Schlagwort-Archive: Gedicht

Zoologische Karriere.

Mit sechzehn Jahr’ die Schafe trieb
Zur Weide hin die Trude;
Mit siebzehn lief sie ‘nem Student,
N‘em „Füchschen“, auf die Bude.

Mit dem verkehrt’ platonisch sie,
Man lachte, scherzte, neckte,
Bis sie ein Windhund hat verführt
Mit achtzehn Jahr beim Sekte.

Drauf nahm sie einen Kapitän,
N‘en Seebär, der hübsch blechte,
Und hielt darauf bis dreißig sich
Nur mehr an reiche Hechte.

Dann hat mit ihr zur Ehe sich
Ein schüchtern Herr verbunden,
So hatte Trude nun zum Schluß
Auch das Kameel gefunden.

Zell.

(1. Juni 1925)

 

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Voreilig.

„Ich könnte es nicht fassen,
Ein Dasein ferner allein, –
Ich möchte mein Leben lassen,
Willst du die meine nicht sein!“

Die Antwort, die sie gegeben,
Die löste die Liebespein,
Sie schenkte ihm das Leben
Und wurde für immer sein.

Doch bald erkannte er trübe,
Im Eh’joch, das ihm so schwer,
Daß damals ein Selbstmord aus Liebe
Weit besser gewesen wär’!…

I. Pauer.

(1. Juni 1925)

 

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Mater certa est.

Die Türe öffnete er sacht
Jüngst unverhofft einmal,
Ertappt die Gattin, weh, es kracht! –
Beim Ehebruchskandal. –

„Halt ein“ ruft jene rasch gefaßt,
„Erzbösewicht, du blinder,
Ermorde nicht in Jähzornhast,
Den Vater deiner Kinder!“

Emma Rosenfeld.

(1. Juni 1925)

 

 

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Bettauers Manen.

Schon rauscht der Mordprozeß in Wiener Blättern.
An Rothstock reiht man Steinhof schon hinzu:
Nur Eins bleibt gleich, der Kampf in fetten Lettern:
Hier „Kirch’ und Schule“ dorten „Ich und Du“.

Hört! Hört! Die Kinder lesens, sind im Klaren
Ob mancher Dinge zwischen Bub und Maid.
Du lieber Gott! So wars vor hundert Jahren,
So wird es bleiben und so ist es heut.

Die Gattin, die so bieder einst gewesen,
Lügt und betrügt den braven Ehemann.
Nun: Hat sie jene Werke einst gelesen,
Bevor den ersten Fehltritt sie getan?

Kein Zweifel, rings ersprießen Blätter, Bücher,
Auf Geil- und Sinnlichkeit berechnet nur;
Entscheidend ist in allen Fällen sicher,
Vor allem doch das Wirken der Natur.

Sowie das Vorbild, das daheim erworben,
Gewiß Gelegenheit auch dann und wann.
Doch wird und ward manch braves Weib verdorben,
Tuts nicht Lektüre, sondern nur … der Mann.

V. S. Teinhof.

(1. Juni 1925)

 

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Sie schrieb!

Ich liebte das Fräulein, wie selten ein’s,
In allen vier Jahreszeiten, –
Ihr Haar war echt, in der Welt de Scheins
Und glänzte wie Gold vom Weiten.

Sie schwärmte für Zigarettenrauch,
Und halte so schöne Möbel,
Sie liebte meine Gedichte auch,
Den süßen lyrischen Pöbel.

Sie machte mir den Abschied schwer,
Sie schrieb kalt-höflich, gemessen
Sie schrieb mit derselben Tinte, in der
Ich Zeit meines Lehens gesessen.

Ahasver

(1. Juni 1925)

 

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Was gibt’s denn Neues? vom 1.6.1925.

Begeistert drang die Stimmung durch,
Die Deutschlands Herrscher kürte,
Der Feldruf „Marschall Hindenburg“!
Den hier einst Seipel führte.

Der aber zog zum heilgen Rom
Mit seiner Garde munter,
Sie beteten im Petersdom,
Herr Vaugoin war drunter. Weiterlesen

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Splitter.

Ob Frauen Schweigen ist zumeist
Keine ausgemachte Sache,
Denn dies ist auch eine Ausdrucksform
Ihrer vielgestaltigen Sprache.

Fr. P.

(1. Juni 1925)

 

 

 

 

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Kurzschluß.

Von unten und von oben
Verkürzt erscheint die Frau
In knappgehaltenen Roben,
Den Bubikopf erhoben.
Auf letzter Modeschau.

Doch wird mancher Facade
Enthüllter Untergrund,
Taugt er nicht zur Parade,
Belächelt, ohne Gnade,
Von losem Lästermund.

