Schlagwort-Archive: Umwelt

Wiener Spaziergänge vom 1.8.1924.

So schwer es just dem Wiener Spaziergänger fällt, seinen diesmaligen Rekognoszierungsbericht mit der Konstatierung einer ausgesprochen betrübenden Tatsache zu eröffnen – er kann nicht anders – So wahr ihm Gott helfe… Also kurz und gut – im Prater stinkts – stinkts derart, daß man sich in der herrlichsten Allee der Erde auf die Hügel des Laaer-Berges versetzt fühlt, von welchem bekanntermaßen an hundert Schlote ihre Teer-, Petroleum- und sonstigen Dämpfe zum Arsenal herabwälzen. Ganz ungleich, jedoch – weil hier absolut unerwartet – um so empfindlicherer Weise tritt einem bereits am Praterstern penetranter „Gstanken“ entgegen, der sich beim Betreten der Hauptallee aufs schier Unerträglichste steigert. Alles unter der Devise: „Abwehr des Staubes“. Unter diesem Feldruf wurden und sind die Praterhauptallee und alle in sie einmündenden Fahrstraßen mit einer stets wieder erneuerten Erdölschichte bedeckt, die einem direkt in diesem einstigen Wiener Paradiese den Atem behemmt. Aber nicht nur in der Hauptallee allein – auf Kilometer Umgebung stinkt sich dieses mißlungenste Experiment kommunaler Fürsorge aus. Wie und wohin, hängt nur von der Richtung des Windes ab. – Weht er von Osten, triffts die Praterstraße – von Westen das Donaugelände bis an den Spitz – von Norden die Praterwiesen bis an den Kanal – und herrscht eine Luftströmung von Süden, so taucht sie den Wurstelprater bis zur Ausstellungsstraße in einen tiefen Petroleumodeur, gegen den die früheren milden Akazien- und Lindendüfte vergeblich ankämpften. Also – Gnade ihr Herren da droben, schleunigst weg mit dem übelriechenden neuen und Rückkehr zum alten Bewässerungssystem, bevor den Wienern der beliebteste Sonn- und Feiertags-Ausflug und Aufenthaltsort verleidet und unmöglich gemacht wird. Weiterlesen

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Wiener Spaziergänge vom 1.6.1923.

Die zweite Garnitur der Wiener Bevölkerung – das sind jene, die sich einen Sommeraufenthalt außerhalb des Rayons unserer Vaterstadt nicht zu leisten vermögen – setzen ihre Promenaden auch weiterhin im Bereich unserer 21 Bezirke behufs zeitweiser ozonreicherer Luftveränderung fort. Sie dürften die Minderzahl bilden, da trotz der immensen Wohnungs- und Pensionspreise, die unsere biederen Landbewohner verlangen, der rechte Wiener grundsätzlich „aufs Land“ gehen muß, sei es auch nur mit der Absicht, um sich nach absolviertem Aufenthalt in den elenbesten Bauernhütten, rückgekehrt, in seinem anständigen Bett um so wohler zu fühlen. Und, wenn er drauß’ im Schlagtreffdorf für täglich 50.000 Krandln am Heuboden schlafen muß – hinaus muß er. Die Schand kann man sich schon mit Rücksicht auf die Hausleut’ nicht antun, im Sommer „in Wien“ geblieben zu sein. Freilich gibt’s auch nicht wenig solcher Sommerfrischler, die mit ihrer zurückgelassenen Adresse und ihren späteren Erzählungen über das Leben und Treiben in Ischl, Gastein, Karlsbad, insbesonders aber „an der See“ einigermaßen in Widerspruch geraten, was bei effektivem Aufenthalt in einer Bauernhütte nächst Grammat-Neusiedl nicht Wunder zu nehmen ist. Also, an diesem Brauch werden auch zehn weitere Weltkriege mit allen Konsequenzen nichts ändern. So lange es Menschen gab und gibt, waren und bleiben sie stets Wurzen ihrer Eitelkeit. Ich kenne Wiener, die mitten im Wiener Wald den bequemsten und herrlichsten Sommeraufenthalt genießen, aber so ein Föhrenwald bei Dorn- und Tullnerbach kann sich doch nicht mit dergleichen an – der Südbahnlinie vergleichen. – Und wie viele Badner zieht’s wiederum unwiderstehlich in die denn doch ganz andere Westbahnwaldesluft! Weiterlesen

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Die Sommerfrische.

