Schlagwort-Archive: Oper

Wiener Spaziergänge vom 1.12.1924

Es war einmal – erzählt die Mär – ein Capua der Geister, eine Stadt der Lieder am schönen blauen Donaustrand. Das war einmal, und daran erinnern sich jene Wiener, die zumindest ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel haben, die noch heute mit stiller Wehmut und auch Dankbarkeit für das gütige Geschick, das sie noch die Blüte der Hofbühnen und des Wiener Männergesangvereins miterleben und –genießen ließ. Die Zeiten haben sich geändert, Das Burgtheater – traurig aber wahr – steht heute überhaupt nicht mehr an erster Stelle der Wiener, geschweige denn deutschen Sprechbühnen; die Staatsoper jedoch ist – verzeihen Sie das harte Wort – zum Starhäuschen geworden, dessen seltensten Vögel ihre kostbaren Töne nur ausnahmsweise am Opernring, zumeist aber jenseits des großen Wassers in den valutastarken „Vereinigten“ ertönen lassen. Wien, die musikalische Hochburg, steht vor der permanent akuten Gefahr, sein zweites – das Opern-Volksheim zu verlieren… Hier aber wieder ist es die Schlange der Lustbarkeitssteuer, die sich erstickend um die Lebensfähigkeit all dessen windet, was eben Wien vorher zum geistigen und künstlerischen Mittelpunkt der gesamten Kulturwelt machte. Weiterlesen

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Kritik der Kritik

Ein Wort für unsere Mimen.

Auf die Gefahr hin, für einen Marsbewohner gehalten zu werden, tritt der Gefertigte gegen die ebenso allmächtige als allweise Theaterkritik in die Schranken. Zur eigenen Legitimation in Bezug auf das tollkühne Unternehmen betont der Schreiber nicht etwa, daß er bereits vor einem halben Jahrhundert „die Verhaltungsmaßregeln Goethes und Lessings, Dingelstedts und Devrients für den Mimen mit allenfalls problematischen Verständnis intes hatte…“ viel mehr erwähnt er, daß er schon zu jener Zeit ein ständiger Besucher des unsterblichen Kunsttempels am Michaelerplatz war, wo er – entsprechend seinen Mitteln – vom höchsten Standpunkte, der dritten Galerie, das Beste mehr hörte als sah, was deutsche Schauspielkunst zu bieten vermochte und vermag. Es war dies noch vor jener Periode, wo Mitterwurzer und Kainz von des Burgtheaters Familie und dem Rezensenten der alten Presse als Outsiders empfunden und besprochen wurden… Also, dem ergebenst Gefertigten, im bescheidenen Wirkungskreis rezensiert auch er noch heute, kann man höchstens das Verständnis, keinesfalls aber eine Erfahrung im Theaterwesen absprechen. Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 1.9.1924.

Nachdem wir in Wien den effektiven Krieg langsam aber sicher  – Gott sei Dank –  vergessen hatten, wurden wir von Allen, die bei der Auffrischung dieser tragischen Reminiszenzen etwas zu erreichen oder zu verdienen hoffen, demonstrativ daran erinnert, daß Wien just vor zehn Jahren das höchste Jubelfest beging, als die Züchtigung der Serben, der Mörder unseres Thronfolgers, „endlich“ praktiziert werden sollte. Urwüchsig, wie der Wiener schon ist, hörte man von dem Moment des Attentats an nur immer wieder eine Prophezeiung: „Wir werden uns halte wieder auf den Kopf sch… reiben lassen. Wir schimpfen, aber wir tun nichts.“ So war das allgemeine Urteil, ohne Unterschied der Parteien – obs im Offizierskorps war, ob im Kaffeehaus oder Gasthaus, ob beim Fleischhacker oder Greisler – am meisten schimpfte unser Schuster. Doch ich will ihn nicht kompromittieren, denn heute ist er Betriebsrat… Schwamm drüber! Also heute sind wir abermals auf dem Standpunkt „Nie wieder Krieg!“ Ganz unsere Meinung! Aber gibt’s überhaupt einen halbwegs logisch denkenden Menschen, der es für denkbar hält, daß ohne den Thronfolgermord und der ersten Kriegserklärung just Österreichs der Weltbrand vermieden worden wäre? So etwas wird gewiß nicht einmal die Berta Suttner oder Herr Austerlitz behaupte… Diese Explosion hätte kein Kaiser oder König, kein Papst oder Präsident aufgehalten. Vielleicht verzögert… Und von diesem Standpunkt aus erscheint die Sarajevoer tötliche Operation in ganz anderem Lichte. Man bedenke – der Ausgang der Katastrophe war durch das Kräfteverhältnis der Gegner von Haus aus gegeben – der unhaltbare Zustand wäre auch weiterhin balanziert worden. – Einmal mußte es ja doch zum Krach kommen. Ohne der erfolgreichen Wirksamkeit Principes und seiner Hintermänner, vielleicht noch ein halbes Jahrzehnt später – und die Folgen? Wir säßen noch heute drin in den Schützengräben oder im Dörrgemüse. Jeder Nicht-Steinhofer aber – ob rot oder schwarz, ob schwarz-gelb oder schwarz-weiß-rot – der sich nochmals einen solchen Rummel wünscht, ist kein Mensch, sondern, wie wiederum der Urwiener sagt, „ein Viech“! Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 1.8.1923.

