, rückt zu­sammen und gibt sich einen energischen Ruck, um an den Verrückt­heiten der Großstadt unverrückt festzu­halten: Die Raison der Saison kommt zur Geltung. In den Kurorten werden Gattinnen und Kinder ausgelöst; man zählt die Häupter seiner Lieben, um zu eruieren, wieviel neue Herbsthüte zu kaufen sind, geht mit weit weniger geschwellter Brusttasche durch die Kärntnerstraße und meidet ängstlich we­gen der Auslagen die Aus­lagen.

Der Papa schimpft, daß die Mama in der Sommerfrische so viel Geld und so wenig Töchter angebracht hat, daß er beim Inkasso kein Einlangen findet, das Dienstmädchen, daß sie keine Hand­lan­ge­rin und die Frau, daß sie kein Aus­langen findet. Kurz, man freut sich, daß man wieder die alte Ordnung hat. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Inland

Vom Inseratenmarkt des Lebens.

Die Jünglingspassion für „gereifte Da­men“ braucht nicht immer just eine Ninon Lenclos und führt nicht bloß zu anrüchigen tragischen Einaktern im Burg­theater, sondern auch zu anrüchigen Spe­ku­lationen auf dem Inseratenmarkt.

„Jun­ger Literat sucht Bekanntschaft mit stol­zer, gereifter Dame“. Unter Chiffre „Ver­kanntes Genie“.

Es ist wohl keine „Ver­ken­nung“ des jugendlichen „Genies“, wenn die Be­hauptung gewagt wird, daß die „stolze, ge­reifte“ Dame auch eine „wohlhabende“ sein müßte.

(14. April 1907)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Inseratenmarkt des Lebens

Dichter im Herrenhaus.

(Infolge des Todes Saars muß aus „Kom­plettie­rungs­rücksichten“ ein Dich­ter ins Herrenhaus be­ru­fen werden. Von offiziöser Seite wird für diese Ehr­ung Peter Rosegger vorgeschlagen. Wir ha­ben nun eine Enquete unter den be­deu­tend­sten Literaten ver­anstaltet, um ihre Mei­nung darüber ein­zuholen, wen sie am meisten würdig halten, den verwaisten Stuhl Saars ein­zunehmen.)

Ich finde es grotesk, daß nach der Stillebenpoesie die Lodenrock­dichtkunst drankommt. Ich glaube, daß ich wohl am ehesten Anspruch auf die Pairs­wür­de habe. Durchgefallen bin ich, wie manch anderer Herren­häusler, sogar ausgepfiffen wurde ich, was man nicht einmal von dem Grafen Thun behaupten kann, von Politik verstehe ich genau so viel wie ein ehemaliger Minister, und alles übrige wird meine „Andere“ hysterisch beglau­bigen.
Hermann Bahr. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Autobiographisches.

(Keine Interviews.)

Peter Altenberg.
Auf alles Irdische könnt’ ich verzichten,
Selbst auf die Lieb’ der schönsten Straßenfee.
Nur zwei Gebilde sind mit mir verwachsen:
Gedankenstrich und Nachtcafé!

Hermann Bahr.
Was ich gewesen, bin ich nicht geblieben,
Was ich nie dachte, habe ich geschrieben,
Als „Krampus“ einstens alle die geschlagen,
Die als „Apostel“ mich nunmehr auf Händen tragen.

Julius Bauer.
Fiele auf dem Totenbette
Mir noch ein, ein Geistesblitz,
Spräch’ zum Tod ich: „Wart’ ein Weilchen,
Schade wär’s um diesen Witz!“

Max Burckhard.
War einstens Burgtheaterhetmann,
Sodann ein kritisches Genie,
Schließlich bin ich Hofrat ’worden;
Aber fragt mich nur nicht, wie?

Alexander Girardi.
Wenn man schon a Theater ziag’n muß
Und dabei schwitzt aus allen Poren,
Da denkt man sich: könnt’ man auch zieh’n
Den Herrn Direktor – aber an den Ohren.

