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Wiener Spaziergänge vom 15.3.1924.

Aschermittwoch! Auch der längste Fasching nimmt sein mehr oder minder seliges Ende, und, acht Wochen gelebt im Paradies, sind nicht zu schwer gebüßt mit einer Deponierunge des Entbehrlichsten im Dorotheum. Natürlich spreche ich nicht von jenen oberen Zehntausend, bei denen die Kosten von zehn Millionen für eine Ballnacht keine Rolle spielen. Aber selbst in diesen höheren Regionen scheint ein gewisser Abbau eingetreten zu sein, sintemalen die bisher obligaten zwei Monstre-Opernfeste auf eines restringiert werden mußten. 100 Vorverkuafskarten abgesetzt. Das ist wirklich ein Trauerfall der sogenannten Wiener Gesellschaft. Eines fast ausschließlich hohen Besuches erfreuten sich die „neuen Hofbälle“. So wie man die Entkleideten beim Ronacher gesehen, oder im „Simpl“ getanzt haben muß, muß man als halbwegs Anständiger – beides auch im Audienz- oder Zeremoniensaal getan haben. Jede bessere Gewerks- oder Handelsgehilfen-Genossenschaft tanzt nun in „der Burg“, insbesondere deren Damen und vornehmlich mit jener Offenherzigkeit, die schon das alte Hofreglement vorschrieb. Und so gehört sich’s auch! Der Fasching der Vorspiegelungen falscher Tatsachen hat sich ausgelebt. Eine Verschlossenheit, in höheren Gebieten besonders, wird nicht mehr goutiert. Den bewußten Gürten, mit welchem erst der schöne Wahn entzweibricht, kann man selbstredend nicht missen; die Schätze ob desselben jedoch wollen und können auch ungeniert zu Tage treten. Weniger genau bei den gegenwärtigen „Bällen bei Hofe“ nahm man es – zumindest nach Mitternacht – mit den Handschuhen auf und so – daß sich der emsige Tänzer und Galan auch durch das überflüssige Leder nicht von dem oberkleidfreien Rücken seiner Erwählten getrennt fühle. Schon um dieses Genusses wegen erscheint es wohl motiviert, wenn just so ein minderstoffbedürftiges Ballgewebe eine siebenstellige Kronenzahl zur entsprechenden Fabrikation und Anschaffung beansprucht. Getanzt wurden selbstredend fast ausschließlich Nachkriegstänze. Sie ermüden weniger und geben beiden Teilen Gelegenheit, voll zu empfinden, was die äußere Ballhülle mehr oder minder bekleidet… Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 20.2.1924.

Der Wiener zählt zu den leidenschaftlichsten Schlittschuhläufern – auch zu den besten Kunstläufern des Kontinents. In unsrer alten großen Monarchie gab es in dieser Hinsicht berühmte Orte, so Troppau und Leitmeritz. Unwillkürlich erinnert sich der Spaziergänger aus seiner Kinder- und Jugendzeit – sowie vom Eise die Rede – just letzterer freundlichen Elbestadt. Dort wie in Wien stand – allenfalls vor einem halben Jahrhundert – die Eislaufsucht auf ganz anderer Basis. Auch am Eise, wie im Tanzsaale „hüpfte“ man damals mehr den Walzer. Überhaupt das Springen am Eise! Kunststücke, in denen sich heute Kapazitäten auf Schleifplätzen und in Varietees produzieren, waren bei uns Jungen gang und gäbe. Immer mehr Bänke wurden aneinandergeschoben, über welche wir dann mit kräftigem Anlauf hinübersetzten, wie über weite Wasserstreifen, die in scharfen Winterjahren unsere stundenlangen Exkursionen auf der Elbe unterbrachen. Meistens „Direktion Tetschen“. Es war dies doch etwas anderes als der ständige Kreislauf im Eislaufverein oder Augarten. Auch eine heitere Episode möchte ich des Kontrastes – von einst und jetzt – wegen hier einschalten. Leutnantsgarnison Theresienstadt. Winter 1879. Die Elbe zugefroren bis Hamburg. Also etwas für uns. Gute, ausdauernde Läufer waren wir, auch mehrere Läuferinnen. Frau und Töchter des Stationskommandanten und noch einige Ärarische. Zusammen rund ein Dutzend, das – Samstag dienstfrei bewilligt – acht Uhr vormittags ab Dampfschiffslandungsplatz Leitmeritz lossauste. Direktion und Endziel Landungsgrenze Tetschen. Um ein Uhr nachmittags wollten wir anlangen, um zwölf Uhr waren wir dort. Nur fünfzehn Minuten Rast in Aussig. Nun aber die glorreiche Idee! – Zurück? Morgen Sonntag? Nein! – Vorwärts! – Richtung Dresden! Soweit wir kommen. Das Eis, trotz der Elbewindungen, spiegelglatt. Um ein Uhr legten wir los. Bei Schandau dämmerte es. Dann aufblitzende Lichter rechts und links – Pirma, etwa halb fünf Uhr, im Lichterglanz, und punkt fünf Uhr landen sechs Paare unter der Brühlschen Terrasse. Dort bei strahlender Beleuchtung, regstes Treiben. Und wir – gewohntermaßen in tadellosem Bogen um- und durchbiegend: Österreichische Offiziersuniformen! Kurzes Stutzen und Anstarren – dann aber jubelnde Begrüßung vor allem von den deutschen Kameraden. Abends gesellige Zusammenkunft mit deren Damen – Toaste, Anbrüderung, Tanz. – Nächsten Morgen solennes Frühstück, dann Rückfahrt mit der Staatsbahn… Dienstag aber Stationskommandorapport – sintemalen die „Dresdner Nachrichten“ von unserem Eisbesuch begeistert Kenntnis nahmen, wir aber keinen Auslandsurlaub – geschweige denn in Uniform – erhalten hatten. Nun, zu arg fiel’s nicht aus… Ich erwähnte ja, daß Frau und Töchter des Divisionärs mit von der Partie waren. Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 15.1.1924.