Wenn wärmer grüßt der Sonne Strahl
Und ‘s Herz wird leicht mit einem Mal,
Der Lenz naht mit Frohlocken,
Dann will ein jeder ‘naus aufs Land,
Drum macht der Städter kurzerhand
Sich plötzlich auf die Socken.

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Tirol.

Ich fragte den Hinterhuber Sepp: „Wie heißt der Berg dort?“
„Dös ischt da Dreifeachtelschpitz.“
­(Kein Mensch auf Erden kann übrigens „Feachtel“ sagen wie der Sepp – einen echteren Tiroler gibt’s gar nicht. Das „ch“ kommt fauchend zwischen den Zahnstummeln und der Pfeife unnachahmlich hervor.)
„Warum“, fragte ich weiter, „heißt der Berg Dreifeachtelschpitz?“
„Weil a drei Feachteln san auf der Schpitz.“
„So“, meine ich, „was sind denn das, Feachteln? Aha, vielleicht Fichten?“ –

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Die Mondesfinsternis.

Die vergangene Woche stand im Zeichen einer totalen Finsternis. Die „Luna“ mußte ihren Betrieb zum Teil einstellen, offenbar aus Kohlenmangel. Die höhere Instanz, die Sonne, welche als Urproduzentin für die Kohle in Betracht kommt, behauptet, es sei verbrecherisch, sich auf sie auszureden, da nur die Schwierigkeiten im Verkehr diese Kalamität mit sich brachten. Es sei dies eine der vielen Ausflüchte, die immer den Mars für jede Schlamperei verantwortlich machen.
Eine strenge Untersuchung ergab, daß der Schuldtragende die Erde war, deren leider so gewachsene Schatten die „Luna“ zwangen, hineinzutreten. Der Zwischenfall ist bereits am nächsten Tage behoben worden, und es kann nicht gezweifelt werden, daß wieder, wie so oft schon, unser herrlicher Kriegsbürgermeister Se. Exzellenz Herr Dr. Richard Weiskirchner, Geheimer Rat, Handelsminister a. D. etc. etc. durch energisches Eingreifen der zu ihm ewig dankbar aufblickenden Bevölkerung Wiens die Approvisionierung mit ungeschmälertem Mondlicht gesichert hat.

(20. Juli 1917)

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Meteorologisches.

Am Tage nach dem Explosionsunglück am Steinfelde hatte die Wiener Zentralstation für Meteorologie nichts Eiligeres zu tun, als an das Publikum die Aufforderung zu richten:
Die Bevölkerung wird, im Interesse der interessanten wissenschaftlichen Erscheinungen hiermit aufgefordert, an die Zentralstation alle Beobachtungen über Gewitter, Explosionen und Luftdruckerscheinungen anher bekannt zu geben. Das hatte viel Erfolg.
Ein Spießer erklärte: „In der Nacht auf den kritischen Sonntag bin ich infolge heftiger Erschütterung aus dem Bett gefallen. Es waren unsre berühmten Postautomobile, die das Haus unter ein Erdbeben setzten. Wahrscheinlich wurde damals ein Harmonium transportiert, denn dieses ist das schwerste Instrument für jeden Spieler.“ –
Herr Teitelbaum, II. Schiffamtsgasse 13, schrieb: „Geehrte metronomische Station! Mei Frau hat gestern, trotzdem nicht fleischlos war, dreimal im Tag nix als Bohnen gekocht und mei ganze Familie, 4 Personen haben das gegessen. Mir schlafen in einem Zimmer. Mehr sag’ ich nicht!“

(24. Juni 1917)

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Sommerfrischen-Ersatz.

Ich gehe heuer zum erstenmale nach Wien in die Sommerfrische. Bisher habe ich diesen Vorsatz wie tausend andre immer nur im Frühjahr gefaßt, um dann später „bloß wegen der Kinder“ doch in Ischl, Marienbad oder in Tirol zu landen. (Daß ich überhaupt keine Kinder habe, hat der Ausrede nichts geschadet.) Da ich mir diesmal aber bei der Anmeldung im Fremdenverkehrsbüro tatsächlich durch das lange Stehen Krampfadern, Gallenleiden und Wanderniere zugezogen habe, kam ich nolens wolens zu einer amtsärztlichen Bescheinigung, wonach ich die Pflicht hätte, es dieser Niere gleich­zutun. – Die Marschroute lautete: Baden bei Wien. Weiterlesen

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Aus den Heilbädern.