Gutheil-Schoder.
Man meint, ich habe viel zu wenig Stimme,
Doch dafür sprüht mein Geistesblitz,
Denn oft ersetzt Esprit den Schmelz der Triller
Und viele hab’n zur Stimme nur noch Sitz.

Hugo von Hoffmannsthal.
Nur mystische Dessins
Verweb’ ich für’s Theater,
Und meine Sprache ist so reich,
Beinahe wie mein Vater.

Stella Hohenfels.
Ich spiele noch immer die minnige Maid,
Doch auch schon die Heroine,
Und mime für die Wohltätigkeit
So gern die „Burgruine“.

Josef Kainz.
Schon als Knabe wurde angestaunet
Mein großes sprecherisch’ Talent.
Mein Vater meinte: Josef wird ein Künstler
Oder ein Versicherungsagent.

Lotte Mendelsky.
Als Schlenther mich als „Gretchen“ geseh’n,
War um seinen Geist es völlig gescheh’n,
Er sprach: Mein Fräulein, darf ich’s wagen,
Ihnen mich als Stütze anzutragen.
Ich rief aber schnippisch: Sie sind mit zu dick,
Ich suche nur ein mageres Stück,
Doch er rächte sich grimmig, o Infamie,
Er gab mir die Rolle der „Eboli“.

Felix Salten.
Daß so balde ach erloschen
Meine Bühnenherrlichkeit,
Läßt mich heute kühl; bedenket:
Alle Wunden heilt die „Zeit“.

Adele Sandrock.
Vom reinsten Adel ist fürwahr die Kunst
Und vornehm gar mein Liedermund,
Bin in Apollo eine Herzogin
Von Kognak und Burgund.

Artur Schnitzler.
Meinen Ruhm erschuf mein „süßes Mäderl“
Durch die schöne „Liebelei“,
Voll ist stets mein Herz gewesen,
Nur mein Kopf blieb manchmal frei.
„Freiwild“ bin ich doch geworden
Und gegangen auf den Leim,
Wohne nicht mehr bei den Musen,
Sondern hab’ ein sittsam Heim.

Adolf von Sonnenthal.
Zum Äther steigt mein Fleh’n empor,
Begnad’ mich Herr wie keinen,
Und lasse mich bis hundert Jahr
Stets weinen…
Hieronymus Jobs.

(29. Jänner 1905)

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 25 Jahre-Jubiläumsnummer

Theater-Caricaturen – vom 5.3.1893.

Ein Schreiben vom Verfasser der „Kriemhilde“?

Wir erhalten eine Zuschrift von uns unbekannten Handzuge. Aber die Mächtigkeit und Kantigkeit der Buchstaben, welche an die Reckenzeit der Nibelungen gemahnt, und der seltsame, ganz und gar ungewöhnliche Name Mayer, mit welchen das Schreiben gezeichnet ist, geben der interessanten Vermuthung Raum, daß dasselbe wohl von dem jungen Dichter der „Nibelungen an der Getreidebörse“ – oder, wie es der Kürze wegen auf dem Theaterzettel heißt, der Kriemhilde – herrühren mag, der in eigener Sache das Wort ergreift, Die bemerkenswerthe Zuschrift lautet: Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Theater

Eine Reise durch Wien III

Auf meiner Fahrt durch die Ring­straße fiel mir vor Allem der pracht­volle Bau des Opernhauses auf. Von außen sieht dieses Institut sehr schön und solid aus; wenn man aber hineingeht, findet man so viele Stimmruinen, baufällige Ballerinen und verwitterte Choristinnen, daß Einem angst und bange wird. Weh­müthigen Blickes fuhr ich weiter und gelangte schließlich an das nicht minder prachtvolle Burg­theater, erbaut von Herrn Baron Hasenauer, dem Talleyrand unter den Architekten, der im Glau­ben ist, die Theater seien dazu da, um die Ge­dan­ken der Dichter vor dem Pulicum zu ver­bergen – mit einem Wort, sie unhörbar und un­sichtbar zu machen.