Die Revolution, die, das letzte Jahrzehnt beherrschend, alle bisherigen Begriffe und Prinzipien kunterbunt untereinander warf, verfehlte auch nicht, dem Wiener Straßenbild ein ganz von dem durch Jahrzehnte, ja Jahrhunderte gewöhnten verschiedenes Gepräge zu verleihen. Und wir, die Zeitgenossen, haben uns bereits an die neue Momenteindrücke derart gewöhnt, daß wir uns durchaus nicht mehr wundern, erblicken wir in einem Auslagskasten neben dem vornehmsten Tafelgeschirr eine Auswahl an dauerhaften Strapazschuhen, in einer Tabaktrafik die verlockend frischesten Eier, und wir würden auch nicht mehr staunen, wenn uns in unserer Leibbuchhandlung alltäglich die frischesten Debreziner oder Frankfurter angepriesen würden. Jeder verdient halt, wo und so viel er nur kann. Sei es in Seidenstrümpfen, Nachtkasteln oder bombensicheren „Etty und Berger”. Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 1.9.1921.

Irgend ein deutscher Dichter oder Philosoph – wer merkt sich alle Namen? – bezeichnet die Wiener als die sanguinischsten Germanen – raschest im Jubel wie im Jammer, im höchsten Lob wie im schärfsten Schimpfen, in glühendster Begeisterung wie in tötlichster Entmutigung. Recht hat er: beizufügen wäre nur, daß es auf der weiten Erde keinen größeren Optimisten gibt, als den Wiener inklusive seiner besseren Ehehälfte. Wenn’s diesmal nicht wieder einmal recht miß endet, so ist’s ja die höchste Hetz, was sich jetzt so a riegelsame Hausfrau von der Wiener Messe verspricht, das heißt, vom glorreichen Zimmervermieten, denn vermietet wird alles. Weiterlesen

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Eigene Kunst und Kultur.

Die Behörden haben in dieser Woche die Aufführung eines Theaterstückes inhibiert, weil die Autoren zwei Franzosen der Gegenwart sind. In Frankreich ist es heute undenkbar, daß ein Werk deutscher oder österreichischer Autoren aufgeführt wird, und wir sind durchaus nicht gezwungen, die Noblen zu spielen. Es besteht überdies gewiß kein Mangel an guten Dramen einheimischer Autoren und die Franzosen haben schon in Friedenszeiten stark an Zug­kraft eingebüßt.
Auch von italienischen Komponisten der Gegenwart wird zuviel aufgeführt, und wir sollten die tückischesten Feinde unsrer Monarchie nicht mit unsrem Geld und unsrer künstlerischen Teilnahme unterstützen.
In der Musik hat das deutsche Volk gewiß keinen Grund, nach dem Ausland zu greifen.

(1. Februar 1918)

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Müde Sängerinnen.

