Schlagwort-Archive: Sprache

Wienerisch.

Sö, Herr, ziag’n S’ o, sonst reib i Ihnen ane auf’s G’sims, daß Ihnen die Funken bei die Glurn aussi fahr’n und d’ Leut’ manen, Sö san a Beleuchtungskörper vom Zirkus Hagenbeck.

Henger.

(1. August 1924)

 

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Der dritte und der vierte Fall.

Er hält sie fest in seinem Arm,
Und drückt sie an sein Herz so warm;
Leis’ flüstert er ins Öhrchen ihr:
„Mein Herzeken, ick liebe dir!“
Drauf gibt sie ihm ‘nen süßen Schmatz
Und sagt zu ihm: „Mein lieber Schatz.
Es heest doch abers eejentlich
‚Mein Herzeken, ick liebe dich!’“
Die Antwort wird ihr auf der Stelle:
„Ick lieb’ dir ja uff alle Fälle!“

(1. Dezember 1921)

 

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Wienerisch.

Sö, Herr, mi lassen S’ mit Ruha, sunst hab’n S’ ane aufs G’sims, daß Ihna das Feuer bei die Augen aussi fahrt und die Leut’ manen, Sö san a Beleuchtungsobjekt für die Wiener Messe!

I. G. Henger.

(1. November 1921)

 

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Flüchtige Gedanken eines galizischen Flüchtlings.

Warum hat man nix mich geschickt nach St. Germain? Ich kann zwar nix viel französisch, aber handeln kann ich, und mit de Händ’ red’ ich noch besser französisch wie Clemenceau. Das ganze is doch nix wie ä Aus­gleichs­versuch nach ä Konkurs, und wer is da e größerer Spezialist wie ich. In Tarnow allein hab’ ich dreimal Konkurs gemacht und hab’ immer bei jeden Mal besser abgeschnitten.

Aber Renner – der is ä guter Bibliotheksbeamter, aber än Ausgleich durch­zuführen, is er doch der reine Nebbich.

Mich, wenn man geschickt hätt’.

Ich hätt’ dem Clemenceau gesagt: Weiterlesen

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Neue Redensarten.

  • Verlogen wie ein Reuterbericht.
  • Windig wie ein amerikanisches Versprechen.
  • Zerfallen wie das russische Reich.
  • Problematisch wie eine Sendung aus der Ukraine.

(1. Juni 1918)

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Die Tschechen

haben endlich die Grenzen des ihnen ge­bührenden Nationalstaates festgesetzt. Sie erstrecken sich im Norden bis nach Pommern, wo einst slavische Herzoge regierten, im Westen bis nach Frankreich, weil dort Boheme zu Hause ist, im Süden bis Triest, das eine slavische Gründung ist und im Osten bis zur Krim, wo Kramarsch Besitzungen hat.
Die Kolonien dieses Staates liegen in Amerika auf Grund des historischen Dokumentes „Ein Böhm in Amerika“.

(20. November 1917)

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Moderne Phraseologie.

Die Offiziere grüßten die Gruppe junger Mädchen. Kurz darauf konnten einwandfreie Brände beobachtet werden.

Es gährte im Sommer 1917 schon lange in Europa, so daß es nicht Wunder nahm, als plözlich der Frieden ausbrach.

Der Geburtenrückgang kann so am besten bekämpft werden, wenn jeder daheim seine Pflicht tut.

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Georg von Windsor.

Georg von England will nicht länger „Braunschweig-Hannover“ heißen; der Name klingt ihm zu ehrlich-deutsch. So hat er sich und seine Familienangehörigen denn die tragikomischen Männer von Windsor genannt.

Das erinnert uns an die Anekdote, die ein ehemaliger österreichischer Ministerpräsident auf dem Gewissen hat. Ließ da ein böhmischer Großindustrieller namens Pollatschek um Namens­änderung bitten und ersuchte den Premier um gütige Intervention. Der Ministerpräsident willfahrte der Bitte, äußerte jedoch später sarkastisch: „Ich möchte wissen, was es für einen Zweck hat, wenn der Mann seinen Namen ändert und sich fortab Poldoni nennt. Wie ich ihn kenne, wird er sich doch nach acht Tagen schämen, Poldoni zu heißen!“

(1. August 1917)

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Der Turm zu Babel.

– und es geschah, daß sie einen Turm aufrichteten und Bausteine herbeischleppten. Gott aber strafte sie mit großer Wirrnis. Und das Werk wollte nicht vorwärts gehen, dieweil jeder in einer andern Sprache redete. Und als der Turm zu wackeln drohte, stand einer auf und sagte: „Gehet hin und machet, daß die Gott gefällige Arbeit vonstatten gehe und wählet acht Baupoliere und 17 Vizepräsidenten und sorget dafür, daß, ehe es Nacht wird, alle Tage alle Sprachen in ein Protokoll aufgenommen werden, dann wird, bis der Ururenkel eures Samens mit starken Lenden herangewachsen sein wird, der Turm – noch lange nicht fertig sein.“

(17. Juni 1917)

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Sprachreinigung.

Zu unsrer vorwöchigen Randbemerkung über die Verdeutschung von Fremdwörtern erhalten wir aus militärischen Kreisen die Ergänzung: Es gibt auch künstliche und gewaltsame Sprachverunreinigungen, die man nicht für möglich halten sollte. So heißt tatsächlich der amtliche Totenschein bei der Armee „Ex offo-Sterbe-Register-Extrakt“ und das Ausrüstungsverzeichnis eines ins Spital geschickten Soldaten wird „Partikularrevisionsliste“ genannt.
Eine Partikularrevision solcher Ausdrücke ist dringend geboten.