Wohin spaziert man zu Faschingsbeginn? Auf den Ball. Es gibt gewiß auch wichtigere Momente als das Neuerwachen der Tanzbeine. Aber so wie zur Zeit unserer bedeutendsten Lohnkämpfe, des Handel und Wandel untergrabenden Beamtenstreiks die Wiener nur das Eine interessierte: „Wie viele Jahre wird sie kriegen, die interessante Serbenkönigssprößlingin, die uns mit ihren chemischen Versuchen beehrte?“ … ebenso könnte gegenwärtig die Welt im Begriffe sein einzustürzen … vorläufig konzentriert sich das Interesse jedes richtig gehenden Wiener Haushaltes auf die Generalfrage: „Was hätten wir noch zu verkaufen oder zu versetzen?“ Ein Wiener Sachverständiger – Schätzmeister für Konfektion und Schuhwerk – berechnete vor Kurzem, daß die Auslagen für eine Ballnacht für ein junges Ehepaar bzw. für mit etwa zwei Töchtern gesegnete Eltern von 6 bis 8 Millionen variieren, die Balladjustierung für den männlichen Teil, Frack und Smoking, für den weiblichen nach der letzten Nummer der Wiener Mode, d. h. „je weniger Stoff, desto teurer“ – von wegen der zur ansonstigen Reizver- oder –enthüllungen nötigen Garnierung. Je „eliter“ der Ball, desto freier das decoletée. Gegen welches ja bei den Bällen nichts eingewendet wurde. Im Gegenteil; der tiefe Ausschnitt war genau nach Höhe und Breite vorgeschrieben. Sieht also die einstige Landesmutter Maria Theresia auf einen Ball der Hakatisten oder Schneiderinnung im Zeremoniensaal auch in diesem Fasching hernieder, so dürfte sie sich wohl mehr über das alterieren, was gegenwärtig den Balltoiletten von der Kniescheibe abwärts an Verschleierung mangelt, als über die noch immer so absonderlichen Niggertänze oder solch einen problematischen Boston oder Jazz-Band… Obzwar just dieses Problem mit zwei Worten gelöst erscheint: „Rückhaltlose Hingabe“. Hat nebstdem die verständnissinnige Tänzerin rückwärts nichts als den zu Tage liegenden Rücken, so ergibt sich als einzig Überflüssiges nur die Musik und die ansonst Anwesenden… Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 15.10.1923.