In Hofopernkreisen wird die Mär verbreitet, Frau Mildenburg-Bahr werde wieder engagiert werden.
Ihr Gatte, Hermann Bahr, der auf seine alten Tage in feudalem Palais klerikale Séancen hält, ist persona grata in mächtigen Kreisen geworden, und etwas von dem Glanz fällt auch auf die ehemals so bedeutende Sängerin. Aber wir hätten genug an müden Sängerinnen und haben erst neulich mit Schrecken dem „Scheppern“ der Frau von Halban-Kurz zugehorcht.
Nein – man lasse den emeritierten Sängerinnen ihre Ruhe.

(20. Jänner 1918)

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Der Krieg und die Theater.

In der Hofoper haben einige vom Sekretär Leon aus Breslau herzitierte Bari­tons kein Engagement gefunden, trotzdem oder vielmehr weil sie ihre Rollen krähiert haben.

Hermann BahrMildenburg ist im Palais Harrach zur Posse übergegangen.

Selma Kurz hat ihre Versöhnung mit dem Wiener Publikum beschlossen. Zur Be­kräftigung dessen wird sie fortab um zehn­mal weniger in der Spielzeit auftreten.

Direktor v. Millenkovich hat die Mehrzahl der Wiener Theaterkritiker auszu­schließen geplant, da er auch im Parkett nur Herrn Brecka und andre Vertreter des christlich-germanischen Schönheitsideals duldet.

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Wahres Geschichtchen.

Liebe Caricaturen! Nach der ersten Reprise der beiden Korngoldopern trat vor dem Gebäude der Wiener Hofoper ein Herr im Smoking auf das Ehepaar Korngold, die Eltern des jugendlichen Komponisten zu und gratulierte mit den Worten: „Ich sag’ Ihnen nur das eine: Der Sohn wird noch geh’n über’n Wagner!“ – Was die Eltern, speziell die Mama, dankend quittierte.

Daß der komponierende Erich schon heute über’n Strauß und Puccini „gegangen“ oder vielmehr hergefallen ist, verschwieg des Freundes Höflichkeit. Be­dauernswert sind aber nicht nur solche im Nebel der Selbsttäuschung taumelnde Menschen, sondern ist auch der Drachentöter des „Siegfried-Kandelabers“, in dessen knapper Nähe dieser Ausspruch erfolgte. Weil sich der gußeiserne Wagnerheld so gar nicht wehren konnte! …

(23. April 1916)

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Der „Parsifal“

ist in der Hofoper zu einer großen Bla­mage ge­wor­den, denn man hat sich mit Recht gefragt, wofür man vierfach er­höhte Preise zahlen müsse. Die bloße Tatsache, daß ein Werk tan­tiemenfrei ist, reicht nicht hin, er­höh­te Preise zu begründen, ebensowenig eine heisere, falsch singende Kundry, wie sie von Frau Mildenburg gegeben worden ist.

In der Kunst darf es kein Erbarmen ge­ben; hier sind nur vollendete Leis­tun­gen erlaubt, und so darf man ruhig sagen, daß „Parsifal“ ein deut­liches Ermatten Wagners bedeutet, und daß die Milden­burg nicht mehr singen kann. Wacker hielt sich Herr Schmedes, der für die entschwundene Blüte der Stimme durch vollendete Gesangskunst und ausge­zeichn­ete Dar­stellung entschädigt.

Äußerst störend ist die überlange Pau­se, welche mit ihrer Kaffeehaus­panik die berühmte weihevolle Stimmung unge­heu­er beeinträchtigt.

(25. Jänner 1914)

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Die Parsifalmonate.

1.-8. Jänner: Notizen, Vorbe­sprechun­gen, Dekorations- und Kostüm­pro­ben zu „Parsifal“.

9.-17. Jänner: Generalprobe, Pre­mie­re in erster und zweiter Besetzung, Kriti­kern des Gesellschafts­bildes, Modebe­richte, Präsenzliste, Feuilletons, Re­fe­rate.

18.-25. Jänner: Glossen und Artikel über die rasche Verflauung des Parsifal-Rummels, Ausblicke, Lehren an Gregor.

26.-31. Jänner: Vergleiche, Witze und An­spielungen zwischen Parsifal­mo­tiven und politi­schen, gesellschaftlichen Themen.