(10. Juni 1917)

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Die Kunst der Verdeutschung.

Es geht nichts über die Vermeidung von Fremdwörtern, besonders französischer und englischer. So berichtet eine Münchener Ärzte-Zeitung, das Darmleiden der Patienten in einem Reservespital habe vielfach zu „Verwicklungen“ geführt, womit aber beileibe nicht Darmverwicklungen, sondern eben – Komplikationen gemeint sind.
Das Leipziger Varieté „Stadt Nürnberg“ kündigt an: „Sylveros“, berühmter Fangkünstler. Es handelt sich aber gar nicht um einen dressierten Jagdhund, sondern um einen biederen – Jongleur.

(3. Juni 1917)

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Parlamentseröffnung.

Unter großer Feierlichkeit wird das österreichische Parlament mit einem Miß­trauensvotum der Parlamentsmehrheit für die Regierung Clam-Martinic eröffnet. Die Politiker arbeiten diesmal ehrlich und haben bereits einen dritten Vizepräsidenten auf den Tisch des Herrenhauses niedergelegt. Der Seniorenkonvent war eine Art „Vorparlament“, und symbolisch hat ihm der Minister­präsident bereits mitgeteilt, daß als wichtigste und für die Kriegszeit dringendste Not­wendigkeit ein neues Zahntechnikergesetz zur Beratung gelangen soll. Weiterlesen

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Neuestes.

Die Negerrepublik Liberia hat sich nun auch dem „Kampf für die Kultur“ angeschlossen. Man hat demgemäß dort beschlossen, den Gebrauch von Taschentüchern einzuführen.

Lloyd George redet den Engländern so viel vom Hungern vor, daß sie ihn bald satt bekommen werden.

In einem russischen Regiment sollen Anfälle von Disziplin beobachtet worden sein.

(6. Mai 1917)

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Englische Aussprache.

Bekanntlich bietet die Aussprache des Englischen große Schwierigkeiten, da gewöhnlich ganz anders gesprochen als geschrieben wird, so daß neben jedes Wort für jenen, der Englisch lernt, die buchstäbliche Aussprache hingeschrieben werden muß.

So z. B.
„Mistreß“ sprich: „Missis“
„Times“ sprich: „Teims“
„Two“ sprich: „Tuh“
„Lloyd George“ sprich: „Schwindler“
„Carson“ sprich: „Raufbold“
„Churchill“ sprich: „alberner Geck“
„Asquith“ sprich: „Deserteur“.

(25. März 1917)

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Ein stenographischer Lapsus.

Wer einigermaßen Einblick hat in die Häuslichkeit der Zeitungsbetriebe, mußte dieser Tage über eine sonderbare, auf dem Wege von Budapest in sämtliche mitteleuropäische Blätter gelangte politische Nachricht heftig lächeln. Da soll „Az Est“ aus Athen gemeldet haben: „Die königstreue Menge schrie: Hoch das Vaterland! Nieder mit der Note!“
Note? … Nun, es sollte „Entente“ heißen; so hatte es der Budapester D-Korrespondent abgegeben. In stenographischer Satzkürzung wird „Note“ und „Entente“ gleich geschrieben …

(14. Jänner 1917)

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Hüben und drüben.

Ja, es ist richtig; am Ballhausplatz kann das „Literarische Bureau“ ohne die überflüssigsten Fremdwörter sein Auslangen nicht finden. In der Übersetzung von Wilsons Note heißt es: „Der Präsident regt an, daß die Nationen ein Bekenntnis ihrer respektiven Ansichten provozieren“. („Regt an, ihre Ansichten über die Bedingungen zu erfahren“ hat Berlin übersetzt.) Und welches Echo findet Wilsons Anregung? Deutschland gibt eine Antwortnote darauf, der Wiener Ballhausplatz jedoch reagiert mit einem – „Aide-Memoire“.

(5. Jänner 1917)

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Frankreich will Neger,

gelbe und andre Koloniale heranziehen, um den Ruin der französischen Rasse aufzuhalten. „Denn besser ein Neger, der ein Kolonialfranzose ist, als ein Boche“, erklären die Blätter.
Das nennt man eine Blutverbesserung! Also nicht bis zum „Weißbluten“ wird Frankreich den Krieg weiter führen, sondern bis zum „Schwarzbluten“!

(17. Dezember 1916)

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Scherzfrage.

In welchem Satze kommt das Wort „Konstantza“ vor?
Antwort: „Heute ist bei Kohns Tanzabend.“

(12. November 1916)

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Ein schwieriges Wort.

Wir werden nun möglicherweise bald eine Reichsfleischkarte erhalten. Wenn sich die Gerüchte bestätigen, daß auf die einzelnen Fleischsorten auch einzelne Karten entfallen, so werden wir neben Reichsrindfleisch- und Reichskalbfleischkarten auch noch „Reichsreisfleischkarten“ oder „Reisreichsfleischkarten“ begrüßen.

(27. August 1916)

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Die Russen an der Westfront.

Französischer Neger (einen über und über schmutzigen Russen betrachtend): „Oah! Master! Sein von Kongo? Dongola? Oder was für Rasse?“
Kolonialoffizier: „Dummer Sene­galese! Es gibt in Europa auch schwarze Weiße!“

(23. Juli 1916)

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