Schlagwort-Archive: Parlament

Wiener Spaziergänge vom 1.2.1925

1925, das heilige Jahr, hielt seinen Einzug, und Christ wie Jud’ erfuhr aus den Tagesblättern, daß speziell aus unserem „Landel“ manch’ Wallfahrt nach Rom geplant ist, und die Ravag brachte bereits in den beiden letzten Wochen des Vorjahres fünf Abende und Nachmittage einen Vorgeschmack mit Kirchen-Kloster- und Kindergesängen, die für den Gläubigen gewiß anmutig anzuhören waren und an denen nur das eine auszusetzen war, daß die, nebst einigen Chören und Vereinen der äußeren Bezirke, angekündigte Staatsopernsängerin verhindert war, mitzusingen. Es liegt uns, als harm- und parteilosen Witzblatt, jederzeit fern, und ist ja nicht allein unstatthaft, sondern abgeschmackt, konfessionelle Probleme zu erörtern – hiefür haben wir ja unser Rathaus und Parlament… aber – nur eine unwillkürliche Ideenassoziation: Wie wäre es, wenn sich etwas die mosaischen Abonnenten, und diese bilden ja nahezu die Hälfte, der Ravag an diese mit dem Antrag wenden würden, von Zeit zu Zeit auch Tempelgesänge als Abendprogramm dem Repertoire einzuverleiben? Besitzt doch bekanntermaßen just Wien die geradezu besten Tempelsänger und –chöre auf Erden. Also, der ergebenst Gefertigte – auch er verbringt seine Abenden unter einem Netz von Drähten, die ihn mit kaum geahnten akustischen Genüssen verbinden – also ich selbst sehne mich ebenso wenig nach chronischem Kirchen- als Tempelgesang, ich meine vielmehr, daß die in jedem Sinne hohe Leistung des Wiener Radio endlich wissen müßte, für welche Darbietungen überhaupt Versender und Hörer – zumindest bis heute – mehr oder weniger geeignet scheinen. Also für Kammermusik weniger, desgleichen für gemischte Chöre, weniger für Sopranstimmen, am besten für das gesprochene Wort, Männerstimme in allen Tonlagen, Solovortrag von Streichinstrumenten, grundsätzlich aber nur für melodiöse, ins Ohr gehende Musik, am allerwenigsten aber für Klaviervorträge. Nun, wie Gott will! Und, durch Schaden wird man klug. Herr Silving ist nicht nur ein famoser Musiker, sondern auch ein ganz guter Geschäftsmann. Er wird schon machen. Mehr Besorgnis flößt uns in letzterer Richtung Herr Breitner ein. Daß er sich just diese Gelegenheit entgehen ließe, um auch seinen permanent wachsenden Radio-Schab zu machen, erscheint uns steuererfahrungsgemäß „sehr diskutabel“. „Vederemo!“ sagte der blinde Italiener. Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 1.12.1924

Es war einmal – erzählt die Mär – ein Capua der Geister, eine Stadt der Lieder am schönen blauen Donaustrand. Das war einmal, und daran erinnern sich jene Wiener, die zumindest ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel haben, die noch heute mit stiller Wehmut und auch Dankbarkeit für das gütige Geschick, das sie noch die Blüte der Hofbühnen und des Wiener Männergesangvereins miterleben und –genießen ließ. Die Zeiten haben sich geändert, Das Burgtheater – traurig aber wahr – steht heute überhaupt nicht mehr an erster Stelle der Wiener, geschweige denn deutschen Sprechbühnen; die Staatsoper jedoch ist – verzeihen Sie das harte Wort – zum Starhäuschen geworden, dessen seltensten Vögel ihre kostbaren Töne nur ausnahmsweise am Opernring, zumeist aber jenseits des großen Wassers in den valutastarken „Vereinigten“ ertönen lassen. Wien, die musikalische Hochburg, steht vor der permanent akuten Gefahr, sein zweites – das Opern-Volksheim zu verlieren… Hier aber wieder ist es die Schlange der Lustbarkeitssteuer, die sich erstickend um die Lebensfähigkeit all dessen windet, was eben Wien vorher zum geistigen und künstlerischen Mittelpunkt der gesamten Kulturwelt machte. Weiterlesen

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Das Parlament tagt wieder.