Wien – man muß es unserer regen Stadtverwaltung lassen – bietet nach und nach wieder das schöne Großstadtbild wie zu seligen Vorkriegszeiten. – Gepflastert wird wie anno dazumal; – an allen Ecken und Enden häufen sich und schwinden die obligaten Granitbarrikaden, und senkt sich die Dämmerung hernieder vom Kahlenberg zum Donaustrand und Kanal, blitzen jetzt, wie vor einem Jahrzehnt, tausend Lichter auf in Wiens Hauptstraßen und am Franz Josefskai gleich verheißenden Sternen einer vollen Genesung, – lies! – Sanierung. Während wir aber derart dem neuen Licht und Leben entgegenschreiten, vermißt das suchend enttäuschte Auge manch, just sonst an den belebtesten Straßenecken hohen Kristallfenstern entströmende Lichtquellen und -wellen, so wie der suchende Blick just die lebenslustigsten Lokale und Rendezvousplätze der Wiener schönen Welt. Eine ganz namhafte Anzahl der, geradezu ein Wahrzeichen bildenden Wiener Kaffeehäuser mußten ihre weltbekannt eleganten Räume räumen, zu Ehren Merkurs, des Gottes des Handels und der Banken, dem offenbar diese alten Stätten Wiener Glanzes und Gemütlichkeit schon lange ein Dorn im Auge waren… Geht’s so weiter, so können die, doch mit irdischem Mammon keineswegs überschütteten Wiener an jeder Straßenecke in sorgsam vergitterten Bankfenstern die Kurse studieren, anstatt ihr Stammplatzerl aufzusuchen im lieben alten Stammkaffee. Weiterlesen

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Aus den Sommerfrischen und Kurorten.

Karlsbad ist gut gegen Magenleiden. Sieht man aber einen großen Teil der Kurgäste näher an, sollte man glauben, es sei ein Kurort für bösartige Wucherungen.

In manchen Heilbädern wird man erst recht krank, wenn man die Rechnungen liest.

In manchen Kaltwasseranstalten ist sogar die Suppe auf der table d’hote kaltes Wasser.

(15. August 1923)

 

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Wiener Spaziergänge vom 15.7.1923.

Wer auf den Pulsschlag Wiens zu horchen versteht, – denn ein jeder Ort hat sein eigenes Herz, – der findet immer wieder Symptome und Wechselerscheinungen, die sich nicht nur mit den Jahreszeiten, sondern permanent auch mit gewissen Terminen geradezu auf Woche und Tag wiederholen. Solch ein kritischer Tag erster Ordnung ist der erste Juli jeden Jahres. Fast genau aufs Datum ändert sich beispielsweise das weibliche Stadtpark- und Volks­gartenpublikum. Wahrung der Reputation verlangt es von allen, die sich’s leisten können, im Monat Juli „am Land“ zu sein und sei es auf einem Heuboden in Kraxendorf oder Mutzenkirchen. Die mondaine Frau ist dies nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem Kind und Gatten schuldig. Werfen wir nur ruhig ‘mal so einen Blick in eine „moderne Wiener Ehewirtschaft von heute“. – Einst war’s anders, und der wahrheitsliebend Gefertigte will diesmal nur just eine Gruppe herausgreifen, die Angehörigen derselben – vornehmlich jäh reich Gewordenen – die das alte Wiener Gepräge – und das minder zu seinem Vorteil, recht deklassifiziert hat. Wir wollen durchaus nicht generalisieren und nageln es hiemit ausdrücklich an, daß just und noch immer „d’Weanerin“ das süßherzigste Weiberl am ganzen Erbenrund ist, nur die Anzahl derer hat sich halt zu sehr – zu sehr vermindert, die:

„mit Wenigem zufrieden,
wenn’s Herz nur ist dabei.“ – Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 1.7.1923.

Der Monat Juli ist für den Wiener Spazier­gänger ein gewissermaßen kritischer, in besondere, insoferne sich dessen Promenaden auf die innern, die sogenannten Nobelbezirke beziehen. Verhängte Fenster, herabgelassene Jalousien, besagen es dem Lustwandler, daß alle jene Bessersituierten, „die sich’s leisten können”, nach alter Gepflogenheit – und, koste es was es wolle – hinaus sind „aufs Land”, in Feld und Wald und Tal, zu Gletscher­füßen oder ans Meeresufer, je nach Herzens­wunsch oder vorhandener Valuta. Nun, wohl jenen, die dies können. Was aber tun jene Hunderttausende, denen der abgängige Mammon besagten Herzenswunsch schon im Keime erstickt, die beruflich an die in den Hundstagen – ach, so heiße – Wiener Scholle gebunden sind? Gibt es für diese überhaupt kein buon retiro, das sie – und sei es nur auf Stunden – an Seite jener Vielbeneideten versetzt, die auf schönen Erdenplätzchen verweilend, auf kurze Zeit ihren – wie sagen wir doch? – österreichischen Erdenjammer vergessen?… Und – ein Universalwegweiser wie der Wiener Spaziergänger schon ist, will er mit nach­stehender Dirigierung all jene, die ihm zu folgen geneigt, speziell auf Österreichs paradiesischesten Gefilde führen, die just gegenwärtig in Naturaufnahmen von bisher unerreichter Schönheit und Präzision einem hoch begeisterten Publikum geboten werden. Weiterlesen

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Reue.