Februar: Dasselbe in Volksausgabe (Volks­oper).

(25. Jänner 1914)

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Slezak, der Seefahrer

singt im Tristan den Steuermann:

„Frisch weht der Wind der Heimat zu
Mein irisch Kind, wo weilest du,
Sind’s deiner Seufzer Wehen,
Die mir die Segel blähen – –“

worauf eine Stimme von der Galerie ein­fällt: „Reden S’ Ihnen net aus, wenn S’ nix vom Wasser­sport verstehn, wie mir g’sehn haben!“

(17. August 1913)

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Aus der Journalistenwelt.

  • Der Herausgeber der „Zeit“ be­schreibt in einem großen Spezialartikel die Präzision, mit der er in das neue Heim des Journals übersiedelt ist. Er vergißt nicht zu erwähnen, daß sich binnen 24 Stunden „das große Adressen­material“ trans­ferieren ließ. Das war die erste wirk­liche Neuigkeit, welche dieses Blatt brachte.
  • Der Mahler- und Gregor-Töter Herr Hans Lieb­stöckl gedenkt in Berlin Opern­direktor zu werden und hofft innigst, daß ihm dortselbst kein Lieb­stöckl das Leben sauer machen wird.
  • Um die Balkangreuel zu mildern, hat die N. Fr. Pr. interveniert. Sie hat ver­anlaßt, daß die Herren Klein und Zifferer Feuilletons und andere Feind­seligkeiten gegen Europa einstellen.
  • Der „Berliner Lokalanzeiger“ hat sei­nen Wiener Vertreter niedergelegt.
  • Die „Vossische Zeitung“, die an einer Störung des liberalen Organs litt, er­hielt den ärztlichen Rat „Mandl ent­fernen“, den sie auch befolgte.
  • Die im „Nr. Wr. Tagblatt“ erfolgte Ent­deckung von Belgrad, Nisch, Kragu­jewatz und Pirot sind das Ereignis der Woche ge­wesen.
  • Die lebendigsten „Ausschnitte“ aus der jetzigen Kriegsgeschichte sind wieder dem „Nr. Wr. Journal“ zu danken.

(27. Juli 1913)

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Neueste Theaternachrichten – vom 25.5.1913.

Bassermann will nicht ans Burgtheater engagiert werden, weil er mit dem Auftreten im 1. Hernalser Kino viel mehr verdient und ihm außerdem der geringe künstlerische Geist im Burgtheater nicht paßt. Weiterlesen

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Theater-Chronik – vom 25.5.1913.

Im Mai beginnt die Wanderzeit,
Da kommen die fremden Truppen;
Wir lernen kennen wohl alte Kunst
Jedoch in neuen Gruppen. Weiterlesen

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An die Fürstin Metternich

haben wir uns mit der Bitte gewendet, uns über die erste „Tannhäuser“-Auf­füh­rung in Wien einen Erinnerungsartikel zu schreiben. Die Fürstin lehnte mit den Worten ab: „Das ist doch nichts Histori­sches! Da würde ich lieber etwas aus frühe­ren Jahren, aus meiner Jugendzeit erzählen.“

(25. Mai 1913)

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Eingeordnet unter Kleine Scherze

Neueste Theaternachrichten – vom 18.5.1913.

Tilla Durieux wird an das Burgtheater engagiert. Der Berliner Polizeipräsident hat seine prinzipielle Einwilligung zu diesem Engagement gegeben. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Theater

Theater – vom 27.4.1913.

„Die kleine Quelle“ ist ein Drama, in welchem Roberto Bracco, der anmutige italienische Plauderer einmal tragisch kommt. Weiterlesen

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Neueste Theaternachrichten – vom 27.4.1913.

Die Prager tschechische Oper ist nach Paris zu einem Gastspiel gefahren. Die Wiener tschechische Oper verbleibt während dieser Zeit auf dem Opernring. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Theater

Theater – vom 20.4.1913.

Im Johann Straußtheater gibt es einen Girardi-Zyklus, der vom Publikum willkommen geheißen wird, denn der echteste aller Wiener Lieblinge kann nicht oft genug kommen. Weiterlesen

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