Gott sei gelobt! „Das Parlament tagt wieder“
Eröffnet dessen Pforten stolz aufs Neu’.
Volk Österreichs! Stimm an der Rettung Lieder,
Die Zeit der schweren Nöten ist vorbei.

Sie sind ja wieder da, die uns geführet…
Gekräftigt trafen sie von Neuem ein,
Nachdem sie – Gott sei Dank – sich frisch kurieret
In Karlsbad, in Ischl und Gastein. Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 1.8.1924.

So schwer es just dem Wiener Spaziergänger fällt, seinen diesmaligen Rekognoszierungsbericht mit der Konstatierung einer ausgesprochen betrübenden Tatsache zu eröffnen – er kann nicht anders – So wahr ihm Gott helfe… Also kurz und gut – im Prater stinkts – stinkts derart, daß man sich in der herrlichsten Allee der Erde auf die Hügel des Laaer-Berges versetzt fühlt, von welchem bekanntermaßen an hundert Schlote ihre Teer-, Petroleum- und sonstigen Dämpfe zum Arsenal herabwälzen. Ganz ungleich, jedoch – weil hier absolut unerwartet – um so empfindlicherer Weise tritt einem bereits am Praterstern penetranter „Gstanken“ entgegen, der sich beim Betreten der Hauptallee aufs schier Unerträglichste steigert. Alles unter der Devise: „Abwehr des Staubes“. Unter diesem Feldruf wurden und sind die Praterhauptallee und alle in sie einmündenden Fahrstraßen mit einer stets wieder erneuerten Erdölschichte bedeckt, die einem direkt in diesem einstigen Wiener Paradiese den Atem behemmt. Aber nicht nur in der Hauptallee allein – auf Kilometer Umgebung stinkt sich dieses mißlungenste Experiment kommunaler Fürsorge aus. Wie und wohin, hängt nur von der Richtung des Windes ab. – Weht er von Osten, triffts die Praterstraße – von Westen das Donaugelände bis an den Spitz – von Norden die Praterwiesen bis an den Kanal – und herrscht eine Luftströmung von Süden, so taucht sie den Wurstelprater bis zur Ausstellungsstraße in einen tiefen Petroleumodeur, gegen den die früheren milden Akazien- und Lindendüfte vergeblich ankämpften. Also – Gnade ihr Herren da droben, schleunigst weg mit dem übelriechenden neuen und Rückkehr zum alten Bewässerungssystem, bevor den Wienern der beliebteste Sonn- und Feiertags-Ausflug und Aufenthaltsort verleidet und unmöglich gemacht wird. Weiterlesen

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Zu leihen.

Gesucht ein Bärenfell und Teutonenkeule für die Nationalratswahlen.

Eine Jesuitenkutte kann in Austausch gegeben werden.

(15. Oktober 1923)

 

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Wiener Spaziergänge vom 15.9.1923.

Wir stehen im Zeichen der Wahlen. Wien rüstet, railliert, mobilisiert, vor allem aber dotiert – an Wahlfonds fehlt’s ja nicht – seine Parteien. Plakate aller Richtungen und Farben prangen und locken, bedrohen und verurteilen – sei es Anhänger oder Gegner… Versammlungen in allen Bezirken versprechen die – zumindest oratorisch höchsten Momentanerfolge. Nicht minder aber auch die Möglichkeit der interessantesten Zusammenstöße in natura. Die permanenten Opfer dieser Volksfeste – unsere braven Wachleute – stehen in stetem Assistenzdienste. Was aber die Hauptsache ist: Alle politischen Tages- und Wochenblätter haben zumindest auf weitere acht Wochen für die Ausfüllung ihrer Spalten ausgesorgt. Warum wir diese doch allgemein bekannten Tatsachen just an dieser Stelle erneuert annageln?… Wir tuen es aus dem Grunde, um den Wiener, den wir auf unseren Spaziergängen so oft in Äußerlichkeiten gezeichnet haben, diesmal auch in seinem innern Wesen zu schildern. Wozu uns wohl eine Beobachtung so wie ein Mitleben von fünfzig denkreiferen Jahren in Wiener Sphäre gewiß berechtigt. Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 15.6.1922.