Das ist die Reue der Liebe:
Sie machte gern ungeschehen
Die kleinen Frevel und Sünden
Um sie nochmals zu begehen.

(1. Mai 1923)

 

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Wer’s Glück hat…

Mißglückt dem Spekulanten, was er wollte
So nennt man einen Schuft den Mann;

Wenn durch sein Wagnis ihm viel Gold zurollte,
So hält man schnell um seine Tochter an.

(1. Mai 1923)

 

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Wiener Spaziergänge vom 1.4.1923.

Der liebe Herrgott ist – fast hätte ich geschrieben – ein guter und g’scheiter Mensch. Bei letzterem aber bleibt ja noch immer die frage offen, ob er nicht doch vom Affen abstammt, der gegenwärtige Rassenstreit weist ja geradezu darauf hin. Also, den lieben Herrgott darf man nicht beleidigen. Er ist – wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein – unanfechtbar ein guter Geist, der das Erdenvölklein sich unbehindert raufen läßt, sei’s mit Revolver und Gummiknütteln oder mit Giftgas und Granaten. – „Ich“, denkt sich gewiß der g’scheite Himmelsvater, „mach meinen Dienst“. Und so – Kraft eines höhern zielbewußten Walten – zog wie durch Jahrtausende – sei’s Krieg oder Frieden – auch heuer der Frühling in das Land. Im Prater blüh’n wieder die Bäume oder bereiten sich zumindest darauf vor. Hunderttausende von sorgenschweren Müttern werden von der schwersten Last – dem hohen Kohlenbedarf – befreit und alles was liebt und lebt, auf den naturgemäßesten Schauplatz für diese Zwecke angewiesen und versetzt – eben in Gottes freie Natur. Mit himmlischer Zentralheizung. Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 1.3.1922.

Schimpfen kann ein jeder, insbesondere heutzutage und nirgendwo berechtigterer Weise als in Wien. Aber just in unseren Tagen in der Stadt der Lieder einen heiteren An- und Widerklang zu finden, betrachte ich als das dankbarste Problem, und, so wie jeder gute Vorsatz seinen Lohn in sich selber findet, so folgte ich meinem guten Willen, auch unser heutiges Wien von seiner lichten und klangvollen Mollseite kennen zu lernen, die lichtest und heiterste Erfüllung.

„W. R. B.“!

„W. R. B.“?… Was ist das? Ein Haarwuchsmittel? Eine Schuhpasta ? Eine G. m. b. H.? Bedauernswerter Wiener, du weißt es nicht? Ärmstes Wien! Tief, inmitten deines Herzens… vielleicht ist auch dieses Charakteristikon etwas bei den Haaren herbeigeschleppt – wo es sich um ein Kaffeehaus am Parkring handelt… aber dorten in den tiefsten Gründen eben des Cafe Gartenbau haust, wirkt, dichtert, singt, spielt, tanzt, jodelt und jüdelt Wiens wohl originellster Künstlerverein, die „Wiener Reform-Bühne“. Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 15.2.1922.

Fasching 1922: Zu den guten Witzen unseres Jahrs des Heils zählt es gewiß, just heuer die längste Faschingszeit durchwalzen, beziehungsweise durchfoxtrotten, respektive durchschimien zu dürfen. Lang und kräftigst werden die Tanzbeine geschwungen. Alle verfügbaren Tanzlokale sind pränumeriert. Jugend bleibt halt Jugend. Gott sei Dank, daß dem so ist. – Göttlicher Leichtsinn! Wohl denen, die ihn auch in gegenwärtig so schweren Tagen noch nicht verloren. Da ist ein tanzlustiger Studentenverein, der seinen Mitgliedern das programmgemäße Kränzchen im Nebensaale eines alten Wiener Cafes zeitgerecht ankündigte. Präses und Komiteemitglieder begeben sich des abends von der Aula dorthin, als ihnen eine Kollegin, die das erstemal zu diesem Tanzabend geladen, entgegeneilt und offenbar mit allen Zeichen sittlicher Entrüstung vor den verwunderten Hochschülern hält: Weiterlesen

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Inserate.

Zukunft! Lebensschicksale!