Franzensbad wird den Kurgästen alles wie bisher bieten. Frauen, die dort zum Kurgebrauch eintreffen, können das beste hoffen und auch ruhig in der Hoffnung kommen, sich sehr gut zu erholen. Das Moor wird ohne Vorweisung der Brotkarte abgegeben. Ein Badezwang besteht nicht, was namentlich für Gäste aus dem fernern Osten wichtig ist.

In Baden bei Wien sind die Kurgäste gehalten, ihren eigenen Rheumatismus mitzubringen. Milchproduktion ist bei einigen Landfrauen gesichert. Damen, die ihr Gesicht stark pudern, haben die Mehlkartenabschnitte vorzuweisen.

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Suche nach der Sommerfrische.

1. Tag. Ins Fremdenverkehrsbureau am Stock-im-Eisenplatz. Zweitausend Angestellte. Wenn Sie hinkommen, sind Sie noch nicht kurbedürftig und bescheiden sich mit Weidling am Bach. Nach dreistündigem Warten und Erfüllung aller Vorschriften sind Sie gallenleidend geworden und müssen am nächsten Tag die Formulare neu ausfüllen; diesmal für Karlsbad.

2. Tag. Rayonierte Lebensmittel dürfen nicht teilweise im ständigen Wohnort und teilweise im Sommeraufenthalt bezogen wer­den. Da der ständige Wohnort Wien ist, entfällt die erste Möglichkeit. Hier bezieht man doch nur Bezugscheine. Also lassen wir uns total für Stixendorf einschreiben.

3. Tag. Eine Nachbarin sagt mir, das Zehnte kriege man nicht in Stixendorf, über­dies würfen einem dort die Bauernkinder Steine nach, wenn man Sommerfrischler sei. Weiterlesen

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Probates Mittel.

Um den Klagen wegen mangelhafter Schnee- und Kotreinigung ein Ende zu setzen, hat der Wiener Magistrat beschlossen, jetzt schon die Sommerzeit einzuführen.

(25. Februar 1917)

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Der neue Wintersport.

Einstens auf den schönen Hügeln
Konnten sie sich gar nicht zügeln,
Vater Kohn und Mutter Dora
Und die höh’re Tochter Flora,
Wintersport am Semmering,
Weil es nach der Mode ging.
Töchterlein sucht einen Freier
Und man tut, was noch so teuer,
Väterchen, der sucht Kredit
„Sehn muß man uns hier, ich bitt!“
Und man muß da eben sehen,
Daß solche Geschäfte gehen.

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Die grosse Kälte.

Die Elektrische ist aller Sorgen enthoben. Die Leute stehen so eng gepreßt im Wageninnern, daß es den meisten warm „ums Herz“ ist. Freilich, mit der Anatomie darf man’s dabei nicht zu genau nehmen.

Wer’s zu Hause gemütlich haben will, braucht nur sämtliche Zeitungen ins Feuer zu werfen, auf denen die Ausreden der Kohlenhändler veröffentlicht sind.

Wer behauptet, man kriegt keinen Kohlenwagen zu Gesicht, lügt. Oder er ist noch nie mit der Straßenbahn gefahren, hat noch nie Eile dabei gehabt und hat noch nie erlebt, daß immer dann gerade ein Kohlenwagen das Geleise verlegte.

(4. Februar 1917)

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Am Gänsehäufel.

Im Wiener Strandbad ist diesmal manches anders als sonst. So ist den Damen die seltsame Mahnung zuteil ge­worden, sie mögen weniger an Stoff sparen.
Ferner ist dort ein permanenter Steg zur Benützung von Automobilen zu sehen. Und keine Hand rührt sich, ihn ins Feld abzutransportieren.
Die täglichen Musterungen finden immer schon am Eingange statt. Jede Dame wählt selbst ihre Marschroute. Die physisch Schwachen gehen ins Damenbad, die „Geeigneten“ ins Familienbad.
Die Herren, die noch im Hinterlande weilen, ziehen es vor, sich sofort bis zum Kopfe einzugraben, um nicht vom gegnerischen Geschlechte gemustert zu werden. Die Manöverkritik wäre zu hart.
Das Restaurant, sonst berühmt durch seine Preise, ist diesmal nicht teurer als sonst. Ein Stück Brot kostet noch immer 4 Heller.