Gegenwärtig wird in diesem Theater ein Stück tragirt, welches die alte Sage von Kriem­hildens Rache in modernem Gewande bringt.

Der Dichter heißt Mayer und besäße somit auch, ohne Stücke zu schreiben, einen in ganz Deutschland bekannten Namen. Mit seiner „Kriem­hilde“ hat er eigentlich einen Weg betreten, den schon vor zwei Jahren die „Wiener Caricaturen“ den deutschen Poeten gewiesen haben. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Theater-Caricaturen – vom 25.12.1892.

Wie viel beträgt das Schmerzensgeld für eine fehlgegangene Ordenaspiration? Wir wissen recht wohl, daß das auf die Qualität des erträumten Ordens, auf die Persönlichkeit des Ordensträumers und die sonstigen obwaltenden Umstände ankömmt. Das Alles in Gesammtbetracht gezogen, ist es eben interessant zu erfahren, auf wie hoch sich besagtes Schmerzensgeld für einen Theaterdirector stellen kann, dem seine Mittel es erlauben, eigentlich auf kein Geld mehr reflectiren zu müssen, sondern seinen Blick nach den edleren Knopfloch-Gütern der Menschheit richten zu können. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Theater

Theater-Caricaturen vom 31.7.1892 – Burgtheater in der Krise.

Das Burgtheater hat seine Ferien begonnen, aber man bemerkt davon gar nichts – auf dem Franzensring ist es so still, als wenn noch immer allabendlich gespielt würde. Nur von Krisen wird schon wieder was laut, nur diese Gerüchte sind nicht in die Ferien gegangen, und die wunderlichsten neuen Directionsnamen werden schon wieder genannt, die einen wunderlich dadurch, daß sie bei jeder Krise aufflackern, wie die Raben des Kyffhäufers, um zu erkunden, ob für den Directionscandidaten im Berge noch immer nicht die Zeit gekommen sei, an’s Licht herauszutreten – die anderen noch wunderlicher dadurch, daß Niemand bis zur Stund’ an sie gedacht hat und vermuthlich auch nicht denkt. So lange die Krisengerüchte schwirren, darf man überzeugt sein, daß nichts daran ist – erst wenn es einmal stille geworden, und wenn die Welt überzeugt ist, daß Alles recht fest besteht und an keine Veränderung gedacht wird, erst dann bricht wahrscheinlich über Nacht die Krise herein. So trägt man’s bei uns zu Lande.

(31. Juli 1892)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Theater

Wochen-Caricaturen vom 17.7.1892 – Das Burgtheater im Prater.

Der Reim „Prater-Theater“ scheint in immer häufigeren und mannigfaltigeren Gebrauch zu kommen. Auch das Burgtheater fängt schon an, den Zug nach dem Prater zu verspüren, nicht in die Ausstellung hinein, sondern von dieser hält es sich nun einmal principiell abseits, sondern es hat sich eben abseits davon beim Sacher auf dem Constantinhügel etablirt – allerdings vorläufig nur mit seinen Regiesitzungen. Jüngster Tage einmal wurde es dem Director und den Regisseuren in dem Bureau am Franzensring für Berathungen zu heiß – die Luft ist ja etwas schwül geworden im Burgtheater – und da machte Dr. Burckhardt den Herren den Vorschlag, den Schauplatz der Berathungen lieber für das eine Mal wenigstens auf den Constantinhügel zu verlegen. Gesagt, gethan – und wie uns berichtet wird, ging Alles frisch und fröhlich von statten, und man fühlte sich viel wohlgemuther beisammen als im Theater d’rinnen. Wir glauben auch überzeugt sein zudürfen, wenn die so glücklich inaugurirte Methode entsprechend erweitert wird und nicht blos die Regisseure und Schauspieler, sondern auch die Zuschauer lieber auf den Sachehügel geladen werden, das Burgtheater findet alsdann rasch das große Publikum wieder, welches ihm jetzt zu fehlen pflegt.

(17. Juli 1892)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Wochen-Caricaturen