Talente, Beruf, Charakter, Lebensdauer, Liebe, Ehe etc. wahrheitsgetreu! Keine Dutzendhoroskope; strenges Eingehen auf die Persönlichkeit! Als Beweis bringe auch die Vergangenheit! Erforderlich: Geburtsdaten und K 30,- (Skizze) oder K 50.- genaues Detail.

Schriftsteller Höfer
Zeitschrift für Graphologie
Wien, VIII., Kochgasse 36.

(15. August 1920)

 

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Vom Gänsehäufel.

Es kommen, folgend dem Reinheitstriebe,
Auch viele Priesterinnen der Liebe
Zu des Gänsehäufels Gestaden,
Um dort mit frohem Sinn zu baden.
Man zetert in manchen Kreisen darob,
Doch spende ich den Damen Lob.
Man darf ja drob nicht am Ende fluchen,
Wenn sie einen „reinen“ Wandel suchen.

(20. August 1917)

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Suche nach der Sommerfrische.

1. Tag. Ins Fremdenverkehrsbureau am Stock-im-Eisenplatz. Zweitausend Angestellte. Wenn Sie hinkommen, sind Sie noch nicht kurbedürftig und bescheiden sich mit Weidling am Bach. Nach dreistündigem Warten und Erfüllung aller Vorschriften sind Sie gallenleidend geworden und müssen am nächsten Tag die Formulare neu ausfüllen; diesmal für Karlsbad.

2. Tag. Rayonierte Lebensmittel dürfen nicht teilweise im ständigen Wohnort und teilweise im Sommeraufenthalt bezogen wer­den. Da der ständige Wohnort Wien ist, entfällt die erste Möglichkeit. Hier bezieht man doch nur Bezugscheine. Also lassen wir uns total für Stixendorf einschreiben.

3. Tag. Eine Nachbarin sagt mir, das Zehnte kriege man nicht in Stixendorf, über­dies würfen einem dort die Bauernkinder Steine nach, wenn man Sommerfrischler sei. Weiterlesen

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Am Gänsehäufel.

Im Wiener Strandbad ist diesmal manches anders als sonst. So ist den Damen die seltsame Mahnung zuteil ge­worden, sie mögen weniger an Stoff sparen.
Ferner ist dort ein permanenter Steg zur Benützung von Automobilen zu sehen. Und keine Hand rührt sich, ihn ins Feld abzutransportieren.
Die täglichen Musterungen finden immer schon am Eingange statt. Jede Dame wählt selbst ihre Marschroute. Die physisch Schwachen gehen ins Damenbad, die „Geeigneten“ ins Familienbad.
Die Herren, die noch im Hinterlande weilen, ziehen es vor, sich sofort bis zum Kopfe einzugraben, um nicht vom gegnerischen Geschlechte gemustert zu werden. Die Manöverkritik wäre zu hart.
Das Restaurant, sonst berühmt durch seine Preise, ist diesmal nicht teurer als sonst. Ein Stück Brot kostet noch immer 4 Heller.

(18. Juni 1916)

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OLLA

ist nachweisbar das Verlässlichste und liegen eine ganze Reihe Anerkennungs­schreiben von hohen Persönlichkeiten und Fach­leuten im Original vor, die sich über OLLA äusserst lobend äussern.

Nähere Details siehe im heutigen Inserat.

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Wir haben

gegenwärtig gar viele neue Vereine für Jugendfürsorge: Kindergarten-Vereine, Säuglingsschutz, Spielplatz-Komitees, Jugend-Turnvereine, etc.
Es fehlt uns nur noch eine Kleinigkeit: die dazu gehörigen Kinder.

(30. April 1916)

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Die Wege und Warten

im Wienerwald sind seit dem ver­gangenen Sonntag wieder für die Ausflügler freigegeben worden. Man hat den Eröffnungstag deshalb so gewählt, weil das Wetter damals gar so viel reizend gewesen ist.

(23. April 1916)

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150 Jahre Prater.

Alles blieb, so wie es war,
Diese hundertfünfzig Jahr’.
Ehmals grasten dort die Hirsche,
Lockten Edelleut’ zur Pirsche;
Mehr als ein Herr Hirsch geht heut’
Dort spazieren von „unsere Leut’“.

Wursteln klappern mit der Büchse,
Aufgeputzt geht manche Schickse,
Trachtet, wenn du sie schon liebst,
Dass du ihr Almosen gibst.
Auch langzopfige Chinesen
Treiben dort ihr wichtig’ Wesen.
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