Besteht eine Wiener Chronik und wer schreibt und führt sie? Meine bescheidene Anfrage dieserwegen fand keine aufklärende Erwiderung. Bei der Konkordia erfuhr ich, daß unter ihren Mitgliedern mehr Empfundenes als Erlebtes verzapft werde, und im Magistrat wollten sie mich wegen momentan anzüglichen Anspielungen perlustrieren. Nachdem ich den behördlichen Nachweis darüber beigebracht hatte, daß ich bisher nicht vorbestraft, verheiratet und auf mein Zeilenhonorar angewiesen bin, wurde ich bezüglich meiner statistischen Anfrage auf die Straßenbahn, Wagen Nr. 49, verwiesen. Der halte direkt bei Steinhof. Woraus ich resumierend schloß, daß die gegenwärtigen Wiener Verhältnisse sich der chronistischen Festhaltung entziehen. Wenn ich ein Wunderdichter wäre, – so ungedruckt bin ich doch nicht – so könnte ich die Lage meiner Mitbürger etwa mit der des Reiters über den Bodensee vergleichen, der’s unter der Eisdecke lebensbedrohend und schaurig gurgeln hört. Oder ich könnte von dem Tanzen auf einem Vulkan phantasieren – bei meiner Wenigkeit schon wegen dem Mangel einer entsprechenden Beschuhung ganz ausgeschlossen… Deshalb ist es wohl rationeller, sich an nackte Tatsachen zu halten, die die gegenwärtigen Wege und Beobachtungen des Wiener Spaziergängers zu einer Leidenspromenade machen, gegen die Dantes Höllenfahrt der reine Vergnügungszug ist, etwa wie des Dichters vierte Verzweiflungsstation im Vergleich zu unserer Markthalle. „Laßt alle Hoffnung fahren, die ihr da eintretet!“ Wenn ihr daselbst aber schon einkaufen müßt, dann tut es sofort, denn bevor ihr zum nächsten Stand kommt, ist alles wiederum bedeutend teuerer geworden. Die Marktweiber und Fleischhacker haben da ein eigenes Prinzip: Lesen sie im Extrablatt oder in der Kronenzeitung, daß die Generalpfandrechte aufgehoben und die Kredite gesichert erscheinen, also die Krone sich heben dürfte, so heißt es, noch raschest alle Preise zu heben, bevor sich die G’schicht am End effektiv bestätigt; steht’s aber – wie normal – mit den Krediten mieß, so wird ja eh das Geld immer weniger wert, ist also eine Verteuerung auch vollkommen gerechtfertigt. An gutem Beispiel von „da droben“ fehlt’s ja nicht. Hierüber dürfte – sagen wir vielleicht ein Wolfgang Schmälzl – dereinst historisch geschrieben haben: Weiterlesen

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Ein Epigramm.

In den letzten Tagen machte in Abgeordnetenkreisen aller Parteirichtungen ein Scherzgedicht die Runde, das auf die Wiederverleihung des Adeltitels an Georg Schönerer gemünzt ist . Das Epigramm lautet:

Im Reichsrat ging es den Deutschen bitter,
Sie erreichten wenig fürs eigene Volk,
Doch haben sie einen großen Erfolg:
Der Schönerer wurde wieder Ritter!

(1. August 1917)

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An den Exstadtrat Reumann.

Geehrter Herr Reumann!

Nun, wo Sie Gelegenheit hatten, der Stadt Wien ernste Dienste zu leisten, hauen Sie mit einer Wiener Vorstadtgeste das Mandat hin und lassen den andern die Sorge. Ich kenne Sie noch aus der Zeit, wo Sie ein bescheidener Drechslergehilfe waren – damals waren Sie viel rühriger und energischer. Den Wachtposten im Stadtrat hätten Sie nicht verlassen dürfen.
Auch Ihr Freund Renner ist gerannt, als man ihm ein Portefeuille anbot. Nützlich mag das alles sein – aber imponierend ist das wirklich nicht. Jetzt wo der sozialistische Löwe überall das Haupt erhebt, erwartet man mehr Kühnheit und Opfermut von Sozialistenführern.
Mandate und Stellen hinhauen – das könnte ich auch treffen. Damit wird man in so ernsten Zeiten nicht berühmt.