(18. Juni 1916)

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In der »Urania«

hat kürzlich ein Redner mit wirklich lichtvollen Darstellungen sich großen Respekt verschafft. Durch die Einführung der Sommerzeit war es nämlich gar nicht nötig, daß der erste Teil des Vortrages bei elektrischer Beleuchtung stattfand, sondern es standen noch die Sonnenstrahlen zur Verfügung.

(21. Mai 1916)

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Blick vom Kahlenberg.

– Das große runde Gebäude ist die Rotunde. Diese weite Konservenbüchse ist der Gasometer. Dort, dieser Krautkopf ist die Sezession.
= Danke schön. Und was sind dort, in der Mitte der Stadt, diese vielen kleinen, tonnenähnlich sich erhebenden Objekte?
– Das sind keine Objekte. Das sind Subjekte. Und zwar die Luxusdamen im Stadtpark in ihren Modekleidern!

(21. Mai 1916)

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Eine Woche „Sommerzeit“.

Wenn am 21. Juni die wirkliche Sommerzeit kommt, was wird da der ver­längerte Tag für ein langes Gesicht machen? Er hat um 1 Stunde 10 Minuten nach der Sonne und um 1 Stunde nach der Regierung zugenommen. – Komplizierter wird die Geschichte im Herbst, wenn die abgezwackte Stunde wieder angestückelt wird. Wenn dann, im September, der jüdische „lange Tag“ erscheint, just an dem Tag, wo es ein verkürzter Tag ist, werden da die frommen Fastenden sich an den halb­langen Tag halten?

Sehr gerne würde ich jetzt ein Kaffee­hausmarkör gewesen sein, zumindest am 30. April. Jede Billardpartie, die um 11 Uhr beginnt und bis 12 Uhr dauert, wird mit zwei Stunden Spieldauer ange­rechnet. – Aus einem ähnlichen Grunde möchte ich jedem Geldnehmer raten, in dieser Nacht um eine „Stundung“ seiner Schulden anzusuchen. Weiterlesen

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Preisfragen betr. Sommerzeit.

Wenn der „Müller und sein Kind“ heute und nicht zu Allerseelen gespielt wird, muß da die tote Marie um 11 Uhr oder um 12 Uhr erscheinen?
Und wenn sie um 12 Uhr erscheint, da es doch 1 Uhr ist, wird sie sich mit einem „Urlaubszettel auf Überzeit“ auszuweisen haben?
Und wenn sie es täte, ist sie nicht eine Schwindlerin, da der Schnee auf dem Friedhof doch nicht auf die „Sommerzeit“ schließen läßt?

(7. Mai 1916)

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Die „Sommerzeit“.

Die Nacht vom letzten April auf den ersten Mai ist die Walpurgisnacht. Es war dies auch eine ,,Brocken­sammlung“. Was aber werden wir tun, wenn wir eine ganze Stunde dem Kalender abzwacken sollen? Wird es Leute geben, die früher aufstehen? Oh ja, doch nicht am Morgen; die Herren Hausbesorger werden bloss um 9 Uhr sperren, das heisst also um ¾ 9 Uhr. Die Hühner werden auch früher aufstehen, denn es ist doch ein zu lukratives Geschäft, zu den heutigen Höchstpreisen Eier zu legen. – Das Raimundtheater wird, um den Ausfall der einen Stunde hereinzubringen, am 1. Mai eine zweite Vorstellung des „Drei­mäderlhaus“ veranstalten.

Wir fürchten, es wird nicht viel Ungemach „erspart“ werden.

(30. April 1816)

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Nach der neuen Zeit. Sommerzeit.

  • Der Herr Hofrat wird statt um 2 um 3 Uhr im Bureau einschlafen.
  • Frau von Flitscherl wird statt um 7 um 8 Uhr zum Rendezvous gehen.
  • Der Klavierlehrer wird statt zwischen 10 und 11 Uhr dann zwischen 11 und 12 Uhr die Schülerin küssen.

(30. April 1916)

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Die Wege und Warten

im Wienerwald sind seit dem ver­gangenen Sonntag wieder für die Ausflügler freigegeben worden. Man hat den Eröffnungstag deshalb so gewählt, weil das Wetter damals gar so viel reizend gewesen ist.

(23. April 1916)

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