Nur schlanken Undezenten
Vom schöneren Geschlecht,
Doch keinen Korpulenten,
Bejahrten, Indolenten,
Gebührt Fußfreiheitsrecht!

Emma Rosenfeld.

(1. Mai 1925)

 

 

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Im wunderschönen Monat Mai.

Im wunderschönen Monat Mai,
Da alle Knospen sprangen,
Sind alle Preise frisch und frei
Auch in die Höh’ gegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Von dem die Dichter leiern,
Beschenkte uns der Staat auf’s Neu
Mit jungen Frühlingssteuern.

Im wunderschönen Monat Mai,
Da alle Knospen glommen,
Hat Breitners Magistratspartei,
Was Ahrer ließ, genommen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Der stets das Herz erfreute,
Steh’n die Geschäfte leer… dabei
Und schon zwei Drittel pleite.

An jedem Tag im Monat Mai
Da alle Blumen sprießen,
Notiert präzis die Polizei
Wie viel sich erschießen.

N. Ada Sixtus.

(1. Mai 1925)

 

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Keine Sorge.

Dem Lieschen flüstert der Fritz in’s Ohr
Und ohne Bedenken und Säumen
Entgegnet ihm das Mägdelein:
„Davon laß dir nichts träumen!“

„Sei ohne Sorge“, versetzt der Bursch,
„Denn mein ganzes Trachten und Streben
Läuft einzig ja darauf hinaus.
Es in Wirklichkeit zu erleben!“

(1. Mai 1925)

 

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Was gibt’s denn Neues? vom 1.5.1925.

Der Mai ist da in voller Pracht,
Der Stadtpark steht in Blüten,
Im Prater der Lenz erwacht,
Was wird er Neues bieten?

Maikorso; Endlich – Gott sei Dank!
Spriest auf ein neues Leben
Mit Auto- und Benzingestank,
Was kann es Schöneres geben? Weiterlesen

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Eingeordnet unter Inland, Was gibts denn Neues

Rückschau.

Und wenn auch die Haare ergrauen,
Und wenn auch bald endet die Fahrt,
So hab’ ich die Lust doch am Schauen
Aus der Jugend Tage bewahrt.

Und wenn ich auch anders heut sehe,
Als einst in lenzseliger Zeit,
So fühle ich Lust doch und Wehe,
Beim Schau’n in der Einsamkeit.

In solchen trostlinden Stunden,
Ist’s mir, als wenn’s damals noch wär’,
Da ist der Nebel geschwunden,
Der grau sonst lagert umher.

Der Blick schweift durch sonnige Auen,
Durch die einst ging fröhlich die Fahrt –
Und ich hab die Lust mir am Schauen
Aus der Jugend Tagen bewahrt.

J.P.

(1. April 1925)

 

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Beim Liebchen.

Ich streichle dein gold’nes Lockenhaar
Dir aus der Stirne, der blanken,
Denn deine Blauaugen, so wunderbar,
Verkünden gar ernste Gedanken.

Sie sehen auf mich so tief bewegt
Und ich fühl’s mir die Seele durchbeben:
Der Sturm, der sich kaum erst im Herzen gelegt,
Er will sich aufs neue erheben.

Da faßt mich der ewige, selige Trieb,
Die Glut will zur Flamme entfachen,
Ich hab’ dich so lieb und ich hab’ dich so lieb…
Und du lächelst: „Was sind das für Sachen?…“

(1. April 1925)

 

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„Hallo! Hallo! Hier Radio Wien“

Wien’s Hochburg. Sieh! Von deren höchster Stelle
Herab im Sonnenglast ein Schimmern, Glühn,
Der Ursprung der Fünfhundertdreißiger Welle,
Die Quelle des „Halloh! Hier Radio Wien!“

Und von des Prachtbaus steilen Hochantennen
Mit einem Schlage durch den Weltraum weit
Der Widerhall von Wiener Kunst und Können
Das, unerreicht den Weltruf uns verleiht.

Horch! Einz’ger, erster, unsterblicher Meister
Vollendet vorgetragene Harmonien,
Beethovens, Schuberts, Strauß und Mozarts Geister,
Die ewig „unsern“ sinds. „Hier Radio Wien.“

Der Erdball lauscht. Weithin durch alle Lande
Tönt’s lieblich, lockend, symphonienreich:
Noch lebt die schöne Stadt am Donaustrande,
Groß in der Kunst das kleine Österreich.

Noch spendet sie, die alte Stadt der Lieder,
Dem Erdenrund die reichsten Melodien;
Nur eins vergißt nicht, reiche Erdenbrüder:
Zu Füßen der Antenne hungert Wien.