(1. Juli 1917)

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Generalversammlung.

Ein Mitglied der Verwaltung verlas sodann den Geschäftsbericht. Redner erklärte, er sei überzeugt, daß die Revisoren der Leitung das Absolutorium erteilen würden und glaubt, daß alle in der Generalversammlung Anwesenden ihr das Vertrauen aussprechen werden. Aus dem Berichte geht hervor, daß die Fürsorge der Verwaltung nichts zu wünschen übrig lasse – – (Zwischenrufe: „Und was ist es mit den versprochenen Reformen?!“) Redner: „Das ist vorläufig noch Geschäftsgeheimnis.“ Redner kommt sodann darauf zu sprechen, daß die Statuten der Gesellschaft in wichtigen Punkten abgeändert werden müssen. (Zwischenrufe: „Wann? Wie?“) Redner: „Das ist vorläufig Geschäftsgeheimnis!“ Redner verspricht, im geeigneten Zeitpunkt Aufklärung über diese wichtigen Pläne zu geben. (Zwischenrufe: „Wann?“) Redner: „Das ist Geschäftsgeheimnis!“
Kurz und gut, es war der Tag der Rede des Ministerpräsidenten Grafen Clam-Martinic.

(17. Juni 1917)

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Der Turm zu Babel.

– und es geschah, daß sie einen Turm aufrichteten und Bausteine herbeischleppten. Gott aber strafte sie mit großer Wirrnis. Und das Werk wollte nicht vorwärts gehen, dieweil jeder in einer andern Sprache redete. Und als der Turm zu wackeln drohte, stand einer auf und sagte: „Gehet hin und machet, daß die Gott gefällige Arbeit vonstatten gehe und wählet acht Baupoliere und 17 Vizepräsidenten und sorget dafür, daß, ehe es Nacht wird, alle Tage alle Sprachen in ein Protokoll aufgenommen werden, dann wird, bis der Ururenkel eures Samens mit starken Lenden herangewachsen sein wird, der Turm – noch lange nicht fertig sein.“

(17. Juni 1917)

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Die erste Krise.

Die neue Geschäftsordnung des Parlaments ist angetan, Krisen zu vermeiden. Aus diesem Grunde hat sie ein Schönheitspflästerchen bekommen. Das Haus hat die Protokollierung sämtlicher nicht deutschen Parlamentsreden vorzunehmen. Damit haben die slawischen Parteien eine Kraftprobe gewagt. Es ist also sofort eine Krise ausgebrochen; die Deutschen sind verstimmt, es kann zur Obstruktion kommen, und so ist dank der neuen Ordnung alles in schönster alter Ordnung.

(10. Juni 1917)

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Parlamentseröffnung.

Unter großer Feierlichkeit wird das österreichische Parlament mit einem Miß­trauensvotum der Parlamentsmehrheit für die Regierung Clam-Martinic eröffnet. Die Politiker arbeiten diesmal ehrlich und haben bereits einen dritten Vizepräsidenten auf den Tisch des Herrenhauses niedergelegt. Der Seniorenkonvent war eine Art „Vorparlament“, und symbolisch hat ihm der Minister­präsident bereits mitgeteilt, daß als wichtigste und für die Kriegszeit dringendste Not­wendigkeit ein neues Zahntechnikergesetz zur Beratung gelangen soll. Weiterlesen

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Der alte Wekerle-Scherz,

der vor einem halben Menschenalter durch die Blätter spukte, wird in neuer Fassung aufleben dürfen. Wie heißt der Wekerle, wenn er auf dem Baum liegt? – Antwort: Wekerle. Wie aber wird der Wekerle heißen, wenn er vor der Arbeitspartei nicht auf dem Bauch liegt? – Antwort: Verräter an der ungarischen Nation.

(3. Juni 1917)

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Benedikts’ Jungfernrede.

Der Herausgeber der „Neuen Freien Presse“ erhebt sich nach Einbringung einer Gesetzesvorlage im Herrenhause und sagt kurz, aber markig:

„Hochverehrte Feldmarschalle, Kirchen­fürsten und andre Kollegen! Die Benediktsche Formel ist endlich angenommen worden – da bin ich! Mit der Nummer 18946, Jahr­gang 1917, war es mir vergönnt, den Ein­tritt ins höchste Haus zu halten. (Zwischen­rufe der Kollegen Weiskirchner und Geßmann.) Bitte die Krone der Journalistik nicht in die Debatte zu ziehen! Der werte Vizepräsident Fürst Fürstenberg tut Unrecht, die Glocke in Bewegung zu setzen, er soll sich nicht spielen, ich kann ihn morgen an eine viel größere Glocke hängen. Weiterlesen

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Herrenhausmitglieder.

Benedikt ist nun auch im Herrenhaus – nun, bei der „Neuen Freien Presse“ war er schon lange Herr im Haus.

Zwei große Chirurgen sitzen nun im Herrenhaus. Werden sie bei den Operationen der Regierung mittun?

Skoda ist nun auch Gesetzgeber. Nun, seine Batterien haben schon oft den Feinden das Gesetz vorgeschrieben.

(27. Mai 1917)

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Neue Gesellschaftsspiele.

1. Parlament.
Die Teilnehmer setzen sich auf ver­schiedene Bänke und teilen sich in eine „Rechts-“, Mittel-“ und „Links-“Partei. Hierauf erhebt sich einer und spricht jeden Unsinn, der ihm einfällt. Die andern haben dann die Aufgabe, ihn zu übertrumpfen, und wem es nicht ge­lingt, der darf nicht mehr mitspielen.

2. Börse.
Die Teilnehmer streuen alles Geld, was sie bei sich haben, aus und be­kom­men da­für Papierstücke (sogenannte „Ef­fekten“). Zum Schlusse kom­men einige Eingeweihte und klauben alles Geld auf. Darauf sagt der Leiter des Spieles: „Krach!“ und alles geht auseinander.

(8. Dezember 1912)

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Wochenkinematograph.

In Wien beginnt es im Gebäude der christlichsozialen Herrschaft zu knistern, und viele Mitglieder der herrschenden Partei blicken ängstlich nach Rettung aus. Und siehe da, die Feinde sind nicht ein­mal so gefährlich wie die Freunde. Viktor Silberer, Herausgeber einer Sportzeitung, bisher christlichsozial, attackiert in sei­nem Journal die Partei­ge­nos­sen in der heftigsten Art.

Ist das nicht im Grunde echt öster­reichisch? Bei uns wird die inter­essan­tes­te Politik in einer Sportzeitung gemacht.

Die Politik ist eben bei uns ein Sport, und so konnte ein ehemaliger Book­maker Abgeordneter werden, allerdings durch Wählerkreise, welche keine „Bücher ma­chen“, ja selbst solche nicht zu lesen pfle­gen.

(24. Dezember 1911)

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Wochenkinematograph vom 14.2.1909

Eduard ist nun doch nach Deutsch­land gegangen, und für einige Tage sind England und das deutsche Reich die besten Freunde. Vergessen sind alle Depeschen und Interviews, aller Wetteifer zu Wasser und zu Lande. Man ist wieder Onkel und Neffe, die Deutschen erinnern sich an Shakes­peare, die Engländer an Goethe und beide an die Schlacht von Water­loo.

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Man schreibt uns.

Die Wahlreformbewegung in Ungarn bringt die köstliche Anekdote wieder in Erinnerung, die seinerzeit über den alten Baron W., den in seiner Art berühmt gewordenen Wiener Millionär und Bankdirektor erzählt wurde, als er den Namen seines Hauses auch zu politischem Glanze bringen wollte und sein Sohn deshalb in einem ungarischen Wahlbezirk – die Familie war eine ungarische – für den Reichsrat kandidieren mußte.
Der junge Baron setzte es selbstverständlich auch durch, gewählt zu werden – seine Mittel erlaubten es ihm. Nur wurde die Wahl leider wegen Bestechungen angefochten und auch wirklich vom Reichstag kassiert. Bei dieser Nachricht geriet der alte Baron in schnaubende Wut und schrie:
„Was? Die Wahl ist annulliert? Wegen Bestechung? Jetzt muß er wiedergewählt werden – und wenn es mich hunderttausend Gulden kosten sollte…!“

(4. Oktober 1908)

 

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