N. Ada Sixtus.

(1. April 1925)

 

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Eingeordnet unter Allgemein, Inland

Splitter.

„Du mußt ihr Herr sein oder Knecht“
Das Sprüchlein klinget nicht so schlecht;
Es fehlet nur der Nachsatz zwar:
„Du bis doch immerdar ihr Narr.“

Wer sich immer fürchtet, erwischt zu werden, den nennt man einen anständigen Menschen.

(1. April 1925)

 

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Eingeordnet unter Aphorismen&Anekdoten, Gedankensplitter

Was gibt’s denn Neues? vom 1.4.1925.

Was Neues in der Welt und Wien?…
Schlecht gehen die Geschäfte,
Die besten Firmen werden hin,
Es übersteigt die Kräfte.

Und abwärts geht es Schritt für Schritt,
Die ält’sten Firmen krachen,
Kein Geld, kein Kunde, kein Kredit…
Was soll der Mensch da machen?

Was nützt der schönste Lobgesang
Der wohlgemuten Presse,
Der Pauken- und Trompetenklang
On uns’rer Frühlingsmesse?

Seit wir den Schilling haben, fühl’n
Wir erst den Riesendalles,
Da nützt mehr kein Versteckenspiel’n,
Denn teurer wird ja alles.

Mit bösen Witzen nebstdem würzt
Man noch den Elendsreigen,
Da man zum Trotz den Index kürzt,
Je mehr die Preise steigen…

Auf Bettauer ein Jüngling schoß
Aus Hakenkreuzlerkreisen,
Die Pruscha krankt im Kerker, trotz
Des Mangels an Beweisen.

Das Radio ward zum Hochgenuß.
Meist nie gelesene Meister
Hört man, Hans Sachs und Griffius,
Statt flotter Wiener Geister.

Und Kammermusik tobt sichaus
Von tausend – „einen“ labend;
Kommst du nach Tagesmüh’n nach Haus,
Wie heiter wird der Abend!

Auch Deutschland kommt zum Völkerbund.
Die Welt erfährt’s mit Rührung,
Bald steht der ganze Erdenrund
Im Zeichen der Sanierung,

Gleich uns, die zu derselben Frist
Zur vollen Heilung streben.
Und wer noch nicht gestorben ist,
Der kann sie auch erleben.

T. Rauerfall.

(1. April 1925)

 

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Veränderung.

Dort, wo es mir gut erging,
Ließ ich stets mich nieder,´.
„Ubi bene – patria“
Sang ich immer wieder!

Jetzo hab ich’s Zipperlein
Und das Gliederreißen…
„Ubi Beene – Podagra!“
Tut mein Sang nun heißen.

Nazi.

(1. April 1924)

 

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Gewohnheit.

Man kann auf der Welt, der schönen,
Bis alt man wird und grau,
An alles sich gewöhnen,
Sogar an seine Frau.

(1. März 1925)

 

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Der Frühling, der Frühling kehrt wieder!

Der Winter schied. Wir stehn im März.
Neu sprießen Lust und Lieder.
Der Lenz erwacht. Laut pocht das Herz.
Der Frühling, der Frühling kehrt wieder.

Statt Nobelball – der five o clock;
Der Jüngling trägt matt und bieder
In’s Dorotheum den Winterrock.
Der Frühling, der Frühling kehrt wieder.

Und mancher Maid, nach Frühlingslust
Wird – ach! zu eng’ da Mieder,
Et cetera;… bang schwillt die Brust.
Der Frühling, der Frühling kehrt wieder.

Im Rathaus aber und Parlament
„Der Föhn“ von den Sitzen hernieder,
Beflegelnd der ständige Kampf entbrennt
Der Frühling, der Frühling kehrt wieder.

Ansonst steigt das Elend seit Jahresbeginn
Und fährt uns in Magen und Glieder.
Hell singen die Kinder mit fröhlichem Sinn:
„Der Frühling, der Frühling kehrt wieder.“

N. Ada Sixtus.

(1. März 1925)

 

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Einst!

Als mir das Blut in der Jugend
Noch heiß durch die Adern geschäumt,
Da hab’ ich in einsamen Stunden
Von Lenz und der Liebe geträumt.

Dann sah ich die Rosen kommen
Und sah sie wieder vergeh’n,
Sah die letzten Blumen des Sommers
Im Sturme des Herbstes verweh’n. –

Es klingt ein altes Liedchen,
So ferne – ich hör’ es kaum,
Es singt von verwelkten Blumen,
Von einem entschwundenen Traum!

Ahasver.

(1. März 1925)

 

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